Erstmals telemedizinische Behandlung von Inhaftierten

Mediziner konferiert mit Gesprächspartner über Computerbildschirm
Die telemedizinische Behandlung von Häftlingen wird derzeit in Baden-Würtemberg getestet (Foto: A+ Videoclinic GmbH)

Das Justizministerium Baden-Württemberg startet ein Modellprojekt mit 30 Allgemeinmedizinern und Psychiatern zur telemedizinischen Behandlung im Justizvollzug. Das von einem Hamburger Unternehmen entwickelte Video- und Patientensicherheitssystem soll auch die tägliche Arbeit der Justizvollzugsbediensteten erleichtern.

Viele deutsche Gefängnisse kämpfen derzeit mit Herausforderungen: So ist die Zahl der Häftlinge in den letzten Jahren signifikant gestiegen. Hinzu kommen immer mehr soziale, interkulturelle und gesundheitliche Verschiedenheiten. Infolgedessen ist auch die Zahl psychischer und körperlicher Defizite gewachsen, was die Gesundheitsfürsorge erschwert. Hinzu kommt eine Überalterung der Gefängnisinsassen, die – wie auch im Leben außerhalb der Mauern – oftmals besondere Betreuung erforderlich machen.

„In diesem Zusammenhang durchgeführte Gefangenentransporte in nahegelegene Kliniken und Arztpraxen gestalten sich komplex und bergen, wie in den letzten Wochen in den Medien berichtet, die Gefahr des Ausbruchs oder Übergriffs“, erläutert A+ Videoclinic-Geschäftsführer Dr. Peter Merschitz.

Sprechstunde innerhalb weniger Minuten

Ein vom Hamburger Unternehmen A+Videoclinic GmbH entwickeltes Video- und Patientensicherheitssystem soll die tägliche Arbeit im Justizvollzug nun erleichtern. Ein per Video zugeschalteter Arzt oder eine Ärztin kann innerhalb weniger Minuten Sprechstunden mit Inhaftierten durchführen. A+ Videoclinic ermöglicht durch das speziell für den öffentlichen Bereich entwickelte Programm eine höhere Behandlungsqualität und eine Reduktion von Überweisungen und Einweisungen in außerhalb der Haftanstalten gelegene Einrichtungen.

24-stündiger Notdienst

Die sogenannte „RemoteTriage“, eine auf evidenzbasierten Leitlinien aufgebaute Software, unterstützt den Arzt, die Behandlung auf dem höchsten medizinischen Standard auch über Video durchzuführen und bietet darüber hinaus die Sicherheit der lückenlosen Dokumentation aller Behandlungsfälle. Rund 30 für Videoclinic tätige Ärzte und Ärztinnen stehen rund um die Uhr per Video zur Verfügung. Neben dem 24-stündigen Notdienst werden im Rahmen des Modellprojekts auch Sprechstunden für inhaftierte Jugendliche und Frauen angeboten.

Die A+Videoclinic GmbH wurde Anfang 2018 gegründet und bietet sowohl öffentlichen Einrichtungen (Polizei, Justizvollzug) als auch Unternehmen und ihren Mitarbeitern telemedizinische Lösungen an.