Am Herz- und Diabeteszentrum NRW kommt erstmals in der Kinderkardiologie ein 3D-Hologramm des schlagenden Herzens während Kathetereingriffen zum Einsatz. Bei fünf Patienten mit Ventrikelseptumdefekt ergänzte die Echtzeitdarstellung die etablierte Ultraschallbildgebung. Ob daraus klinische Vorteile entstehen, wird noch untersucht.
Ein schlagendes Herz frei im Raum betrachten, drehen und aus verschiedenen Perspektiven beurteilen: Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen setzt dafür das Holoscope des israelischen Herstellers RealView Imaging ein. Nachdem die Technologie dort bereits in der interventionellen Kardiologie bei Erwachsenen genutzt wurde, ist sie nun erstmals auch bei Eingriffen im Zentrum für angeborene Herzfehler und Kinderherzzentrum zum Einsatz gekommen. Bislang wurden fünf Patienten im Alter zwischen 8 und 29 Jahren damit behandelt. Bei allen Patienten lag ein Ventrikelseptumdefekt (VSD) vor – eine angeborene Öffnung in der Scheidewand zwischen den beiden Herzkammern.
Bei geeigneten Patienten lässt sich ein solcher Defekt minimalinvasiv verschließen. Dabei wird über einen Herzkatheter ein sogenannter Schirmverschluss bis zum Defekt vorgeschoben und dort entfaltet. Das Holoscope erzeugt parallel aus Live-4D-Ultraschalldaten ein dreidimensionales Bild des schlagenden Herzens. Dieses erscheint für den Untersucher frei im Raum und kann während des Eingriffs aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und gedreht werden. Auch anatomische Strukturen und die Position des eingesetzten Verschlusssystems lassen sich in der 3D-Darstellung beurteilen. Eine VR-Brille muss dafür nicht getragen werden. Gesteuert werden kann das System unter sterilen Bedingungen unter anderem per Sprache.
TEE bleibt entscheidende Bildgebung
Das Hologramm ersetzt allerdings nicht die etablierte Bildgebung während des Eingriffs. Entscheidend bleibt die transösophageale Echokardiografie (TEE), bei der eine Ultraschallsonde über die Speiseröhre nahe an das Herz geführt wird. Sie liefert die hochauflösenden Bilder für die Intervention. Die zusätzliche räumliche Darstellung soll insbesondere helfen, Größe und Lage des Defekts sowie die Beziehung zu umliegenden Strukturen leichter zu beurteilen.
„Diese Visualisierung medizinischer Bilder erlaubt uns aktuell eine zusätzliche Beurteilung zur exakten Verortung etwa der Größe des Defekts und der umliegenden Strukturen“, beschreibt Prof. Stephan Schubert, Direktor der Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler am HDZ NRW, den Einsatz.
Das HDZ NRW verbindet mit der zusätzlichen Darstellung die Erwartung, Interventionen effektiver und sicherer durchführen zu können. Für einen solchen klinischen Vorteil liegen aus den jetzt gemeldeten Anwendungen jedoch noch keine ausgewerteten Daten vor. Die Ergebnisse der ersten fünf Eingriffe werden nach Angaben des Zentrums derzeit zusammengeführt und wissenschaftlich untersucht. Weitere Anwendungen sind geplant. Damit handelt es sich zunächst um eine neue Form der intraoperativen beziehungsweise interventionellen Visualisierung. Ob die Holografie beispielsweise Eingriffszeiten verkürzt, Komplikationen reduziert oder die Platzierung von Implantaten verbessert, muss erst in systematischen Untersuchungen gezeigt werden. Nach Angaben des HDZ NRW wird die Holografie in der Herzmedizin in Deutschland derzeit nur in Bad Oeynhausen eingesetzt. International nutzen einige weitere Zentren entsprechende Systeme.