Notfallchat und Standortbestimmung für Ersthelfer

EmergencyEye soll Leitstellen helfen die Lage am Unfallort aus der Ferne besser einzuschätzen. (Foto: Vodafone)

Hilfe für Ersthelfer bieten will ein Projekt von Vodafone und dem Grevenbroicher Startup Corevas. Über einen speziellen Kommunikationskanal können die Helfer per Videochat mit der Rettungsleitstelle in Verbindung treten und sich so unterstützen lassen. Außerdem wird der Notruf in der Leitstelle geortet, sodass die Rettungskräfte ohne Verzögerung das richtige Ziel ansteuern.

Bei einem Notfall ist schnelle Hilfe überlebenswichtig. So entscheiden beispielsweise bei einem Herzstillstand bereits die ersten Minuten über Leben und Tod des Betroffenen. Doch laut der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) traut sich nur jeder dritte Ersthelfer im Notfall andere Menschen zu reanimieren. Laut DGAI könnten pro Jahr 10.000 Menschen mehr eine Herzattacke überleben, wenn Laien häufiger wüssten, wie sie richtig reanimieren. Dabei helfen soll jetzt die Notruf-Software EmergencyEye vom Unternehmen Corevas, das Vodafone als Technologiepartner unterstützt.

Der Telekommunikationsbetreiber hat für das System einen eigenen Kommunikationskanal eingerichtet. Es soll Laien am Unfallort unterstützen, damit sie im Notfall die richtigen Entscheidungen treffen können. Dazu müssen sie lediglich einen Videoanruf mit einem herkömmlichen Smartphone tätigen.

Schnelle Ortung

Zunächst ruft der Helfer wie üblich den Notruf an. Die Rettungskräfte schicken dem anrufenden Ersthelfer dann einen Link per SMS. Mit einem Klick auf diesen Link startet der Anrufer nach Zustimmung über die Software EmergencyEye automatisch die Übermittlung seines GPS-Standortes mit der Einsatzzentrale. So werden die Rettungskräfte direkt zum exakten Zielort navigiert und sparen Zeit.

Anleitung zur ersten Hilfe

Zusätzlich wird nach Zustimmung des Ersthelfers ein Live-Videoverbindung mit der Leitstelle hergestellt. Die Einsatzbearbeiter sollen dadurch die Situation vor Ort besser einschätzen, die beteiligten Personen beruhigen und im Ernstfall anleiten können, damit sie bereits vor dem Eintreffen der Rettungskräfte helfen können.

„Wir helfen Ersthelfern zu helfen“, so Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter. „Wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die uns die Digitalisierung schon heute im Alltag bietet. Fast jeder hat ein Smartphone in der Hosentasche. Damit kann im Notfall auch jeder zum Retter von Menschenleben werden.“ Ob der Ersthelfer zum Notfall-Zeitpunkt noch über ausreichend mobiles Datenvolumen verfügt ist dabei egal. Die Videoübertragungen zu den Rettungsdiensten kosten den Kunden nichts – kein Geld und auch kein Datenvolumen.

Einsatz in Neuss

Das gesamte System funktioniert mit jedem modernen Smartphone und ist unabhängig von einer App. Voraussetzung ist allerdings, dass die Rettungsleitstelle die Technologie nutzt. Erste Rettungsleitstellen haben das System bereits im Einsatz. Dazu zählt die Leitstelle Rhein-Kreis Neuss, die für rund eine Million Menschen zuständig ist. Etwa 450.000 Einwohner leben hier. Hunderttausende Berufspendler sind hier jeden Tag auf den Straßen und Autobahnen unterwegs. Rund 1.000 Notrufe gehen täglich in der Leitstelle ein. Daraus resultieren mehr rund 300 Einsätze pro Tag.

„Wir wollen Ersthelfer in diesen Ausnahmesituationen so gut wie möglich unterstützen. Die Digitalisierung bietet hier ganz neue Möglichkeiten, die unseren Alltag sicherer machen. Wenn wir uns per Videoübertragung direkt zum Unfallort schalten, hilft uns das die Situation besser einzuschätzen. Und wir ermutigen die Ersthelfer aktiv zu helfen“, so Elmar Eppels von der Leitstelle Rhein-Kreis Neuss. Die genaue Ortung sei für die Einsatzkräfte hilfreich. „Wenn wir einen Anruf bekommen, weil eine Person beim Spaziergang am Rheinufer zusammengebrochen ist, ist es extrem schwierig im Gespräch den genauen Standort zu erfahren. Das Rheinufer ist auch im Rhein-Kreis Neuss sehr lang. Mit der neuen Technologie können wir den Anrufer automatisch und bis auf zehn Meter genau orten.“

In Kürze will Corevas seine Software noch in weitere Rettungsleitstellen bringen. Ziel ist es zunächst, dass bis April 2018 rund vier Millionen Menschen mit EmergencyEye versorgt werden.