Erfolgreiches Datenbank-Projekt gegen Juckreiz

Frau kratzt sich am Rücken
Kampf gegen chronischen Juckreiz: Am Universitätsklinikum Münster ist eine Pruritus-Datenbank und eine mehrsprachige Patienten-App entwickelt worden. (Foto: © Voyagerix/fotolia.com)

Das Institut für Medizinische Informatik an der Uniklinik Münster hat eine Datenbank entwickelt, mit der Patientendaten weltweit vergleichbar werden. Im Rahmen eines Pilotprojekts dient sie dem Kampf gegen den noch wenig erforschten chronischen Juckreiz (Pruritus).

Chronischer Juckreiz – über Tage, über Wochen, teils über Jahre. Für Patienten ist der Pruritus oftmals zermürbend, in Deutschland ist fast jeder sechste Erwachsene betroffen. Zwar gibt es neben dem Kompetenzzentrum für chronischen Pruritus (KCP) am UKM (Universitätsklinikum Münster), das 2008 das erste seiner Art war, mittlerweile einige wenige weitere Anlaufstellen in Deutschland. Dennoch ist die Datenmenge begrenzt, in der Folge sind Diagnostik und Therapie erschwert. „Die Problematik beginnt bereits bei der Erfassung der Daten“, erklärt Zentrumsleiterin Prof. Dr. Dr. Sonja Ständer. „Wenn die Merkmale nicht einheitlich dokumentiert werden, ist keine Vergleichbarkeit gegeben, was bei einem wenig erforschten Krankheitssymptom wie dem Juckreiz Studien mit größeren Datensätzen nahezu unmöglich macht.“

Umfangreiche Datenbank

Doch mittlerweile liegen erstmals mehr als 6.500 Datensätze von betroffenen Patienten vor – mit Hilfe der Arbeit des Instituts für Medizinische Informatik der Medizinischen Fakultät Münster. „Nachdem von den Experten einheitliche Parameter für die Erfassung von Pruritus festgelegt wurden, haben wir eine mehrsprachige Patienten-App entwickelt, mit der wir Daten Standort-unabhängig nach einem festgelegten Raster erfassen“, erläutert Institutsdirektor Prof. Dr. Martin Dugas. Für Patienten bedeutet das: Im Wartezimmer erhalten sie ein Tablet und beantworten standardisierte Fragen zur Entstehung und zum Verlauf ihrer Erkrankung. Die Ergebnisse fließen direkt in eine Datenbank ein, eine händische Übertragung, wie sie oftmals bei Studien noch üblich ist, entfällt. So ist eine schnellere Verarbeitung der Daten garantiert. „Die Software wird nicht nur in Münster, sondern auch in einem weiteren Projekt eingesetzt, in dem Datensätze von dermatologischen Universitäten aus zehn Ländern gesammelt werden“, so Dugas.

Patientenversorgung weiter verbessern

Das erklärte Ziel der Münsteraner Experten ist die Etablierung des Messinstruments in Europa. „Wir schaffen damit eine wesentliche Voraussetzung für die Vergleichbarkeit von Daten über Pruritus und gewinnen durch die Analyse großer Datensätze ein tieferes Verständnis des Krankheitsverlaufs, der Häufigkeit von Ursachen und Therapieansprechen. Damit können wir den Forschungsprozess in dieser Disziplin beschleunigen und die Patientenversorgung zeitnah weiter verbessern“, sagt Ständer, die mit ihrem Team bereits in den vergangenen Jahren die Forschung in diesem Bereich deutlich ausgebaut hat. Auf die wissenschaftliche Arbeit aus Münster sind beispielsweise folgende Erkenntnisse zurückzuführen:

– Bei Männern bricht die Erkrankung im Durchschnitt später aus, als bei Frauen.

– Männer leider überwiegend an anderen, den Pruritus auslösenden Erkrankungen.

– Männer sprechen häufig auf andere Therapeutika als Frauen.

Nach dem Kompetenzzentrum für chronischen Pruritus sollen am UKM im nächsten Schritt auch weitere Bereiche von der Entwicklung der App profitieren; neben der Onkologie und Orthopädie ist eine Einführung in der Psychosomatik angedacht.