Gesundheitsakten mit einheitlicher Schnittstelle

Computertastatur mit Taste "Patientenakte"
E-Patientenakte: AOK Nordost, Techniker Krankenkasse und Vivantes wollen eine einheitliche Schnittstelle vorantreiben (Foto: © momius/fotolia.com)

Die beiden Krankenkassen AOK und Techniker (TK) entwickeln gemeinsam mit dem Krankenhauskonzern Vivantes eine einheitliche Schnittstelle für den Datenaustausch zwischen Gesundheitsakten.

Ziel ist es, bundesweit die direkte Vernetzung eines Leistungserbringers mit unterschiedlichen elektronischen Gesundheitsakten über eine standardisierte Schnittstelle herzustellen.

Wettbewerb um Infrastruktur vermeiden

TK und AOK orientieren sich bei ihren Gesundheitsakten am internationalen Technikleitfaden IHE. Damit setzen die Kassen auf einen etablierten Industriestandard. „Wir dürfen bei der Anbindung an Leistungserbringer nicht zwischen den Gesundheitsakten-Projekten konkurrieren. Ein Leistungserbringer sollte nicht in die Verlegenheit kommen, sich zwischen verschiedenen anzubindenden Akten entscheiden zu müssen oder etwa für jede Akte eine neue Schnittstelle zu bauen. Wir brauchen einheitliche Schnittstellen zu Krankenhäusern und Ärzten, die alle Kassen nutzen können. Es gilt, zunächst eine Infrastruktur als gemeinsame Basis für alle Player zu schaffen, der Wettbewerb zwischen den Kassen kann dann auf Ebene von Serviceleistungen für die Versicherten stattfinden“, meint der TK-Vorstandsvorsitzende Dr. Jens Baas.

Mit der einheitlichen Schnittstelle soll perspektivisch für weitere Krankenhäuser, Ärzte und Leistungserbringer im Gesundheitswesen ein standardisierter Anschluss an verschiedene Akten möglich sein. Zusätzlich wird die Integration der Schnittstelle in die IT-Systeme der Krankenhäuser vereinfacht. So soll die Verbreitung von Gesundheitsakten in Deutschland beschleunigen und die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorankommen. Sowohl die Akten selbst als auch die Schnittstellenlösung folgen dem Konsortium zufolge den deutschen Datenschutzanforderungen.

Keine Flickenteppiche

„Unser Ziel war es von Anfang an, einheitliche Standards für unser Vernetzungskonzept zu nutzen, um Insellösungen in modernen Versorgungsstrukturen zu vermeiden. Eine flächendeckende Vernetzung der Versorgung kann nur gelingen, wenn es keine Flickenteppiche verschiedener Lösungen gibt, die nicht miteinander arbeiten können”, betont AOK Nordost-Vorstand Frank Michalak.

Um die Interoperabilität herzustellen, entwickeln AOK, TK und Vivantes bis Jahresende einen Prototypen für eine neutrale und einheitliche technische Schnittstelle auf Basis des IHE-Standards, damit alle Ärzte und Krankenhäuser auf einheitlichem Weg teilnehmen können. Ziel ist es, eine Anbindung der unterschiedlichen Vernetzungs- und Aktensysteme bei einem Leistungserbringer zu realisieren.

Hintergrund E-Akte
Elektronische Patientenakten bieten einen Ansatz für einen strukturierten Informationsaustausch. Allerdings fehlt es bisher an einer Infrastruktur zur Datenhaltung und Vernetzung, die alle Beteiligten im Gesundheitswesen berücksichtigt und eine sichere Übertragung, Zusammenführung und Speicherung der Daten ermöglicht.

Um den Datenaustausch im Gesundheitswesen voranzubringen, haben die AOK mit dem „Digitalen Gesundheitsnetzwerk“ und die Techniker Krankenkasse mit „TK-Safe“ bereits Gesundheitsakten gestartet. Das „Digitale Gesundheitsnetzwerk“ der AOK wird in den Regionen Mecklenburg-Vorpommern mit dem Ärztenetz Haffnet  und den Ameos-Kliniken sowie in Berlin mit den Klinikträgern Vivantes und Sana eingesetzt. Die TK hat die elektronische Gesundheitsakte TK-Safe gemeinsam mit IBM Deutschland im April 2018 im bundesweiten Test-betrieb gestartet. Aktuell nehmen mehr als 70.000 Nutzer teil.