50 Millionen für bessere Krebsforschung

Dr. Katja Sockel vom Dresdner Uniklinikum
Dr. Katja Sockel vom Dresdner Uniklinikum erwartet sich vom „Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum“ gute Bedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. (Foto: Uniklinikum Dresden/Holger Ostermeyer)

Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt bundesweit fünf Uniklinika und medizinische Fakultäten mit insgesamt 50 Millionen Euro. Damit sollen die Krebsforschung und der Wissenschaftsstandort Deutschland erheblich gestärkt werden.

Um das insgesamt 50 Millionen Euro umfassende Förderprogramm hatten sich mehr als 30 Hochschulmedizin-Standorte in Deutschland beworben. Neben der sächsischen Landeshauptstadt Dresden erhielten auch die Uniklinika beziehungsweise medizinischen Fakultäten in Frankfurt, Hamburg, Köln/Bonn sowie Würzburg den Zuschlag. Mit den Geldern werden in Dresden Stellen für ärztliche und nichtärztliche Nachwuchswissenschaftler sowie Stellenanteile für ein Mentorenprogramm und weitere Angebote finanziert.

„Die großzügige Förderung durch die Deutsche Krebshilfe stärkt die Kompetenz der Hochschulmedizin Dresden auf dem Gebiet der patientennahen Krebsforschung und erhöht die Attraktivität des Standorts für junge, hochtalentierte Ärzte und Wissenschaftler“, sagt Professor Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. An den fünf Standorten der „Mildred-Scheel-Nachwuchszentren“ werden künftig junge ärztlich tätige Wissenschaftler dazu beitragen, die Krebsforschung in Deutschland zukunftsfähig zu halten.

„Eklatanter Mangel an jungen Wissenschaftlern“

Die Deutsche Krebshilfe will mit den Fördergeldern den Wissenschaftsstandort Deutschland erheblich stärken: „Wir haben hierzulande einen eklatanten Mangel an jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“, so Professor Anja Katrin Boßerhoff, Vorsitzende des Fachausschusses „Medizinische/ Wissenschaftliche Nachwuchsförderung“ der Deutschen Krebshilfe. „Die Hauptleidtragenden einer solchen Entwicklung werden die Patienten sein – denn eine Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung ist unter diesen Bedingungen nur schwer möglich“, so Professor Boßerhoff weiter. Die Deutsche Krebshilfe betont, dass an den geförderten Einrichtungen künftig modellhaft konkrete Lösungswege aufgezeigt und umgesetzt werden, um die Arbeitsbedingungen und Karrierechancen für junge Wissenschaftler zu verbessern. Daran ist die Erwartung der Organisation geknüpft, dass die Wissenschafts- und Gesundheitspolitik auf diese Initiative reagiert und zeitnah flächendeckend Strukturverbesserungen mit diesen Zielen ermöglicht.

‚Dresden School of Clinician Scientists‘ im Aufbau

„Der Erfolg unseres Antrags ist ein Beleg dafür, dass wir frühzeitig die Weichen zu einer gezielten Förderung des klinisch-wissenschaftlichen Nachwuchses gestellt haben. Statt jungen Ärzten lediglich im Rahmen von einjährigen Rotationsstellen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit zu geben, setzen Fakultät und Klinikum auf strukturierte, mehrjährige Programme. Hierzu wird derzeit die ‚Dresden School of Clinician Scientists‘ aufgebaut, die künftig das Dach für diese Aktivitäten bilden wird. Neben dem jetzt erfolgten Zuschlag für die Förderung der Deutschen Krebshilfe stehen uns bereits seit dem vergangenen Jahr Mittel der Else Kröner-Fresenius-Stiftung zur Verfügung, von denen insgesamt acht ärztlich tätige Wissenschaftler mindestens drei Jahre profitieren werden“, sagt Professor Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät der TU Dresden.

Forschung mit Familienleben vereinbaren

„Das ‚Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum‘ erhöht die Chancen junger Ärztinnen und Ärzte, auch in der Wissenschaft Karriere zu machen. Ein wichtiger Zeitabschnitt ist für sie das Alter zwischen Ende 20 und Mitte 30. In diese Zeit fällt nicht nur die Facharztweiterbildung, sondern auch die Familienplanung. Mit unserem jetzt von der Krebshilfe bestätigten Konzept schaffen wir bessere Bedingungen dafür, dass junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Beruf, ärztliche Weiterbildung und Forschung mit dem Familienleben vereinbaren können“, sagt Professor Martin Bornhäuser. Als Direktor der Medizinischen Klinik I und des Universitäts KrebsCentrums sowie Direktoriumsmitglied des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen hat er federführend am Antrag für das Nachwuchszentrum mitgewirkt und hat dabei seine Erfahrungen in das nun von der Krebshilfe bestätigte Konzept eingebracht, das den Titel „Personalisierte Karriereentwicklung in der Präzisionsonkologie – P2“ trägt.

Geschützte Zeit für experimentelle Arbeit

Die Ausschreibung der Deutschen Krebshilfe forderte Konzepte, um bestmögliche Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit dem Ziel zu sichern, dass sich talentierte Nachwuchswissenschaftler für eine Karriere in der Krebsforschung begeistern lassen. Die zur Verfügung stehenden Gelder dienen zum einen dazu, eine etwa 50-prozentige Freistellung von der ärztlichen Tätigkeit zu finanzieren. „Damit schaffen wir für die jungen Kollegen eine geschützte Zeit für die experimentelle Arbeit, ohne dass sie damit ihre Facharztausbildung gefährden“, erklärt Bornhäuser. Die zur Verfügung stehenden Gelder dienen zudem zur Finanzierung eines Coachingprogramms, bei dem der ärztlich-wissenschaftliche Nachwuchs durch erfahrene Kollegen gezielt bei ihrer ärztlichen und wissenschaftlichen Arbeit angeleitet wird. Das Programm ist nicht vordergründig darauf ausgelegt, den eigenen Nachwuchs der Hochschulmedizin Dresden zu halten, sondern auch Talente aus anderen Standorten national wie international für die Dresdner Krebsforschung zu gewinnen.