Telemedizin-Plattform für Antibiotikanetzwerk

Telemedizinprojekt in Leipzig
Thomas Zimmermann, Telekom Healthcare Solutions, (sitzend) erklärt der sächsischen Staatministein Barbara Klepsch (rechts), dem CDU-Landtagsabgeordneten Wolf-Dietrich Rost und Dr. Iris Minde, Geschäftsführerin Klinikum St. Georg (l.), die Telematik-Plattform der Telekom (Foto: © Christian Modla)

Das Klinikum St. Georg in Leipzig will ein Antibiotikanetzwerk und -register aufbauen. Die Anwendung soll auf einer Telemedizin-Plattform laufen, die die Deutsche Telekom mit dem Carus Consilium Sachsen (CCS) entwickelt hat.

In der Leipziger Klinik soll eine zentrale Befundungs-, Beratungs- und Registerstelle mit hohen Standards für Patienten mit Infektionskrankheiten entwickelt werden. Die Einrichtung gilt als das Kompetenzzentrum auf dem Gebiet von Infektionskrankheiten, Antibiotikatherapien und Multiresistenzen in Sachsen. Seine Expertise in diesem bereich will es anderen Krankenhäusern, Arztpraxen sowie Pflegeheimen zur Verfügung stellen. Das Land Sachsen fördert den Aufbau der Anwendung mit rund 1,2 Millionen Euro. Staatsministerin Barbara Klepsch überreichte kürzlich den entsprechenden Förderbescheid. „Nur durch eine Vernetzung und Zusammenarbeit von Experten auf dem Gebiet von Infektionskrankheiten mit Kliniken, Ärzten und Pflegeheimen ist es möglich, Antibiotika verantwortungsbewusst und zurückhaltend einzusetzen und damit Resistenzen vorzubeugen“, erklärte Klepsch.

Bewährte Plattform

Axel Wehmeier, Leiter Telekom Healthcare Solutions (THS), begrüßt den Zuwachs auf der Plattform Telehealth Ostsachsen. „Eine solche Vernetzung von Ärzten und Kliniken, wie sie hier geplant ist, deckt sich voll mit unseren Zielsetzungen. Mehr als ein Jahr schon zeigen wir mit den bereits laufenden Anwendungen zu Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Pathologie, das der Betrieb reibungslos funktioniert. Wir hatten keinen einzigen Ausfall, nicht eine einzige Minute.“

Antibiotika im Kreuzfeuer

Rund um den Einsatz von Antibiotika ist eine Diskussion entbrannt. Viel zu schnell und häufig werden Antibiotika verordnet. Gesicherte wissenschaftliche Daten zeigen, dass rund 50 Prozent aller Therapien mit Antibiotika sowohl hinsichtlich Indikation als auch Dosierung beziehungsweise Substanzwahl falsch sind.

Das Antibiotikanetzwerk will dagegen steuern. Die Partner sollen die Möglichkeit erhalten, Patienten bei einer zentralen mit spezialisierten Medizinern und anderen Fachleuten besetzten Stelle vorstellen zu können. Darüber hinaus sollen in einem Antibiotikaregister wichtige Daten gesammelt, ausgewertet und daraus fachspezifische Empfehlungen abgeleitet werden. Diese Empfehlungen und das gesammelte Wissen sollen an die Netzwerkpartner vermittelt werden.

Nach der Übergabe des Förderbescheides wird die Anwendung inhaltlich wie technisch aufgebaut. Zuvor sind allerdings Ausschreibungen nötig. Technisch können die künftigen Entwickler auf vielem aufsetzen, was die Plattform bereits bietet. „Die Nutzung vorhandener Basisfunktionen sind deshalb wichtige Projektbestandteile“, erklärte Michael Hübschen, der bei Telekom Healthcare Solutions den Bereich Telemedizin verantwortet.

E-Health-Förderung

Mit Mitteln der EU fördert Sachsen E-Health-Technologien, durch die Abläufe im Gesundheitswesen verbessert werden. Ziel ist es, Bürger, Patienten, Gesundheits- und Pflegedienstleister besser miteinander zu vernetzen. Damit sollen auch die Herausforderungen des demografischen Wandels – die steigende Zahl älterer Menschen, Fachkräftemangel und steigende Kosten – ein Stückweit bewältigt werden.