Schlaganfall: BCI-Technologie für individuelle Sprachtherapie

Ein neuer Ansatz soll Patienten nach einem Schlaganfall dabei helfen ihr Sprachvermögen wiederzuerlangen. (Foto: Michail Petrov - Fotolia.com)

Nach einem Schlaganfall leiden viele Patienten an Sprachstörungen. Hoffnung für diese Menschen gibt es nun durch einen neuen Therapieansatz zur Wiedererlangung des Sprachvermögens. Er nutzt die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, seine Strukturen ein Leben lang ändern zu können.

Hier setzt die neue Methode an. Ziel ist es, dass das Gehirn durch Einblutung oder Blutgerinnsel gestörten Gehirnregelkreise repariert. So funktioniert die Methode: Während der Patient Sprachübungen macht, misst ein mit einem PC verbundenes EEG live seine Gehirnaktivität (Brain-Computer-Interface (BCI). Gleichzeitig erhält der Patient eine Rückmeldung dazu, wie erfolgreich er dabei ist. Durch dieses Sofort-Feedback sollen die Patienten die geeignete Strategie finden können, mit der eine Erholung ihrer Sprachfunktion möglich ist. 

Wichtiges Kongressthema

Jeder Schlaganfall ist anders. Das gilt sowohl für das Ausmaß, als auch für die betroffenen Bereiche. „Wie wir heute wissen, stellt er jedoch fast immer eine komplexe Netzwerkstörung dar“, sagt Professor Dr. Cornelius Weiller, Kongresspräsident der 63. Wissenschaftlichen Jahrestagung der DGKN in Freiburg. Die Formbarkeit des Gehirns, Neuroplastizität und Neurostimulation sind ein Schwerpunkt auf der Jahrestagung der Fachgesellschaft.

Beim Gesunden werden Gedanken, Wahrnehmung und Handlungen fortwährend über interne Regelkreise („closed-loops“) im Gehirn abgeglichen, sodass Verhalten und Hirnaktivität aufeinander abgestimmt sind. Durch einen Schlaganfall wird nicht nur das direkt geschädigte Hirnareal beeinflusst, sondern auch die Netzwerkstruktur und -funktion des Gehirns. „Eine komplexe Leistung wie etwa die Sprache besteht aus vielen Einzelfunktionen wie Worterkennung oder Lippenbewegung, die in verschiedenen Teilen des Gehirns angesiedelt sind. Diese Regelkreise werden durch ein Netzwerk koordiniert – und bei einem Schlaganfall entsprechend beeinträchtigt“, erläutert der Direktor der Neurologischen und Neurophysiologischen Universitätsklinik Freiburg. 

Maßgeschneiderte Therapie

Aus diesem Grund ist die Behandlung von Patienten nach einem Schlaganfall sehr umfassend und anspruchsvoll. „Wir kommen deshalb weg von einer Rehabilitation, die für alle Patienten identisch ist, hin zu einer nach Möglichkeit maßgeschneiderten persönlichen Therapie.“ Dafür nutze man die Erkenntnisse über die sogenannte Neuroplastizität des Gehirns: „Die Hirnforschung hat gezeigt, dass im Falle einer Schädigung eines Teiles des Gehirns andere Teile die Funktion für das geschädigte Gebiet übernehmen können. Und diesen Prozess der Übernahme können wir durch gezielte Modulation zunehmend beeinflussen“, sagt der Facharzt für Neurologie, Intensivmedizin und Geriatrie.

Erfolgsfaktor BCI-Technologie

„Ein Ansatz besteht darin, den Patienten das gestörte Netzwerk durch ein Feed-Back-System selbst „reparieren“ zu lassen“, berichtet Weiller über eine Studie, bei der Dr. Mariachristina Musso und Dr. Michael Tangermann von der Universität Freiburg erstmals den Einsatz der BCI-Technologie (Brain-Computer-Interface) für die Rehabilitation von Patienten mit Sprachstörung getestet haben. Der Patient muss das richtige Wort am Ende eines Satzes erkennen und erhält eine direkte Rückmeldung über seine dafür eingesetzte Gehirnaktivität. 

„Konkret werden von dem BCI-System typische Gehirnaktivitäten gemessen, die beim Verarbeiten von Zielwörtern und Nicht-Zielwörtern anders als bei Gesunden ausfallen. Das System gibt dem Patienten ein Feedback, ob er die Aufgabe gut gelöst hat, also ob er beim richtigen Wort eine dem Zielwort entsprechende Hirnaktivität verwendet hat“, so Weiller weiter. Der Vorteil: Der Erfolg der Therapie nicht auf die Übung selbst beschränkt, da eine Generalisierung stattfindet.