Innovative Ideen für die Gesundheitswirtschaft

Die diesjährigen Gewinner des „Ideenwettbewerb Gesundheitswirtschaft“. (Foto: Joachim Kloock)

Sechs innovative Ideen für die Gesundheitswirtschaft sind jetzt im Rahmen eines Ideenwettbewerbs ausgezeichnet worden. Mit dabei sind eine neuartige Analyse von Nierenzellen, ein TÜV für Krebsdiagnostik, eine Optimierung von Wirbelsäulen-Therapien, Desinfektionen für Katheter und Hände sowie Gesundheitslotsen.

Unter dem Motto „Innovative Ideen für die Gesundheitswirtschaft“ hatte das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit in Kooperation mit der BioCon Valley GmbH in Mecklenburg-Vorpommern zum zehnten Ideenwettbewerb Gesundheitswirtschaft aufgerufen. Nun wurden die Gewinner des landesweiten Wettbewerbs durch den Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern Harry Glawe in Rostock ausgezeichnet. „Die Sieger-Projekte zeichnen sich durch die Entwicklung innovativer Lösungsansätze und neuartige Verfahren und Produkte in der Gesundheitswirtschaft aus. Hier schlummert enormes Potenzial“, so der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit. Insgesamt gibt es sechs Gewinner. 

Quantifizierung der Nierenstruktur

Das Unternehmen NIPOKA aus Greifswald mit PEMP, einer schnellen Quantifizierung der Nierenstruktur. Das Analyseverfahren erlaubt erstmals, schnell, exakt und quantitativ die Veränderungen einer speziellen Zelle in der Niere zu bestimmen, die in 80 Prozent aller Nierenerkrankungen verändert ist. Diese neue Kennzahl ermöglicht nun eine gezieltere Forschung und effiziente Entwicklung von heilenden Medikamenten. Zudem bietet das Verfahren eine sehr genaue und personalisierte Diagnostik in der Nephrologie. Das Unternehmen plant, sein Quantifizierungsverfahren international zu vermarkten. 

TÜV für Krebsdiagnostik

Das Unternehmen SensID GmbH aus Rostock beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung und Herstellung von Referenzmaterialien für die Gendiagnostik bei Krebserkrankungen. Alle Diagnosemethoden hängen von der Qualität ihrer Kontrollen ab. Durch die Bereitstellung zertifizierter Referenzmaterialien kann die Qualität molekularer Diagnosemethoden verbessert werden. Somit profitieren Patienten von einer optimalen Therapie. Die Lösungen von SensID sollen gesicherte Aussagen zur Erkrankung und den entsprechenden Therapiemöglichkeiten ermöglichen. Bereits heute werden die Produkte gezielt deutschen und internationalen Uni-Kliniken, Medizinische Versorgungszentren und Diagnostiklabore angeboten.

Orthopädie-Technik-Service 

Mit SpinePatch, Entwicklung flexibler Sensor-Patches zum Monitoring der orthetischen Versorgung der Wirbelsäule, überzeugte die aktiv GmbH aus Greifwald.

In der Therapie von Wirbelsäulenproblemen kommen Orthesen zum Einsatz, die in unterschiedlicher Ausprägung eine Stütz- und Korrekturfunktion übernehmen. Häufig werden diese Orthesen durch die Patienten nicht korrekt angelegt oder nicht konsequent getragen. Zuschneidbare Sensorpatches auf Basis smarter Textilien sollen den Patienten während der Therapie zu unterstützen. Sie lassen sich zum flächigen Monitoring des Anpressdrucks von Wirbelsäulenorthesen unterschiedlicher Ausprägung nutzen. Der Arzt kann die von den Sensoren erfassten Daten auslesen und die Therapie optimieren. Der Patient erhält über einen eingebauten Aktor Informationen über den richtigen Sitz der Othese und kann gegebenenfalls Korrekturen vornehmen. Das soll den Erfolg der Therapie steigern.

Kathetersepsis verhindern

Die Solvamed GmbH aus Rostock hat mit CutSep einen neuen und patentierten Ansatz entwickelt, um Kathetersepsis zu verhindern. Das neue Verfahren zur Desinfektion des Stichkanals in der oberen Hautschicht beim Setzen von Kathetern besteht aus einem Applikator und Gel. Dadurch reinigt CutSep und schützt vor der Übertragung von Keimen auf den zentralen Venenkatheter und ähnlichen Instrumenten. Im Hinblick auf die CE-Zertifizierung wird eine klinische Studie durchgeführt und mit Hilfe entsprechender Marketingmaßnahmen die internationale Vermarktung angestrebt.

Gesundheitslotse

Mit GLOW hat die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde einen Gesundheitslotsen im Thalasso-Seebad Warnemünde entwickelt. Ziel des Projektes ist es, die gesundheitsfördernde Wirkung des Meeres und des Klimas stärker erlebbar zu machen und sie in buchbaren Paketen den Gästen des Seebades Warnemünde anzubieten. Dabei werden Service und Qualität der Angebote noch stärker in den Fokus gerückt.

Neues System gegen Krankenhausinfektionen

Das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. aus Greifswald erhält eine Auszeichnung für Sporosan, ein neuartiges Händedesinfektionsverfahren zur Bekämpfung von Krankenhausinfektionen. Das Team Nebula Labs vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e. V. hat einen neuen Wirkstoff zur Händedesinfektion entwickelt, der neben multiresistenten Keimen auch sporenbildende Keime in Sekunden abtötet. Gegen ide Keime war bislang kein zugelassenes Händedesinfektionsmittel wirksam. Die zum Patent angemeldete Desinfektionstechnologie basiert auf einer innovativen Formel. Die erzeugte Substanz ist wasserbasiert, hautfreundlich und unbedenklich für die Umwelt. Im Rahmen des Projektes wird die Formulierung des Desinfektionsmittels finalisiert und ein geeignetes Spendersystem entwickelt.

In diesem Jahr waren insgesamt 19 Projektideen in der Bewertungsrunde dabei. Bei den sechs zur Förderung vorgeschlagenen Projektideen handelt es sich insgesamt um ein Fördervolumen in Höhe von bis zu 862.000 Euro und um ein Gesamtprojektvolumen in Höhe von bis zu 1,19 Millionen Euro. 

Wichtiger Gesundheitssektor

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte der Gesundheitswirtschaft unterstütz. In den zehn Ideenwettbewerben seit 2008 wurden 58 Projektideen mit einem Gesamt-Investitionsvolumen von rund 9,8 Millionen Euro in Höhe von 7,1 Millionen Euro aus Mitteln des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) gefördert. „Für Mecklenburg-Vorpommern ist die Gesundheitswirtschaft ein bedeutender Wirtschaftszweig, der sich stetig und im Vergleich zu anderen Branchen im Bundesland stärker entwickelt. Mit rund 154.000 Erwerbstätigen arbeitet mittlerweile etwa jeder fünfte Beschäftigte im Land in dieser Branche“, so Glawe.