52 Millionen Arbeitsstunden: Bürokratie belastet Praxisalltag

Das hohe Maß an Bürokratie belastet Ärzte in Deutschland. (Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com).

Papierkram statt Patienten, heißt es nach wie vor in vielen deutschen Arztpraxen. Zu viel Bürokratie sorgt dafür, dass weniger Zeit für die Patienten bleibt. Das muss sich ändern, fordert jetzt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

52 Millionen Stunden ihrer Arbeitszeit haben die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland aufgewandt, um Büroarbeit durch Vorgaben der Selbstverwaltung auf Bundesebene zu erledigen. Diese Zahl geht aus dem Bürokratieindex hervor, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)  jetzt gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe und der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) vorgestellt hat. Die drei Partner wollen transparent zu machen, wie sich die Belastung der Niedergelassenen durch Bürokratie entwickelt.

„Zwar hat es an einigen Stellen Entlastungen gegeben, beispielsweise durch die Abschaffung der Auszahlscheine im Krankengeldfall. Aber es kommen auch immer neue Belastungen hinzu. 52 Millionen Stunden sind einfach immer noch zu viel“, sagt KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen. Die Zeit der Niedergelassenen sei schließlich in erster Linie für die Patienten da und nicht für den Papierkram. „Deshalb fordern wir von den Krankenkassen die verbindliche Festlegung eines Abbauziels für Bürokratie“, so Gassen weiter. Ein solches Ziel könnte maßgeblich dazu beitragen, dass für die Behandlung der Patienten wieder mehr Zeit zur Verfügung stehe.

Bürokratie-Abbau im Fokus

Die FHM hat für die Datenerhebung die Methodik des sogenannten Standardkosten-Modells gewählt. „Wir haben die durch das Statistische Bundesamt durchgeführte Bestandsmessung auf den aktuellen Stand gebracht. Neue und geänderte Informationspflichten wurden in diesem Rahmen ebenso berücksichtigt wie Pflichten, die in der Zwischenzeit entfallen sind. Darüber hinaus erfolgte eine Aktualisierung der zugrundeliegenden jährlichen Fallzahlen“, sagt Prof. Dr. Volker Wittberg von der FHM. Der Bürokratieindex sei im Bereich der ärztlichen Selbstverwaltung somit von der Basis 100 im Jahre 2013 auf den Wert 95,28 in 2016 gefallen.

Für Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KV Westfalen-Lippe, erfolgt die Absenkung jedoch auf einem zu hohen Niveau. Auf seine KV entfallen 9,65 Prozent der bundesweiten Bürokratiebelastung. „Der Abbau von Bürokratie ist ein maßgebliches Ziel unserer KV“, so Kriedel. Daher habe man bereits vor fünf Jahren das Formularlabor Westfalen-Lippe etabliert, in dem alle Akteure der Praxis gemeinsam bei der Erarbeitung neuer Formulare und Richtlinien wichtige Hinweise geben. „Ein solcher Praxistest ist unabdingbar“, so Kriedel. Die durch den Bürokratieindex gewonnenen Erfahrungen würden bei der gemeinsamen Entbürokratisierung helfen und zukünftig auch die verhinderte Bürokratie sichtbar machen.

Jährliche Aktualisierung  geplant

Der Bürokratieindex soll künftig jährlich aktualisiert und veröffentlicht werden. Damit wollen die Initiatoren die öffentliche Diskussion um die bürokratische Belastung in Arztpraxen regelmäßig mit empirischen Fakten begleiten. Ziel ist es, die Belastung zu reduzieren. Die Broschüre zum Bürokratieindex ist online  erhältlich.