Vom Klemmbrett zum Tablet

Mike Finckh ist Geschäftsführer der bestehenden Concept International GmbH. (Foto: Concept International GmbH)

Wie digitale Helfer die Optimierung von Klinikprozessen unterstützen, erläutert Mike Finckh in seinem aktuellen Gastbetrag für mednic.de. Mike Finckh ist Geschäftsführer der  Concept International GmbH, einem spezialisierten IT-Distributor und Assemblierer für Hardware-Produkte, die unter anderem im Gesundheitswesen eingesetzt werden.

Gastbeitrag von Mike Finckh

Zeit ist im Klinik-Alltag angesichts des stetig steigenden Patientenaufkommens ein knappes Gut, effiziente Abläufe sind daher essentiell. Nicht erst seit Einführung der elektronischen Gesundheitsakte (eGA) halten mit weit vernetzten Krankenhausinformationssystemen innovative Digitalisierungskonzepte Einzug in die Kliniken. Das allmähliche Ende des klassischen Klemmbretts zu Gunsten von mobilen Endgeräten bei der Patientenvisite bringt nicht nur den Ärzten verbesserte Arbeitsprozesse. Es schließt auch endlich eine Informationslücke in der Kommunikation mit den Patienten.

Viele Patienten empfinden den Aufenthalt in einem Krankenhaus als Stress-Situation. Über die Abläufe im Zusammenhang mit ihrer Behandlung wissen sie in der Regel nur wenig Bescheid. Zwar werden die Patienten regelmäßig informiert, doch aus organisatorischen Gründen stets von wechselndem Personal. So fühlen sie sich schnell nicht ausreichend ernst genommen: Beispielsweise, wenn sie bei der Arztvisite neu aufgetretene Symptome äußern, die sie beunruhigen und ein anderer Kollege beim nächsten Gespräch nicht wieder darauf eingeht oder diesen Symptomen nur wenig Aufmerksamkeit schenkt. Gepaart mit dem Frust über den Aufenthalt respektive die empfundene Machtlosigkeit über ihre Situation, kann sich dies durchaus in Unmut über die Behandlung oder das Klinikpersonal wandeln. Aus organisatorischen Gründen ist wechselndes Behandlungspersonal zwar absolut gang und gäbe, und Patienten erhalten die ihren Krankheitsbildern angemessenen Untersuchungen und Therapieverfahren. Jedoch bekommen sie von den Prozessen, die im Zuge ihrer Behandlung an verschiedenen Stellen der Kliniken ablaufen, nur wenig mit. Sie erwarten einen Ansprechpartner, an dem sämtliche Prozesse zusammenlaufen. Demgegenüber stehen Kliniken, deren Organisationsstrukturen dynamisch auf ein steigendes Patientenaufkommen reagieren müssen.

Digitalen Lösungskonzepte

Diesen Anforderungen begegnet das Gesundheitswesen mit digitalen Lösungskonzepten. Die elektronische Gesundheitsakte (eGA) ist ein Zeichen dieser Entwicklung: Mit ihr werden alle den Patienten betreffenden Prozesse zusammengeführt. Sie sind dann an jeder entscheidenden Behandlungsstelle umfassend zugänglich. Moderne Krankenhausinformationssysteme entsprechen diesem Standard und werden mit umfassenden Digitalisierungskonzepten in den Klinikalltag eingebunden. Um die Verfügbarkeit umfassender Informationen im täglichen Ablauf nutzbar zu machen, gehört auch Mobilität für den Datenzugriff zu den wichtigsten Anforderungen. So bilden zunehmend mobile Endgeräte wie Tablet-PCs die Schnittstelle zwischen analogem und digitalem Gesundheitswesen. Wasserdicht, sturzfest, antimikrobisch beschichtet und ausgestattet mit Wi-Fi und Bluetooth sowie zusätzlichen, im laufenden Betrieb wechselbaren Akkus eignen sich die leichten Geräte gut für den Datenabruf und die Datenerfassung in Krankenhäusern, Praxen und Pflegeeinrichtungen. Die dadurch entstehenden Möglichkeiten zur Prozessoptimierung sind vielfältig und kommen nicht nur der Klinik, sondern auch den Patienten zugute: Die Erfassung von Behandlungsdaten wird in Echtzeit gespeichert und erleichtert das Erstellen von Berichten. Mit Spracherkennungsfunktion können Ärzte anamnetische Befunde mit dem Tablet aufnehmen, während die Software dafür sorgt, dass die Angaben in der digitalen Behandlungsakte festgehalten werden  – schriftlich und für Kollegen nachvollziehbar.

