Weniger Krankenhaus für Pflegeheimbewohner

Ein Forschungsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl von Krankenhausaufnahmen für Pflegeheimbewohner zu senken. (Foto: drubig-photo - Fotolia.com)

Die Aufnahme in ein Krankenhaus ist oft ein belastendes Ereignis für Pflegeheimbewohner. Viele Einweisungen wären vermeidbar. Ein Forschungsprojekt will nun dazu beitragen, dass die Zahl der Aufnahmen verringert wird.

Jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland muss derzeit damit rechnen, mindestens einmal pro Jahr in ein Krankenhaus verlegt zu werden. Bis zu 40 Prozent dieser Einweisungen gelten als vermeidbar. Auch der Nutzen vieler Krankenhausaufenthalte für den weiteren gesundheitlichen Verlauf ist unklar. Ein Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat sich zum Ziel gesetzt, die Krankenhausaufnahmen für Pflegeheimbewohner zu verringern. Gleichzeitig sollen mit Hilfe des Projektes interprof ACT die Lebensqualität und Zufriedenheit von Pflegeheimbewohnern verbessert werden.

Prozesse für verbesserte Kommunikation

„Als möglicher Ansatzpunkt, um Krankenhausaufnahmen zu vermeiden und die Bewohnersicherheit zu stärken, gelten eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften und Hausärzten“, sagt  Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier und ergänzt:  „So können stabile, definierte Kooperationsstrukturen und -prozesse entstehen, die die medizinische Versorgung von Bewohnerinnen und Bewohner im Pflegeheim stärken.“

Ziel des Projektes interprof ACT ist es daher, durch ein Maßnahmenpaket die Zusammenarbeit und Kommunikation von Pflegekräften und Hausärzten so zu verbessern, dass es zu weniger Krankenhausaufnahmen für Pflegeheimbewohner kommt. Außerdem sollen die Lebensqualität und die Zufriedenheit der Bewohner gesteigert werden. Darüber hinaus wird untersucht, wie Pflegekräfte und Hausärzte die Qualität der Zusammenarbeit wahrnehmen. Eine Analyse soll zeigen, wie sich Arbeitsabläufe ändern und wie effektive Prozesse standardisiert beschrieben werden können. Langfristig könnten die verbesserten Kooperationsstrukturen und -prozesse als strukturell verankerte Leistungen in die Regelversorgung überführt werden.

Das Projekt startet am ersten April 2017. Mit ihrem Projektkonzept waren die UMG-Allgemeinmediziner erfolgreich im Wettbewerb um Fördergelder aus dem Innovationsfonds 2016 beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA). Dazu kooperieren die Forscher mit dem  Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der Sektion für Forschung und Lehre in der Pflege der Universität zu Lübeck sowie der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Professur für Organisation und Unternehmensentwicklung der Georg-August-Universität Göttingen und dem Institut für Medizinische Statistik der UMG . Das Göttinger Forschungsvorhaben mit dem Titel „Effekte von Strategien zur Verbesserung ärztlich-pflegerischer  Zusammenarbeit auf Krankenhausaufnahmen von Pflegeheimbewohnern – interprof ACT“ wird für drei Jahre mit insgesamt rund 1.830.000 Millionen Euro gefördert.