Studie: Bundesbürger bereit für digitales Gesundheitswesen

Die meisten Bundesbürger befürworten KI. (Foto: Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW)

Die meisten Deutschen stehen digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen offen gegenüber. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V..

58 Prozent der Bundesbürger würden einen Arzt, eine Praxis, eine Klinik oder eine Krankenkasse bevorzugen, wenn sie mittels einer App mit ihnen enger kommunizieren, Ihnen Terminvorschläge und -erinnerungen senden oder ihnen über die App den Austausch von Röntgenbildern und Befunden vereinfachen würden. Hierbei liegt der Anteil bei den 16- bis 24-jährigen Befragten mit 62 Prozent etwas höher als der Anteil bei 55- bis 64-jährigen. In dieser Altersgruppe würden 54 Prozent einen solchen Arzt, einer Praxis, einer Klinik oder eine Krankenkasse den Vorzug geben.

„Die Art, wie Menschen ihr alltägliches Leben organisieren, hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und daraus resultiert auch eine gewisse Erwartungshaltung. Nun besteht die Herausforderung darin, Bereiche wie das Gesundheitswesen entsprechend weiterzuentwickeln, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden“, sagt BVDW-Vizepräsident Achim Himmelreich (Capgemini). Gerade die ältere Zielgruppe, die im Schnitt häufiger medizinische Leistungen in Anspruch nehme, werde von einer Erweiterung des bestehenden Angebotes um digitale Leistungen profitieren.

Hohe Akzeptanz für KI

Künstliche Intelligenz (KI) soll besonders im medizinischen Bereich großes Potenzial haben. 57 Prozent Befragten sind der Ansicht, dass Ärzte dazu verpflichtet werden sollen, KI als automatisierte Zweitmeinung in die Untersuchung miteinzubeziehen. Das gilt, wenn KI Krankheiten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erkennen kann beziehungsweise Diagnosen treffender erstellen kann als Menschen. „Beispiele aus diesem Bereich, zum Beispiel aus der Hautkrebserkennung, geben uns einen Eindruck vom Potenzial künstlicher Intelligenz. Hier geht es mitnichten darum, die Mediziner zu ersetzen – Ziel ist es, ihnen mit technischen Hilfsmitteln zu noch präziseren Diagnosen zu verhelfen“, so Himmelreich.

Initialzündung für digitales Gesundheitswesen

Mit seinem Entwurf für ein Digitalisierungsgesetz hält Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Druck auf das deutsche Gesundheitswesen hoch. Vorgesehen ist unter anderem, dass gesetzliche Krankenkassen die Kosten für digitale Anwendungen wie etwa App-Tagebücher für Bluthochdruck- oder Diabetespatienten übernehmen, die Ärzte ihren Patienten verschreiben. Hierfür soll die Zulassung so vereinfacht und verkürzt werden, dass solche Lösungen schneller in das Erstattungssystem gesetzlicher Krankenkassen aufgenommen werden können.

Für BVDW-Vizepräsident Himmelreich war dieser Ansatz längst überfällig und kann eine Initialzündung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens bedeuten. „Vor allem der Leistungsumfang gesetzlicher Krankenkassen basiert bisher auf einem sehr starren und trägen System, das der Entwicklungsgeschwindigkeit der allermeisten digitalen Anwendungen einfach nicht gerecht wird“, ist Himmelreich überzeugt. Auch Spahns Ansatz, gesetzlichen Krankenkassen zu ermöglichen, gezielt in entsprechende Start-ups zu investieren, bewertet Himmelreich positiv: „Das dürfte das nötige Kapital mobilisieren, um die Entwicklung digitaler Medizinanwendungen attraktiver zu machen.“