Qualitätssicherung bei Gelenk-OPs zeitaufwändig

In der Medizin sorgt hoher Dokumentationsaufwand immer häufiger für Zeitdruck. (Foto: © Syda Productions - Fotolia.com)

Rund 400.000 künstliche Gelenke in Hüfte und Knie werden hietzulande jährlich eingesetzt. Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens untermauert die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE)  jetzt ihre Forderung nach einem verpflichtenden Endoprothesenregister. Gleichzeitig weist sie auf den hohen Zeitaufwand hin, die ein solches Register verursacht.

Um die Qualität in der Endoprothetik zu erhalten und stetig zu verbessern, ist eine flächendeckende Qualitätssicherung entscheidend. „Hier setzen wir insbesondere auf Register wie das Endoprothesenregister Deutschlands (EPRD), die die Standzeit und mittelfristig auch die Funktion der implantierten Prothesen vergleichen und es uns somit erlauben, die beste Implantatwahl für jeden Patienten zu realisieren“, sagt Professor Dr. med Carsten Perka, Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité –Universitätsmedizin Berlin. Aus diesem Grund fordert die AE bereits seit einiger Zeit die  verpflichtende Teilnahme an dem EPRD für alle Kliniken, die Gelenkprothesen einsetzen.

Die Qualität eines solchen Registers hängt von einigen Faktoren ab: „Wir müssen zahlreiche Daten erfassen, um die richtigen Schlüsse daraus ziehen zu können“, sagt Perka, Präsident der AE. Entscheidend sei, welche Prothese zu welchem Patienten passt, das heißt welche Aktivitäten die Prothese dem Patienten erlaubt – und das könne der Arzt nur auf Basis einer soliden Datengrundlage entscheiden. Ein weiterer Faktor für die Ergebnisqualität eines Registers ist die Sorgfalt bei der Dateneingabe.

Ärzte brauchen Unterstützung

Perka bezweifelt, dass der behandelnde Arzt die zusätzliche Datenpflege mit hoher Qualität leisten kann. „Bei steigenden Fallzahlen pro Arzt und Klinik muss der einzelne Arzt mehr Patienten versorgen. Zusätzliche administrative Aufgaben wie die Pflege eines Registers sind kaum denkbar“, so auch Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE. „Daher fordern wir ein verpflichtendes und umfassendes Register“. Die ökonomischen Zwänge, denen Ärzte  in Kliniken ausgesetzt sind, dürften dabei jedoch keinesfalls unberücksichtigt bleiben. Denn ein verpflichtendes Endoprothesenregister verspreche zwar ein Mehr an Qualität, verursache aber auch ein Mehr an Aufwand. Dieser Aufwand müsse durch zusätzliches Personal ausgeglichen werden.