NRW: Televisite für die ‚gesunde Stadt’

Ältere3 Damen sitzen im Café und nutzen Tablet-PC
NRW: Damit auch ältere Bürger möglichst unbeschwert in ihrer Stadt leben können, sollen digitale Angebote wie die Televisite gefördert werden. (Foto: © danr13/fotolia.com)

Der „Leitfaden Gesunde Stadt“ des Landeszentrums Gesundheit NRW zeigt Faktoren auf, die zu einem gesundheitsfördernden Lebensumfeld der Menschen beitragen. Die Televisite wird darin explizit genannt.

Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit 524 Einwohnern pro Quadratkilometer die größte Bevölkerungsdichte unter den Flächenländern in Deutschland. 80 Prozent der Menschen leben in Städten. Die Hinweise im neuen „Leitfaden Gesunde Stadt“ des Landeszentrums Gesundheit NRW sollen künftig vermehrt bei der Entwicklung von Städten und Quartieren berücksichtigt werden. Der Leitfaden basiert auf der australischen „Healthy Urban Development Checklist“. Die Inhalte wurden sinngemäß übertragen und den Verhältnissen in NRW entsprechend angepasst.

„Wir wollen für die Menschen in Nordrhein-Westfalen langfristig eine hohe Lebensqualität sichern. Dazu gehört unter anderem eine gute gesundheitliche Versorgung sowie ein Lebensumfeld, das die körperliche und psychische Gesundheit fördert. Wir setzen uns für Quartiere ein, die beispielsweise Bewegung im Alltag und soziale Kontakte unterstützen. Etwa weil sie so gestaltet sind, dass dort tägliche Besorgungen gern zu Fuß erledigt werden, Kinder sich gefahrlos selbstständig auf den Schulweg machen können und im Freien spielen. Weil Wege, Plätze, Geschäfte und Treffpunkte so geplant werden, dass Bewohnerinnen und Bewohner sich begegnen, wenn sie zu Fuß oder mit dem Rad im Viertel unterwegs sind“, erläutert Ministerin Barbara Steffens.

Einflussnahme der Gesundheitsämter

In erster Linie richtet sich der „Leitfaden Gesunde Stadt“ an Mitarbeitende des öffentlichen Gesundheitsdienstes in den Kommunen. Er fordert dazu auf, die Kompetenzen der Gesundheitsämter bei der Stadtentwicklung zu nutzen und die bereichsübergreifende Zusammenarbeit in der kommunalen Verwaltung zu verstärken. Der Leitfaden kann darüber hinaus aber alle, die an der Entwicklung einer Stadt mitarbeiten, praxisnah unterstützen.

Der „Leitfaden Gesunde Stadt“ bietet konkrete Anhaltspunkte und praxisorientierte Empfehlungen, um gesundheitsrelevante Aspekte bei der Planung zu erkennen, zu bewerten und zu berücksichtigen. Klar ist den Machern allerdings auch, das es keinen Dogmen geben kann: Patentrezepte, wie eine gesunde Stadt oder ein gesundheitsförderndes Quartier aussieht, gibt es nicht. Die Kommunen vor Ort entscheiden, was in einem jeweiligen Quartier notwendig ist.

In unabhängig voneinander nutzbaren Kapiteln werden Informationen, Handlungsanleitungen und Checklisten zu unterschiedlichen Aspekten aufbereitet. Die Themen reichen von Mobilität über Grünanlagen, öffentliche Plätze, soziale Strukturen und dem Zugang zu gesunden Lebensmitteln bis zur Infrastruktur samt Telekommunikation.

Televisite braucht gute Infrastruktur

So kann zum Beispiel auch eine leistungsfähige Internetverbindung zur gesunden Stadt beitragen: Ältere Menschen können durch digitale Angebote wie die Televisite länger in ihrem häuslichen Umfeld bleiben. Das ist freilich nur dann möglich, wenn eine ausreichend leistungsstarke Telekommunikations-Infrastruktur vorhanden ist. Gleiches gilt für Berufstätige, die – nur dann – besser von zu Hause aus arbeiten können und deshalb nicht oder nicht so häufig weite Wege zur Arbeit in Kauf nehmen müssen. Sie haben mehr Zeit – beispielsweise für die Familie, Freunde oder Hobbys – und das wirkt sich positiv auf ihr Sozialleben und damit auf ihre Gesundheit aus.

Miteinander verflochtene Faktoren

Verdeutlicht werden auch die vielfältigen Verflechtungen der einzelnen Faktoren: Um beispielsweise die Bewegung der Menschen im Alltag zu fördern, sind unter anderem Radwege, nahegelegene Parks, begrünte Straßen und auf Fußgänger ausgelegte Wegführungen notwendig. Sind Haltestellen für öffentliche Verkehrsmittel sowie Einkaufsmöglichkeiten nicht weiter als 400 bis 500 Meter von der Wohnung entfernt, fördert das ebenfalls die Bereitschaft, Wege zu Fuß zu erledigen. Auch die Beruhigung des Autoverkehrs sowie Treffpunkte im Viertel wie attraktiv gestaltete Plätze oder Bürgercafés tragen dazu bei, dass mehr Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind. Das fördert nicht nur körperliche Aktivität und soziale Kontakte, sondern erhöht auch die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl im Viertel, weil Straßen und Wege belebter sind.

In den kommenden Wochen verschickt das Landeszentrum Gesundheit NRW (LZG.NRW) den „Leitfaden Gesunde Stadt“ an alle Kommunen in NRW. Zudem steht das Dokument auf der Internetseite des LZG.NRW zum kostenfreien Download zur Verfügung. 

Hintergrund:

  • Einwohnerzahl NRW 2015: rund 17,9 Millionen

  • Bevölkerungsdichte NRW: 524 Einwohner/ km² (nur die Stadtstaaten Berlin, Hamburg, Bremen sind dichter besiedelt)

  • Bevölkerungsdichte Deutschland: 230 Einwohner/km² (Quelle: Statistisches Bundesamt)

  • Größte Städte in NRW: Köln (1,06 Mio. Einwohner), Düsseldorf (628.000 Einwohner), Dortmund (586.000 Einwohner).

  • Zehn der zwanzig größten Städte Deutschlands befinden sich in NRW.