Prostatakarzinom mit Laserfasern behandelt

Beim „Tookad“-Verfahren werden Laserfasern zur Aktvierung des fotosensitiven Wirkstoffs Padeliporfin genutzt. (Foto: Uniklinikum Dresden / Thomas Albrecht)

Bislang gab es für Patienten Prostatakarzinom geringen Risikos in Deutschland lediglich drei Therapieoptionen. Neben einer Bestrahlung des Tumor war das eine Entfernung der Prostata oder aber eine aktive Überwachung ohne therapeutische Eingriffe. Jetzt gibt es eine vierte Alternative: Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wurde erstmals in Deutschland das sogenannte „Tookad“-Verfahren außerhalb von klinischen Studien angewendet.  Es gilt als besonders schonendes Verfahren. Durchgeführt wurde die Operation Prof. Manfred Wirth, Direktor der Klinik für Urologie und seinem Team.

Beim „Tookad“-Verfahren handelt es sich um eine fokale Therapie, bei der lediglich die vom Krebs betroffene Seite der Prostata therapiert wird. Dazu kommt der fotosensitive Wirkstoff Padeliporfin („Tookad“) zum Einsatz. Im Rahmen einer Operation werden Laserfasern in die Seite der Prostata eingebracht, die vom Tumor befallen ist. Der Laser regt das „Tookad“-Medikament an. Dadurch kommt es zur Gefäßzerstörung sowie zu einer verminderten Blutzufuhr und das betroffene Gewebe stirbt ab. Vorteil der minimalinvasiven Methode: Sie hat deutlich geringere Nebenwirkungen als herkömmliche Therapieansätze. „Das ‚Tookad‘-Verfahren ist ein Meilenstein der Urologie: Erstmals können Patienten in Deutschland mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom auch risikoarm behandelt werden“, sagt Prof. Manfred Wirth, Direktor der Klinik für Urologie, der die Operation gemeinsam mit seinem Team durchgeführt hat. „Gravierende Eingriffe wie die Bestrahlung des Tumors oder eine radikale Prostatektomie, also die Entfernung der Prostata, sind für Prostatakarzinome mit geringem Risiko nur im Ausnahmefall zu empfehlen, da sie erhebliche Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz hervorrufen können. Das bisherige Standardverfahren der aktiven Überwachung des Tumors durch regelmäßige ärztliche Kontrollen ohne therapeutischen Eingriff stellt für viele Patienten jedoch eine fortwährende psychische Belastung dar“, erklärt der erfahrene Tumorexperte.

Weniger Nebenwirkungen

Die Wirksamkeit des 2016 am israelischen Weizmann-Institut für Wissenschaftenentwickelten „Tookad-Verfahrens“ wurde im Rahmen einer multizentrischen Studie bestätigt. An dieser Studie war auch das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus beteiligt.  Nun wendet die Klinik für Urologie am Dresdner Universitätsklinikum das Verfahren deutschlandweit als erste in der Regelversorgung an. Weil Lichtquellen mit einer bestimmten Wellenlänge den Wirkstoff anregen, muss der Patient während der rund eineinhalbstündigen Operation komplett verhüllt werden. Durch Laserfasern, die die Chirurgen minimalinvasiv über den Dammbereich in die Prostata einbringen und so das Medikament aktivieren, kommt es zur Zerstörung von Gefäßen und zum Absterben des mit dem Tumor befallenen Gewebes. Aufgrund der schonenden Therapie können Patienten bereits am dritten Tag nach der Operation das Krankenhaus zu verlassen. Neun bis zwölf Monate nach der Operation ermitteln die Ärzte im Rahmen einer Biopsie den Gesundheitszustand des verbliebenen Prostatagewebes. Dadurch soll ausgeschlossen werden, dass auch die nicht behandelte Hälfte der Prostata betroffen ist.

Erweiterung der Methode im Fokus

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes und dessen zweithäufigste durch Krebs hervorgerufene Todesursache. Jährlich erkranken deutschlandweit rund 57.000 Männer neu an Prostatakrebs. „Anders als Patienten, bei denen die gesamte Prostata entfernt werden musste, tritt beim ‚Tookad‘-Verfahren keine Inkontinenz auf. Auch Einschränkungen bei der Potenz sind sehr selten“, sagt Prof. Wirth. Bislang können allerdings nur Prostatakarzinom-Patienten mit einem geringen Risiko von der neuen Therapie profitieren. Im Rahmen weiterer Studien sollen deshalb die Anwendungsfelder der neuen Operationstechnik nach Möglichkeit erweitert werden. Ziel ist es, dass auch Patienten, die an Prostatakarzinomen mit höherem Risiko erkrankt sind, von der neuen Methode profitieren können.