Notfalldaten auf elektronischer Gesundheitskarte ab 2018

Erstversorgung einer verletzten Person im Rettungswagen
Erstversorgung einer verletzten Person im Rettungswagen: „Ein Notfalldatensatz wäre da oft hilfreich“ (Foto: © Kzenon/fotolia.com)

Im Rahmen der Fachmesse Medica informierte Dr. Christian Juhra, Leiter der Stabsstelle Telemedizin des Universitätsklinikums Münster (UKM), über das im Sommer gestartete Pilotprojekt „Notfalldaten-Management (NFDM)-Sprint“.

Für das Projekt ging jetzt die Datenerhebungsphase zu Ende. Ziel des Projekts ist es, herauszufinden wie gut die Anlage eines Notfalldatensatzes auf der elektronischen Gesundheitskarte mit der entsprechenden Software funktioniert. Dr. Christian Juhra, der mit seinem Team bis zum Jahresende die Datensätze auswertet, ergänzt: „Wo gibt es Hürden, wo gibt es Verbesserungspotential? Ziel muss sein, Daten schnell und effizient zu erfassen und den einzelnen Arzt so wenig wie möglich mit dieser Arbeit zu belasten.“

Seit Juni dieses Jahres haben in einem Testlauf 32 niedergelassene Haus- und Fachärzte aus dem Münsterland sowie sieben Ärzte des UKM anonymisierte Notfalldatensätze für bis zu 4.000 Patienten angelegt. Bis Anfang 2017 werden diese Datensätze nun ausgewertet.

Notfalldaten freiwillig auf der eGK

Die Einführung des Notfalldaten-Managements hat der Gesetzgeber im E-Health-Gesetz für Anfang 2018 vorgesehen. Dann können Versicherte die Notfalldaten auf ihrer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) freiwillig speichern lassen. Entwicklung und Einführung des Notfalldaten-Managements liegen in den Händen der Gematik und der Bundesärztekammer.

Wichtig ist: Der Patient entscheidet künftig selbst, ob er einen Datensatz für sich anlegen lässt. Im Notfall können Behandelnde diese Informationen unter Nutzung ihres elektronischen Heilberufsausweises auch ohne zusätzliche Einwilligung des Patienten lesen. „Als Notarzt bin ich selbst oft genug bei Patienten gewesen, von denen ich nichts wusste“, sagt Juhra. „Ein Notfalldatensatz wäre da oft hilfreich gewesen.“

Welchen Unterschied im Ernstfall die Existenz eines Notfalldatensatzes macht, demonstrierte Juhra auf der Fachmesse Medica in Düsseldorf unter anderem NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe anhand eines Films zu einer Simulationsstudie. Dafür wurden im UKM Trainingszentrum Notfallszenarien mit und ohne Notfalldatensatz von Notärzten simuliert.

Info
Der Begriff Notfalldatenmanagement (NFDM) steht für den Umgang mit Informationen, die auf der elektronischen Gesundheitskarte abgelegt werden und den Behandelnden in einer medizinischen Notfallsituation weiterhelfen. Informationen über Vorerkrankungen, Medikamente oder etwa Allergien stehen dadurch schneller zur Verfügung.