TK stellt elektronische Gesundheitsakte vor

Blick auf konventionelles Aktenregister
Elektronische Gesundheitsakte statt Papierkrieg: Patienten sollen ihre Gesundheitsdaten digital einsehen, verwalten und bearbeiten können (Foto: © Gina Sanders/fotolia.com)

Die Techniker Krankenkasse (TK) stellt mit „TK-Safe“ die elektronische Gesundheitsakte (eGA) für ihre Versicherten vor. Die in Kooperation mit IBM Deutschland entwickelte digitale Akte kann jetzt kostenfrei getestet werden. Weder die TK noch IBM sollen auf die Daten zugreifen können. Kritik erntet die Kasse dennoch.

Mit der Einführung einer elektronischen Gesundheitsakte für ihre Versicherten, will die Krankenkasse den Nutzern ermöglichen, Gesundheits- und Krankheitsdaten strukturiert an einem Ort zu speichern und selbst zu managen. Auf den „TK-Safe“ können die Versicherten mit ihrem Smartphone über die TK-App zugreifen. Nach einem bislang erfolgreichen Testbetrieb mit 1.000 Teilnehmern stellt die TK ihre eGA-Version nun offiziell vor. Für einen erweiterten Anwendertest können sich nun TK-Versicherte bundesweit vorab registrieren. Künftig sollen dann alle der mehr als zehn Millionen TK-Versicherten das digitale Tool nutzen können. Um eine proprietäre Lösung soll es sich nicht handeln: „Sobald die Telematikinfrastruktur an den Start geht, wird TK-Safe mit dem elektronischen Patientenfach kompatibel sein“, verspricht die TK.

Speichern können die Nutzer in „TK-Safe“ alle relevanten Daten, die der Krankenkasse über ihre Versicherten vorliegen. Dies kann etwa die Impfhistorie, eine Auflistung der verschreibungspflichtigen Medikamente oder Übersichten über Arzt- und Zahnarztbesuche inklusive Diagnosen beinhalten. Die Informationen können manuell um eigene Daten ergänzt werden. Freiverkäufliche Medikamente lassen sich per Barcodescanner hinzufügen, Arztbriefe oder Röntgenbilder können hochgeladen werden.

Zwei-Faktor-Authentifizierung

Gespeichert werden die eGA-Behandlungsdaten in einem IBM-Rechenzentrum in Frankfurt/Main. Alle Daten werden Ende-zu-Ende verschlüsselt. Der Zugriff auf „TK-Safe“ ist ausschließlich mit einem vorab registrierten Smartphone und mit einem vom Patienten festgelegten Passwort innerhalb der TK-App möglich.Bei einem Kassen- oder Arztwechsel sollen die Daten weiterhin beim Versicherten bleiben. Wechselt der Versicherte zu einer anderen Versicherung, werden alle Daten nach 28 Tagen gelöscht. Löschen will die TK die Daten auch dann, wenn der Versicherte zwölf Monate lang nicht auf seine Gesundheitsakte zugreift.

Kliniken wollen mitmachen

Damit Versicherte ihre Daten künftig bei Krankenhausaufenthalten zügig in „TK-Safe“ einfließen lassen können, schließt die TK aktuell bundesweit Kooperationsverträge mit Kliniken. Als Vorreiter werden 16 Kliniken des christlichen Gesundheitskonzerns Agaplesion gAG angebunden sein. Laut TK haben zahlreiche, weitere Krankenhausbetreiber und Kliniksoftwareanbieter bereits ihre Absicht bekundet, sich anzuschließen.

Der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas sieht die Krankenkasse mit dem Angebot in einer Vorreiterrolle: „Mit TK-Safe ermöglichen wir unseren Versicherten den Schritt in ein modernes Gesundheitswesen, in dem sie selbst über ihre Daten verfügen können. Derzeit haben wir völlig überholte, analoge Strukturen, die es Patienten unnötig schwer machen, an ihre eigenen Daten heranzukommen.“

eGA-Serviceprovider kritisiert TK

Kritik erntet die Techniker Krankenkasse vom Hamburger Anbieter Vitabook. „Was die TK einen Meilenstein nennt, existiert bereits, unter anderem von Vitabook“ teilt das Unternehmen mit. Vitabook positioniert sich als unabhängiger Serviceprovider einer elektronischen Gesundheitsakte. „Für den Patienten heißt das: Er kann die eGA immer nutzen, egal bei welcher Krankenkasse er versichert ist.“ Bei einem Wechsel werden die Daten mitgenommen. Einige Krankenkassen bieten ihren Versicherten an, die Nutzung einer solchen, unabhängigen eGA zu finanzieren (mednic berichtete).

Vitabook gibt in Anbetracht des neuen TK-Angebots zu bedenken: „Nicht jedem dürfte wohl dabei sein, persönliche Gesundheitsdaten ausgerechnet in einer von seiner Krankenkasse angebotenen eGA zu hinterlegen“. Mittels einstweiliger Verfügung ließ Vitabook der Techniker Krankenkasse untersagen, in einer Presse-Einladung zur Vorstellung des „TK-Safe“ von der ersten, bundesweiten elektronischen Gesundheitsakte zu sprechen.