Ab wann Smartphone-Nutzung Kinderaugen schadet

Viele Kinder und Jugendliche sind ausgiebige Smartphone-Nutzer. (Foto: vejaa - Fotolia.com)

Dass die übermäßige Nutzung von Tablet und Smartphone die Entwicklung von Kurzsichtigkeit begünstigt, ist bekannt. Doch wieviel Zeit am Handy ist aus Sicht des Augenarztes erlaubt? Im Vorfeld des 116. Kongresses der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (27. bis 30. September 2018 in Bonn) haben Experten Empfehlungen zum altersangemessenen Umgang mit elektronischen Medien ausgesprochen.

50 Prozent aller jungen Erwachsenen in Deutschland sind bereits heute von einer Kurzsichtigkeit betroffen. In anderen Regionen liegt der Anteil noch höher, in einzelnen asiatischen Ländern sind es bis zu 95 Prozent. „Die Zunahme ist vor allem auf sehr frühen und intensiven Gebrauch von PCs, Smartphones und Tablets bei gleichzeitig immer kürzeren Tagesaufenthalten im Freien zurückzuführen“, sagt Professor Dr. med. Nicole Eter, Präsidentin der DOG und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Münster.

Wenn Kurzsichtigkeit einmal vorhanden ist, bleibt sie bestehen. Eine Myopie beginnt meist im Grundschulalter und nimmt bis ins Erwachsenenalter zu. Je früher sie einsetzt, desto stärker ist ihr Ausmaß. Die Betroffenen benötigen eine Brille oder Kontaktlinsen. Doch die Konsequenzen sind weitreichender. „Myope Menschen haben auch ein größeres Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Netzhautablösung, Schädigungen der Makula oder für erhöhten Augeninnendruck, der zu grünem Star führt“, sagt Professor Dr. med. Bettina Wabbels, Leiterin der Abteilung für Orthoptik, Neuro- und pädiatrische Ophthalmologie an der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Darüber hinaus kann der ständige Blick auf den Bildschirm die Augen von Kindern reizen, ermüden und austrocknen. Außerdem steht die abendliche Smartphone-Nutzung in Verdacht Schlafstörungen auszulösen. „Der hohe Blaulichtanteil der Bildschirme hemmt die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das schläfrig macht“, so die Bonner DOG-Expertin. Gehen schon Kleinkinder häufig online, leide womöglich sogar deren räumliches Vorstellungsvermögen. „Zu viel Smartphone kann zudem Probleme beim Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht verursachen, etwa in Form von verschwommenem Sehen oder Schielen“, setzt Bettina Wabbels die Liste schädlicher Folgen fort.

Smartphone-Nutzung begrenzen

Eltern sollten daher die Nutzungsdauer digitaler Medien bei ihrem Nachwuchs begrenzen. „Aus augenärztlicher Sicht sind PC, Smartphone oder Tablet für Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren gänzlich ungeeignet“, betont Wabbels. Für Vier- bis Sechsjährige empfiehlt die Expertin eine tägliche Nutzungsdauer von bis zu dreißig Minuten und folgt damit der Einschätzung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Im Grundschulalter wäre eine Medienzeit von maximal einer Stunde täglich aus augenärztlicher Sicht vertretbar, ab einem Alter von etwa zehn Jahren von bis zu zwei Stunden pro Tag“, so die Ophthalmologin.

Zwei Stunden nach draußen

Für die Nutzung von Smartphone und Co. empfehlen die Ärztinnen die Aufstellung von klaren Regeln. Außerdem kann die Nutzungsdauer mithilfe einer App oder Kindersicherung beschränkt werden. „Um Schlafstörungen zu vermeiden, sind elektronische Medien ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen tabu“, sagt Bettina Wabbels. Zudem sollte die Mediennutzung immer mit analoger Freizeitgestaltung kombiniert werden. „Es ist der Gesundheit zuträglich, wenn sich Kinder täglich mindestens zwei Stunden bei Tageslicht im Freien aufhalten, das wirkt auch einer Kurzsichtigkeit entgegen“, betont die Expertin.