Antibakterieller Verband soll Infektionen verhindern

Krankenschwester bringt Wundverband an der Schulter eines Mannes an
Wundverband: Neuartige Beschichtung soll Bakterien abtöten (Foto: © Impact Photography/fotolia.com)

An der Universität Freiburg wird an einer antibakteriellen Beschichtung für Wundverbände und Blasenkatheter geforscht. Damit will man den häufigsten Krankenhausinfektionen in Deutschland begegnen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt „Antibug” der Chemikerin Dr. Karen Lienkamp mit 1,4 Millionen Euro über drei Jahre. Lienkamp studierte Chemie in Cambridge/England und Berlin und wurde an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz promoviert. Nach einem dreijährigen Aufenthalt an der University of Massachusetts in Amherst/USA kam sie an die Universität Freiburg, wo sie 2017 habilitiert wurde.

In dem Projekt wird Lienkamp die Wirksamkeit einer von ihr entwickelten Oberflächenschicht testen, die bei Blasenkathetern und Wundverbänden zum Einsatz kommen könnte. Diese Beschichtung soll verhindern, dass sich Keime an der Oberfläche von solchen Medizinprodukten ansiedeln. Im Anschluss plant Lienkamp eine Ausgründung des Projekts oder eine Kooperation mit Industriepartnern.

Lebensgefährliche Infektionen verhindern

Bakterien bilden auf der Oberfläche von Medizinprodukten häufig einen Verbund, einen so genannten Biofilm, der mitunter lebensgefährliche Infektionen auslöst. Befindet sich solch ein Film auf einem Blasenkatheter, kann dieser bei Patientinnen und Patienten zu Harnwegsinfektionen führen. Sie zählen zu den häufigsten Krankenhausinfektionen in Deutschland und verursachen neben dem Leiden der Patienten einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden aufgrund von Folgekosten.

Freiburger Chemikerin Lienkamp
Freiburger Chemikerin Lienkamp: Beschichtung soll verhindern, dass sich Keime an der Oberfläche von Medizinprodukten ansiedeln (Foto: Britt Schilling/FRIAS)

Bakterien abtöten

Abhilfe schaffen könnte die neuartige Beschichtung, die sich durch ein einfaches chemisches Verfahren auf unterschiedliche Oberflächen aufbringen lässt. Bei direktem Kontakt tötet sie die Bakterien ab und verhindert gleichzeitig, dass sich Proteine an der Oberfläche anlagern, die die Bildung eines Biofilms begünstigen.

Das Bundesforschungsministerium fördert Lienkamps Projekt in der Maßnahme „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+”. Ziel des Programms ist es, die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung fit zu machen für eine spätere Anwendung. Das Transfercoaching der Universität Freiburg, einer Zusammenarbeit der Freiburg Research Services und des Gründerbüros, hat die Aufnahme von „Antibug” in das Programm ermöglicht.