Andere intelligente Lösungen für die digitale Datenerfassung im Klinik-Alltag sind Tablet-PCs, die über kapazitive Touchscreen-Displays mit Full-HD verfügen und die Nutzung als rollbares Stationsterminal ermöglichen. Je nach Einsatzwunsch werden die Geräte auch projektspezifisch assembliert ausgeliefert. In Kombination mit einer Rollstange, wie sie für Infusionen verwendet wird und einem extra Akku-Pack wandelt sich der Tablet-PC zu einem leichten, rollbaren Stations-Terminal. Dank eines eingebauten Pufferakkus ist der Akkuaustausch auch ohne Herunterfahren des Systems möglich. Für zukunftsweisende Digitalisierungskonzepte im Gesundheitswesen gibt es optionale wie 3G/4G Kameras, RFID-Leser, 2D Barcode-Scanner oder eine Frontkamera, die Gesten, Gesichtserkennung und Spracherkennung unterstützt.

Auch das Erstellen von Operationsberichten oder Arztbriefen ist damit weniger zeitaufwändig, da aufwendiges Abtippen und die Übertragung in die Formatvorlage nicht zusätzlich erledigt werden muss. Wer lieber handschriftliche Notizen macht, kann alternativ über einen Eingabestift eine entsprechende Handschriftenerkennungssoftware für die Dokumentation nutzen. Das Entziffern von unleserlichen Notizen der Kollegen bei der Visite hat damit ein Ende. Der Krankheitsverlauf von Patienten kann einfach, unmittelbar und lückenlos dokumentiert werden, bietet Ärzten einen umfassenderen Überblick und kann in manchen Fällen Behandlungsentscheidungen erleichtern. Beispielsweise können die Pflegekräfte der Nachtschicht neu aufgetretene Beschwerden oder eine auffallende Verschlimmerung der Symptome sofort zum Zeitpunkt der Meldung aufnehmen, unter eventuellem Zeitdruck auch unter Zuhilfenahme einer Spracherkennungsfunktion. Handelt es sich um Beschwerden mit der Wundheilung, kann die Pflegekraft ein Foto erstellen. Das steht den Ärzten, zusammen mit einer kurzen Notiz der vom Patienten geäußerten Beschwerden bei der Visite am nächsten Vormittag zur Verfügung. Die Ärzte können im Gespräch darauf Bezug nehmen und n anhand des aufgenommenen Fotos bei der Untersuchung auch abschätzen, ob schwerwiegende Komplikationen mit der Wundheilung zu erkennen sind. So lassen sich frühzeitig entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten.

Das Befinden der Patienten wiederum profitiert von der umfassenden Auskunftsfähigkeit der behandelnden Ärzte und Pfleger. Nehmen sie sich die Zeit, die bisherigen Befunde gemeinsam mit dem Patienten zu besprechen und die Wahl des Therapieverfahrens zu erläutern, fühlt dieser sich ernst genommen und gewinnt an Vertrauen gegenüber der Ärzteschaft. Die Informationsdiskrepanz zwischen Ärzten und Patienten ist dadurch also besser ausgeglichen.

Verbesserungsmöglichkeiten im Qualitätsmanagement

Neben zufriedeneren Patienten hat die unmittelbare Dokumentation im Patientenzimmer auch langfristig positive Auswirkungen auf die Klinik: Mit der genauen Erfassung der Behandlungsverläufe lassen sich mit Hilfe von Big Data-Analysen Verbesserungsmöglichkeiten im Qualitätsmanagement der Klinik ziehen. Der Wandel von einem analogen zu einem digitalen Gesundheitswesen ist in vollem Gange. Nicht zuletzt die demographische Entwicklung sowie zunehmende und sich verändernde Versorgungsbedarfe stellen die Kliniken vor große Herausforderungen. Sie haben ganz spezifische Anforderungen an ihre eingesetzte Hardware. Die Lösungen sind da und das Tablet steht bereit, um das Klemmbrett im Gesundheitswesen abzulösen.