Zukunftsrat fordert leistungsfähige Patientenakte

Smartphone und Stethoskop auf Schreibtisch
Zügige Fortschritte bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen wünscht sich der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft (Foto: © ra2 studio/fotolia.com)

Der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft kritisiert das deutsche Gesundheitssystem: Es sei von Ineffizienzen geprägt, die sich negativ auf Kosten und Versorgungsqualität auswirken. Mehr Effizienz soll durch die Digitalisierung kommen.

Der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft widmet sich aktuell schwerpunktmäßig dem Themenfeld Gesundheit und Medizin. Aktuell seien im Gesundheitswesen beispielsweise Prozesse und Akteure zu wenig miteinander vernetzt. „Dreh- und Angelpunkt sind eine systematische Erfassung, Auswertung und Nutzung von Daten über eine elektronische Patientenakte. Das ist der Schlüssel für deutliche Effizienzgewinne, mehr Transparenz und qualitative Verbesserungen in der Versorgung. Die Datenhoheit muss dabei beim Patienten bleiben. Er kann behandelnden Ärzten, Krankenhäusern oder Dritten Zugriff auf die Daten gewähren“, betont Alfred Gaffal, Präsident der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. und Zukunftsrats-Vorsitzender.

Milliardenausgaben ohne Nutzen

Gaffal fordert deutlich mehr Tempo: „Aktuell gibt es in Deutschland zwar eine elektronische Gesundheitskarte, sie enthält aber keine relevanten Gesundheitsdaten und bleibt trotz Milliardeninvestitionen weit hinter den technischen Möglichkeiten zurück. Deshalb muss eine leistungsfähige elektronische Patientendatenverwaltung jetzt endlich umgehend umgesetzt werden“.

Durch einen wesentlich stärkeren IT-Einsatz und Automatisierung können laut Zukunftsrat auch die Abläufe in Praxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen optimiert werden. „Heute verbringt ein Arzt rund 30 Prozent der Zeit mit administrativen Aufgaben. Mit intelligenten digitalen Prozessen kann viel Zeit gespart werden, die dann der Patientenbetreuung zugutekommt“, so Gaffal.

Der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft wurde im Mai 2014 von vbw Präsident Alfred Gaffal initiiert. Er hat gemeinsam mit dem Präsidenten der Technischen Universität München, Professor Wolfgang A. Herrmann, den Vorsitz des Gremiums inne. Das Gremium versteht sich als Impulsgeber für die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Bayern.