Weniger Raucher – mehr Bewegungsmuffel

Junge Frau und junger Mann beim Jogging
75 Minuten Jogging oder 150 Minuten schnelles Gehen betrachtet die WHO als Bewegungs-Minimum pro Woche (Foto: © detailblick-foto/fotolia.com)

Laut Daten des Robert Koch-Institutes raucht nur noch jeder vierte Mann und jede fünfte Frau täglich oder gelegentlich. Eine aktuelle Studie der Sporthochschule Köln mit 2.900 Befragten kommt dennoch zu einem alarmierenden Ergebnis.

Die Menschen in Deutschland werden zunehmend zu „Stubenhockern“: Immer mehr bewegen sich zu wenig, sitzen hauptsächlich am Schreibtisch, auf der Couch oder im Auto. So bewegt sich jeder zehnte Mensch in seiner Freizeit nie länger als zehn Minuten am Stück. „Das ist viel zu wenig, um eine wirksame Prävention zur Vermeidung oder Verringerung von Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselkrankheiten zu erreichen“, warnt Professor Gerd Glaeske das „Sitzen als neues Rauchen“. Der Leiter des Länger besser leben.-Institutes, einer Kooperation von Universität Bremen und Krankenkasse BKK24, beziffert die tägliche Sitzdauer auf fast acht Stunden

43 Prozent erreichen das Minimum

Vergleicht man die Ergebnisse der Kölner Studie mit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wird das Bewegungsdefizit noch deutlicher. Die WHO fordert mindestens 150 Minuten wöchentliche Bewegung mit mittlerer Anstrengung wie zum Beispiel schnelleres Gehen oder Schwimmen. Alternativ 75 Minuten intensive körperliche Aktivität wie Joggen oder zügiges Radfahren. Haben vor zehn Jahren noch 60 Prozent diese Empfehlungen umgesetzt, sind es jetzt nur noch 43 Prozent. Dadurch steigt das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an Diabetes zu erkranken. Bleibt es bei der Bewegungsarmut, könnten mehr Menschen früher sterben.

Mehr Bewegung fordern und fördern

Anders als in der Kölner Studie gestaltet sich die Situation unter den Teilnehmern der Länger besser leben-Initiative. „In der Gesundheitsinitiative der BKK24 ist die Förderung von Bewegung ein wesentlicher Bestandteil der Präventionsstrategie”, blickt Institutsleiter Glaeske auf die Evaluationsergebnisse. So hätten über ein Drittel der befragten Teilnehmer dauerhaft zusätzliche körperliche Aktivität in ihre Freizeit aufgenommen. Fast ein Fünftel mehr würden zudem die Forderungen der WHO von 150 Minuten Bewegung pro Woche erfüllen.

Den Grund, warum dies hier im Gegensatz zu anderen Präventionsansätzen gelingt, sieht Glaeske in den „niedrigschwelligen Angeboten“. So würden beispielsweise zunehmend mehr Menschen über die BKK24 das Sportabzeichen machen. Als weiteres Beispiel nennt er die „3.000-Schritte-Aktionen“, die die Krankenkasse einige Male mit der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt durchgeführt hat.