Arzneimittelkonto NRW: Echtbetrieb in Wuppertal gestartet

So funktioniert das Arzneimittelkonto NRW. (Foto: CompuGroup Medical Deutschland AG)

Ab sofort ist die Stadt Wuppertal Pilotregion für das Projekt „Arzneimittelkonto NRW“. Ein zentrales, patientenindividuelles Arzneimittelkonto soll dort erstmals Ärzte, Apotheker und Pflegeinrichtungen in die Lage versetzen, sich gemeinsam über ein zentrales Arzneimittelkonto auszutauschen. Auch die Patienten werden eingebunden.

Ziel des 2016 gestarteten Projektes Arzneimittelkonto NRW ist es, die Medikamenteneinnahme sicherer zu machen. Fast die Hälfte der über 65-Jährigen nimmt heute regelmäßig fünf oder mehr Medikamente ein. Um für diese Patienten die individuell beste Kombination zusammenzustellen ist wichtig, dass alle am Behandlungsprozess Beteiligten über die Gesamtmedikation informiert sind. Denn so lassen sich Wechselwirkungen, unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Doppelverordnungen und -einnahmen vermeiden.

Im Rahmen des Projektes haben Softwarehersteller im Gesundheitswesen, darunter die CompuGroup Medical Deutschland AG, eine technische Lösung implementiert. Sie soll es den Teilnehmern ermöglicht, notwendige Medikationsänderungen unter Berücksichtigung der Gesamtmedikation des Patienten vorzunehmen. Eine spezielle Arzneimitteltherapiesicherheits-Prüfsoftware überwacht jede Änderung oder Ergänzung der Gesamtmedikation. Der Patient selbst kann mit Hilfe der kostenlosen App Mediteo sein Arzneimittelkonto einsehen. Bei Bedarf lassen sich auch frei verkäufliche Präparate und weitere Medikamente hinzufügen. Auch hier überprüft ein Sicherheitscheck bei Neueinträgen auf Wechselwirkungen allen Medikamenten.

Erste Teilnehmer gefunden

Als Pilotregion für das „Arzneimittelkonto NRW“ hat Wuppertal mit der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal gleich einen wichtigen Teilnehmer mit derzeit acht Pflegeeinrichtungen und 100 Bewohnern pro Haus gewonnen. Die Diakonische Altenhilfe beschäftigt sich bereits seit Jahren mit dem Thema elektronisches Medikamentenmanagement zur sicheren Arzneimittelgabe. „Im Medikamentenmanagement ist größte Sorgfalt geboten. Wenn alle Akteure an ein und demselben Medikationsplan eines Patienten arbeiten, ist das ein großer Schritt zur Steigerung der Sicherheit, der Transparenz und Effektivität. Das Arzneimittelkonto knüpft genau an dieser Stelle an“, sagt Donate Degenhardt, Qualitätsmanagerin der Diakonischen Altenhilfe, die das Projekt als weiteren Schritt zur noch besseren Versorgung der Bewohner und mehr Transparenz sieht. Dr. Jürgen Sievers von der teilnehmenden Widder-Apotheke ist ebenfalls vom Projekterfolg überzeugt: „Wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) setzen zwingend die Kenntnis der Gesamtmedikation voraus.“

Als erste Wuppertaler Ärzte werden Dr. Oleg Hoffmann sowie die TALPRAX von Dr. Michaele Müller, Dr. Miriam Hochreuther und Dr. Harriet Weiss das Arzneimittelkonto neben der Heimversorgung auch ambulanten Patienten anbieten. Weitere Teilnehmer sollen Anfang des kommenden Jahres hinzukommen. Die Teilnahme am Projekt „Arzneimittelkonto NRW“ ist für Patienten, Ärzte, Apotheken und Pflegeheime kostenfrei.