TK startet Pilotprojekt zur Fernbehandlung

Die TK hat ein vollständig digitales Pilotprojekt zur Fernbehandlung von Versicherten per Videotelefonie gestartet. (Foto: M.Dörr & M.Frommherz - Fotolia.com)

Ein vollständig digitales Pilotprojekt zur Fernbehandlung von Versicherten per Videotelefonie hat die Techniker Krankenkasse (TK) jetzt gestartet. Der zurzeit noch kleine Teilnehmerkreis soll in Kürze deutlich ausgeweitet werden.

Ab Dezember sollen sich rund 14.000 TK-Mitarbeiter vom heimischen Krankenbett aus über eine Video-App ärztlich behandeln lassen können. Im Gespräch mit den Teilnehmern und anhand der übertragenen Bilder können die Ärzte die Symptome der Patienten überprüfen und ihnen aus der Ferne eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen sowie ein Medikament verordnen. Die Krankschreibung wird dabei elektronisch direkt an die TK als Krankenkasse und Arbeitgeber übertragen. Das Rezept für das Arzneimittel können die Teilnehmer mit ihrem Smartphone abrufen. Auf Wunsch lässt sich das Rezept bei einer Hamburger Apotheke elektronisch einlösen. Die Einbindung weiterer Apotheken ist geplant.

Durchgängig digital

„Mit dem Pilotprojekt bilden wir erstmals eine komplette Behandlungskette von der Diagnose über die Krankschreibung bis hin zur Medikamentenbestellung in einem durchgängig digitalen Prozess ab“, sagt Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands. Mit dem Projekt will die Krankenkasse erste Erfahrungen in der Fernbehandlung sammeln. „Wir wollen zeigen, wie stark die Digitalisierung im Gesundheitswesen das Leben für Patienten, Ärzte und Apotheker erleichtern kann“, so Baas. Er ist davon überzeugt, dass sich die Versorgung in den kommenden Jahren erheblich verändern wird.

An Beispielen wie dem grippalen Infekt oder dem Magen-Darm-Infekt zeigen sich die Vorteile der Fernbehandlung besonders gut. Bisher müssen diese Erkrankten zu ihrem Hausarzt, stecken im Wartezimmer nicht selten noch andere Patienten an, nur um eine Krankschreibung für den Arbeitgeber zu erhalten. „Bei der Fernbehandlung entfällt die Anfahrt zum Arzt und die Wartezeit. Gleichzeitig bewahren wir sowohl den Patienten als auch die anderen Wartenden und die Mitarbeiter der Arztpraxis vor unnötigen Infekten. Das ist ein Gewinn für alle Beteiligten“, sagt Baas. Falls ein Arzt die Diagnose aus der Ferne für zu unsicher befindet oder für eine weitere Abklärung eine persönliche Vorstellung bei einem Arzt notwendig ist, kann das Ärztezentrum auch Termine bei Vertragsärzten in der Nähe des Versicherten vereinbaren.

Niedergelassene Ärzte behandeln

Für das Projekt hat die TK einen Vertrag mit dem Telearztzentrum der IFE-Gesundheits GmbH im schleswig-holsteinischen Nehmten geschlossen. Die Behandlung wird ausschließlich von niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Zunächst ist das Projekt auf sieben Krankheitsbilder beschränkt. Dazu zählen unter anderem Magen-Darm-Infekte, grippale Infekte, Rückenschmerzen und Migräne. Weitere Krankheitsbilder sollen folgen.

Digitalisierte Krankschreibung 

Stellt der Arzt eine der sieben Diagnosen, kann er per Knopfdruck eine elektronische Arbeitsunfähigkeitserklärung (eAU) für den Versicherten ausstellen. Das mehrfache Ausdrucken des sogenannten gelben Scheins entfällt, da die Abläufe bei dem Pilotprojekt voll digitalisiert sind. Die TK wird als Arbeitgeber und Krankenkasse per Knopfdruck automatisch über die Krankschreibung informiert.

Gute Erfahrungen

„In den vergangenen zwei Jahren haben wir mit der eAU sehr gute Erfahrungen gesammelt“, sagt der stellvertretende TK-Vorstandsvorsitzende Thomas Ballast. Seit 2017 sind rund 120.000 Krankmeldungen auf dem elektronischen Weg bei der Kasse eingegangen. Die Versicherten sparen sich Umschläge, Briefmarken sowie den Weg zum Briefkasten. Die Kasse muss die AU-Bescheinigungen nicht mehr aufwändig scannen. Und der Arbeitgeber erhält die Krankmeldung schneller und kann sie als Datensatz einfacher und zuverlässiger verwalten.

Digitaler Weg zur Apotheke

Ein verschriebenes Medikament kann der Patient direkt von zu Hause aus in der Apotheke einlösen. Per App erhält er einen QR-Code auf sein Smartphone, der direkt an die Apotheke übermittelt werden kann. Der Versicherte hat die Wahl, ob die Apotheke das Arzneimittel im Großraum Hamburg ausliefern soll oder ob er es sich vor Ort abholt. Der Übertragungsweg ist Ende-zu-Ende verschlüsselt und die Rezeptdaten liegen bis zum Abruf in der Apotheke dezentral in der Arztpraxis.

Seit Anfang des Jahres testet die TK testet das elektronische Rezept in Hamburg-Wandsbek. Mit dabei sind mittlerweile zwei Apotheken, das Diabetes Zentrum Wandsbek und die Krankenkasse HEK. „Unsere Projektpartner berichten von sehr positiven Erfahrungen mit dem E-Rezept“, so Ballast. Es sorge für schnellere und bequemere Abläufe.  Das TK-Projekt der Fernbehandlung inklusive E-Rezept und eAU ist offen für einen Ausbau für TK-Versicherte bei weiteren Arbeitgebern. Dazu müssen die Unternehmen unter anderem in ihrer Personalverwaltungs-Software eine sichere Schnittstelle für den Anschluss an das Projekt schaffen.