Künstliche Bauchspeicheldrüse erfolgreich getestet

Die Schweizer Studienärztin Dr. med. Lia Bally (Mitte) präsentiert das System gemeinsam mit den Studienassistentinnen Svenja Heger (links) und Eveline Andereggen (rechts).(Foto: Inselspital, Universitätsspital Bern)

Bei einem Aufenthalt im Krankenhaus können Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer künstlichen Bauchspeicheldrüse profitieren. Das zeigen die Ergebnisse einer jetzt vorgestellten Studie aus Bern und Cambridge. Demnach führte die von einem Algorithmus gesteuerte Insulinabgabe im Vergleich zur herkömmlichen Insulintherapie zu einer deutlich besseren Blutzuckereinstellung.

Ein Klinikaufenthalt ist gerade für Patienten mit Diabetes eine Herausforderung: akute Krankheit, Änderungen in der Ernährung, Einnahme von Medikamenten und medizinische Behandlungen führen zu raschen Änderungen des Insulinbedarfs und zu Schwankungen des Blutzuckers. Das erschwert die Einstellung des Blutzuckers der Patienten. Hier könnte die künstliche Bauspeicheldrüse helfen. Zusammen mit der Universität Cambridge, Vereinigtes Königreich, und im Rahmen des neu gegründeten Diabetes Center Berne erforschte die Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie, Ernährungsmedizin und Metabolismus zusammen mit anderen Kliniken des Inselspitals Bern, inwiefern das künstliche Pankreas das Diabetesmanagement im Krankenhaus verbessern kann.

Der Schweizer Studienleiter Prof. Dr. med. Christoph Stettler und die Schweizer Studienärztin Dr. med. Lia Bally sind von dem Potenzial neuster Diabetestechnologie für die Klinikversorgung von Menschen mit Diabetes überzeugt: „Das künstliche Pankreas hat sich in unserer Studie bewährt. Im Vergleich zur herkömmlichen Therapie wiesen Patientinnen und Patienten fast viermal öfter einen idealen Blutzuckerwert auf. Werte oberhalb des Zielbereichs wurden um ein Viertel reduziert und der Blutzuckerverlauf zeigte signifikant weniger Schwankungen“, so Lia Bally. Der große Vorteil des künstlichen Pankreas liege in der prompten Reaktion auf einen veränderten Insulinbedarf.

Wirksam und sicher

An der Studie nahmen 136 stationäre Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes in Bern und Cambridge teil. Nach dem Zufallsprinzip erhielten die Studienteilnehmenden entweder die herkömmliche Therapie mit manuellem Nachmessen und Insulininjektionen oder die Blutzuckereinstellung erfolgte mit der künstlichen Bauchspeicheldrüse. Dieses Closed-Loop-System besteht aus einem kontinuierlichen Glukosesensor, einer Insulinpumpe und einem Kontrollalgorithmus, der die Insulinabgabe je nach Blutzuckerwert bedarfsgerecht reguliert. Das komplette System lässt sich den Forschern zufolge innerhalb von 15 Minuten installieren. Danach übernimmt es die Blutzuckereinstellung autonom.

Im Rahmen der Studie zeigte sich: Das künstliche Pankreas ist wirksam, praktikabel und lässt sich sicher in der Klinik einsetzen. Im Vergleich zur herkömmlichen Insulintherapie verbesserte sich die Blutzuckereinstellung der Patienten signifikant, und das mit vergleichbaren Insulinmengen und ohne Auftreten vermehrter Unterzuckerungen.

Patienten zufrieden

Auch bei den Patienten kam der Hightech-Helfer gut an: 98 Prozent waren mit der Blutzuckerregulation über das künstliche Pankreas zufrieden und 100 Prozent würden das neue System anderen mit Typ-2-Diabetes bei einem Klinikaufenthalt weiterempfehlen.

Die Studienergebnisse wurden jetzt im Rahmen des weltweit größten Diabetes Kongresses in den USA präsentiert. In Folgestudien sollen nun die Auswirkung der verbesserten Blutzuckerkontrolle durch das künstliche Pankreas auf den Genesungsverlauf von Patienten untersucht werden.