Neuroradiologie-Ausbildung durch Telemedizin

Mithilfe einer hochauflösenden Kamera inklusive Sprechverbindung können Assistenzärztinnen und -ärzte der interventionellen Neuroradiologie am UKB eine große Anzahl an komplexen Eingriffen live verfolgen. (Foto: Universitätsklinikum Bonn (UKB)/J.F. Saba)

Als eines von deutschlandweit nur fünf Ausbildungszentren bildet die Klinik für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) ihren Nachwuchs jetzt per Telemedizin aus. Assistenzärztinnen und-ärzte können komplexe Eingriffe live mitverfolgen, die aus den OP-Sälen übertragen werden.

Der Bedarf an interventionell ausgebildeten Neuroradiologinnen und Neuroradiologen, die gezielte Eingriffe am Gewebe vornehmen können, ist groß. Die Klinik für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) geht deshalb jetzt gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) und der European Society of Minimal Invasive Neurosurgery (ESMINT) neue Wege in der Ausbildung junger Nachwuchskräfte. Während bisher nur ein oder maximal zwei Assistenzärztinnen und -ärzte in der Angiografie (Darstellung von Gefäßen mithilfe diagnostischer Bildgebungsverfahren) bei komplexen Eingriffen ausgebildet werden konnten, soll eine neue Kamera nun neue Möglichkeiten eröffnen. Die hochauflösende Kamera wird oberhalb des Angiografietisches platziert. Dadurch lässt sich der Eingriff von mehrere Assistentinnen und Assistenten an verschiedenen Orten gleichzeitig mit verfolgen

eFellows lernen via Telemedizin

Im Rahmen des sogenannten „eFellowships“ wurde die Klinik für Neuroradiologie am UKB neben als eines von fünf ausbildenden Zentren in Deutschland ausgewählt. Darüber hinaus sind die Technische Universität München, die Uniklinik Heidelberg, das Katharinenhospital in Stuttgart und das Klinikum Dortmund beteiligt. Während des fünfmonatigen eFellowships können junge Neuroradiologinnen und Neuroradiologen mithilfe eines ferngesteuerten Kamerasystems mit Sprech- und Tonverbindung aus der Ferne live an komplexen Neurointerventionen teilnehmen. So können sie erfahrenen Medizinern virtuell über die Schulter schauen.

Sehr gute Erfahrungen

Die Behandlungen werden über ein System der Firma Tegus Medical live gestreamt. Während der Übertragungen können Mentorinnen, Mentoren und eFellows direkt kommunizieren und über Fälle und technische Details diskutieren. „Unsere ersten Erfahrungen mit dem System sind sehr gut, die Qualität der Übertragung ist exzellent und die Kommunikation mit den Fellows macht großen Spaß“, sagt Prof. Franziska Dorn, Stellvertretende Direktorin und Leiterin der Neurointervention der Klinik für Neuroradiologie am UKB, die das Projekt am UKB leitet. Das System eröffne ganz neue Möglichkeiten in der Ausbildung und Supervision. Denn die eFellows können jeden Handgriff über die Kamera aus optimaler Perspektive mitverfolgen.

Intensiver Austausch

Die Ausbildung der eFellows wird zudem von von interaktiven Falldiskussionen und virtuellen Meetings begleitet. Das soll den intensiven fachlichen Austausch zwischen den Kliniken fördern. „Über die Ausbildung der Assistenzärztinnen und -ärzte hinaus werden videogeführte Systeme in der interventionellen Neuroradiologie im Rahmen komplexer Eingriffen eine sehr viel größere Bedeutung erlangen“, ist Prof. Alexander Radbruch, Direktor der Klinik für Neuroradiologie am UKB. überzeugt. Insbesondere in schwierigen Notfall-Situationen sei es für die Interventionalisten sehr hilfreich, wenn sich eine Expertin oder ein Experte aus der Ferne unmittelbar durch das Videosystem hinzuschalten könne. Die neue Technik könne hier einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung der Behandlungsqualität leisten.

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