Diabetes-Bereich als Vorreiter bei zertifizierten Apps

Smartphone-Nutzerin
Smartphone-Nutzerin: Der Diabetesbereich gilt als Vorreiter dabei, Gesundheits-Apps qualitativ einzuordnen. (Foto: © Antonio Guillem/123rf.com)

Patienten und Ärzte stehen gleichermaßen vor der Herausforderung, die auf dem Markt vorhandenen Gesundheits-Apps qualitativ einzuordnen. Das Gütesiegel DiaDigital, das es seit 2017 gibt, bringt Licht in den Dschungel der Diabetes-Apps.

Durch das Digitale Versorgung Gesetz (DVG) können sich Menschen mit Diabetes künftig Apps von ihrem Arzt verschreiben lassen. Die Kosten dafür zahlt die gesetzliche Krankenversicherung. „Damit das möglichst unbürokratisch möglich ist, wird der Zugang für die Hersteller erleichtert: Nachdem die App vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft wurde, wird sie ein Jahr lang vorläufig von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. In dieser Zeit muss der Hersteller beim BfArM nachweisen, dass seine App die Versorgung der Patienten verbessert. Wie viel Geld der Hersteller erhält, verhandelt er dann selbst mit dem GKV-Spitzenverband“, so das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf seiner Webseite. Außerdem können auch Krankenkassen nach eigenem Ermessen Apps bezahlen und müssen nicht auf die Entscheidung des BfArM warten.

Entwicklung mit der Bochumer ZTG

Doch grundsätzlich stehen Patienten und Ärzte gleichermaßen vor der Herausforderung, die auf dem Markt vorhandenen Apps qualitativ einzuordnen. Der Diabetesbereich gilt hier als Vorreiter für eine Vereinfachung. Seit Mitte 2017 gibt es das Gütesiegel „DiaDigital“, gemeinsam von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD), und der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) unter der Federführung der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie (AGDT) auf den Weg gebracht. Mit dem Bochumer Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) hat „DiaDigital“ ein Qualitätssiegel für Diabetes-Apps entwickelt, das erstmals den Nutzen der Apps für Behandler, Betroffene und den Hersteller beurteilt (www.diadigital.de). Mittlerweile haben acht Diabetes-Apps das Gütesiegel erlangt.

Unübersichtliches Angebot

Das Angebot von diabetesbezogenen Apps geht, weltweit betrachtet, mittlerweile in die Zehntausende, darunter Diabetes-Tagebücher zur Verwaltung sämtlicher Therapiedaten oder Programme, mit denen Anwender Kalorien, Brot- und Kohlenhydrateinheiten von Lebensmitteln zur Ernährungssteuerung abrufen können. Die Qualität der Angebote ist jedoch sehr verschieden und bislang gab es keinen offiziellen „TÜV“ für solche Apps.

Das wird sich mit dem BfArM zwar ändern, aber DiaDigital sieht sich dennoch als Vorreiter der qualitativen Beurteilung von Apps im Diabetesbereich. „Das Besondere an DiaDigital ist, dass die Diabetes-Apps von Betroffenen und Behandlern gemeinsam beurteilt werden. Hier wird nicht über den Patienten, sondern mit ihm gesprochen“, erklärt Diana Droßel, stellvertretende Vorsitzende von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. „Der hohe Kriterienkatalog, den wir für jede Testung zugrunde legen, hat sich auf alle Fälle bewährt. Die Hersteller sind dankbar, wenn wir ihnen zurückspiegeln, dass ihre App noch Schwächen oder Fehler aufweist“, ergänzt Dr. med. Matthias Kaltheuner, zusammen mit Diana Droßel Projektleiter von DiaDigital.

Die Schritte zur Siegelvergabe
1. Der App-Hersteller bewirbt sich um das Siegel und füllt eine Selbstauskunft zu der App aus, jeweils eine für iOS und Android.
2. Das Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) in Bochum nimmt eine technische Überprüfung vor, prüft den Datenschutz und erstellt einen Bericht.
3. Die Bewertung wird auf dieser Plattform eingestellt, die registrierten App-Tester, pro Testung mindestens fünf Behandler und fünf Betroffene, werden informiert und können ihre individuelle Bewertung vornehmen.
4. In einer gemeinsamen großen Abschlussrunde wird das finale Prüfergebnis mit allen Beteiligten intensiv beraten und konsentiert.
5. Die Ergebnisse der Tester werden in einem Fazit zusammengefasst.

Die App wird mit der Selbstauskunft, dem Ergebnis der technischen Überprüfung und dem Fazit im Bereich „Apps mit dem Diadigital-Siegel“ veröffentlicht.

Sollte eine App die Kriterien nicht erfüllen, bekommt der Hersteller eine Rückmeldung und erhält die Möglichkeit zur Nachbesserung.