Sicherheits-App schützt vor Datenspionage

Mann blickt auf sein Smartphone mit der App "Avare" auf dem Bildschirm
Für einige App-Anbieter sind Smartphones eine nie versiegende Datenquelle. Die Anwendung „Avare“ dreht Datenspionen den Hahn zu. (Foto: Lydia Albrecht, KIT)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will das Thema E-Health voranbringen: Gesundheits-Apps sollen künftig zum Alltag gehören. Doch wie schützen sich Anwender vor Programmen, die es mit dem Schutz persönlicher Daten nicht genau nehmen? Eine Entwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des FZI Forschungszentrums Informatik könnte hier für Abhilfe sorgen.

In den App-Stores stehen Millionen Apps zum Download bereit – viele auch für die Bereiche Fitness und Gesundheit. Etliche davon kosten vermeintlich nichts. Doch für viele App- und Werbenetzwerk-Betreiber sind die Nutzer eine Datenquelle, aus der bares Geld sprudelt und abgeschöpft wird. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des FZI Forschungszentrums Informatik, einem Partner des KIT, haben nun eine App entwickelt, welche die eigenen Daten besser schützt.

Datenschutz-App für Android-Nutzer

Von vielen App-Anbietern werden persönliche Daten der Nutzer abgeschöpft: Die Unternehmen wissen Bescheid über den Aufenthaltsort, die Kommunikation, getätigte Online-Einkäufe, Vorlieben bei Filmen und Musik. Alles wird aufgezeichnet. Wer Wert auf Datensparsamkeit legt, dem blieb bislang nur, sich der Digitalisierung so weit wie möglich zu entziehen – für Viele kein akzeptabler Weg. 

Während es bislang nötig war, die Berechtigungen jeder einzelnen App auf dem Smartphone von Hand zu ändern, um den ungewollten Abfluss von Daten zu verhindern – vielfach ist es auch gar nicht möglich, weil die betreffende App dann streikt –, genügen dafür jetzt wenige Klicks. Das Programm „Avare“ lässt sich auf Android-Geräten wie eine App installieren und erzeugt dann einen abgeschlossenen Bereich, in den andere Apps eingepackt werden können und der die gesamte Kommunikation zwischen diesen Apps und dem Betriebssystem kontrolliert. „Wir haben einen Weg gesucht, der es erlaubt, sämtliche Anwendungen uneingeschränkt zu nutzen, dabei die eigenen Daten aber nur kontrolliert weiterzugeben“, sagt Dr. Gunther Schiefer, der Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Business am Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) des KIT. Versucht nun eine in „Avare“ eingepackte App etwa auf die Kontakte im Adressbuch zuzugreifen, ermöglicht die Sicherheits-App dem Nutzer, nur einzelne Kontakte freizugeben und die Freigabe beispielsweise auf Mobilfunknummer, Vor- und Nachname zu beschränken. „Adresse oder Geburtsdatum sind für einen Chat ja nicht nötig“, so Schiefer.

Ungenaue Angaben und Wolkenbilder

Darüber hinaus kann „Avare“ die Genauigkeit der Ortsangabe vermindern und auf einen Radius von mehreren Kilometern ausdehnen, sodass zum Beispiel eine Wetter-App weiterhin verlässliche Voraussagen geben kann, ohne den Standort des Nutzers gebäudegenau zu erfassen. Bei Apps, die ohne pauschale Zugriffsrechte überhaupt nicht funktionieren, soll die Sicherheits-App künftig noch weiter gehen: „Dann spielen wir falsche Daten ein, die aber als solche erkennbar sind. Die Schnittstelle des Mikrofons bekommt dann ein Rauschen, die der Kamera eine schwarze Fläche oder ein Wolkenbild, die des Adressbuchs die Notrufnummern von Feuerwehr und Pannendienst.“

Der Avare-Code ist als Open-Source-Software verfügbar unter: www.avare.app. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihr Programm von anderen Entwicklern aufgegriffen wird, die mithelfen, die momentane Beta-Version zu erweitern, um zu einer Version 1.0 zu kommen. Das Projekt wurde von der Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen des Forschungsprogramms „IKT-Sicherheit“ finanziert.