Digitales Lernen für die Medizin der Zukunft

Digitale Werkzeuge wie virtuelle Fallbeispiele und Augmented Reality sollen die Charité-Studierenden in Zukunft besser auf die Medizin der Zukunft vorbereiten. (Foto: © Charité/Wiebke Peitz)

Mit virtuellen Szenarien, Blended Learning und Augmented Reality will die Charité – Universitätsmedizin Berlin ihre Studierenden auf die medizinischen Herausforderungen der Zukunft vorbereiten. Ziel ist es, die Studierenden im Erlernen praktischer Fertigkeiten und in der Entwicklung einer klinischen Entscheidungskompetenz mithilfe digitaler Formate zu unterstützen.

Der demografische Wandel, das enorme Fortschrittstempo der Biomedizin und die Digitalisierung werden das Gesundheitssystem und damit alle Gesundheitsberufe nachhaltig verändern. „In Zukunft werden wir nicht nur neue Berufsbilder brauchen, sondern auch neue Kompetenzen, insbesondere in der Digitalisierung und der Zusammenarbeit zwischen den medizinischen Professionen“, sagt Prof. Dr. Geraldine Rauch, Prodekanin für Studium und Lehre mit lebens- und gesundheitswissenschaftlichem Schwerpunkt der Charité.  Die Leiterin des Projekts „HEDS“ (Handlungs- und Entscheidungskompetenz Digital Stärken) betont: „HEDS ist ein wichtiger Baustein, mit dem wir unsere Studierenden darauf bestmöglich vorbereiten wollen.“

Effektive Kombination

Ein zentrales Element ist das das sogenannte Blended Learning, also die Kombination von Online- und Präsenzunterricht. „Dazu werden wir Online-Szenarien entwickeln, anhand derer die Studierenden klinische Fallbeispiele von der Erfassung der Symptome über die Diagnose bis zur Therapieentscheidung durchlaufen. Dabei müssen sie in jedem Schritt angeben, wie sie handeln würden, und erhalten sofort individuelles Feedback“, so Prof. Rauch. Auf diese virtuellen Übungsfälle folge dann, wo immer möglich und sinnvoll, der Unterricht vor Ort in der Klinik zu diesem Thema. „So werden wir die klinische Entscheidungskompetenz der Studierenden deutlich besser trainieren als das bisher möglich war“, ist die Prodekanin überzeugt.

Verschiedene Blickwinkel – einheitliches Verständnis

Das Blended Learning zudem dabei helfen, die vier Studiengänge der Charité – Human- und Zahnmedizin, Hebammenwissenschaft und den Bachelor Pflege – besser miteinander zu verknüpfen. Dazu ist geplant, virtuelle Szenarien zum selben Thema verschiedenen Blickwinkeln zu erstellen – zum Beispiel zum Handeln in Notfallsituationen aus Sicht einer Ärztin, einer Hebamme und einer Pflegekraft. „Dabei folgen wir für alle Studiengänge demselben Konzept“, sagt Prof. Dr. Harm Peters, Leiter des Dieter Scheffner Fachzentrums für medizinische Hochschullehre und evidenzbasierte Ausbildungsforschung (DSFZ) der Charité und stellvertretender Leiter des HEDS-Projekts. „So ermöglichen wir es, dass in diesen Behandlungsteams ein einheitliches Verständnis und Herangehen in der klinischen Entscheidungsfindung entsteht. Und auch inhaltlich werden wir bei der Erarbeitung der Online-Szenarien die interprofessionelle Zusammenarbeit besonders in den Fokus nehmen.“ 

Darüber hinaus wollen die Verantwortlichen das Potenzial von Augmented Reality für die Lehre ausloten. So sollen Studierende in besonders sensiblen Bereichen, wie der Intensiv- oder Neugeborenenstation, mithilfe von Datenbrillen von einem räumlich getrennten Dozierenden am Patientenbett unterrichtet werden.

Kontinuierlich detailliertes Feedback

Damit sie ihre Stärken und Schwächen frühzeitig erkennen können, gibt es künftig sogenannte e-Portfolios der Studierenden. In diesen digitalen Mappen finden sie eine Übersicht über ihren Kenntnis- und Leistungsstand in der praktischen Ausbildung. „Die Studierenden erfahren also nicht erst am Ende eines Semesters mit der Prüfung, wie sie in einem Fach stehen, sondern erhalten kontinuierlich detailliertes Feedback zu ihrem Leistungsstand“, so Prof. Peters. Auf diese Weise erhalten Studierende die Möglichkeit, fehlendes Wissen beispielsweise über Onlineangebote nachzubereiten oder einzelne Fertigkeiten gezielt zu trainieren.

Das Projekt HEDS wird von der „Stiftung Innovation in der Hochschullehre“ für drei Jahre mit knapp 2,9 Millionen Euro gefördert. 

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