Smarte Systeme für Demenzkranke

 Dr. Michel Findeisen von der Professur Digital- und Schaltungstechnik der TU zeigt Staatssekretärin Andrea Fischer die mit einem Sensor-System ausgestattete Laborwohnung an der TU Chemnitz (Foto: Mario Steinebach).

Elektrotechniker der TU Chemnitz wollen jetzt ein im Labor entwickeltes Smart-Sensor-Netzwerk, das die Pflege von Menschen mit Demenz unterstützen soll, in praxistaugliche Assistenzsysteme überführen.

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Alzheimer´s Disease International zufolge sind weltweit derzeit mehr als 44 Millionen Menschen von einer demenziellen Erkrankung betroffen, Tendenz steigend. Da mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit steigt, an Demenz zu erkranken, wird auch in Deutschland eine Erhöhung der Betroffenenzahlen erwartet. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht davon aus, dass sich die Zahl der Menschen mit Demenz bis zum Jahr 2050 auf etwa drei Millionen erhöhen wird.

Damit demente Menschen möglichst lange in den eigenen vier Wänden gepflegt werden können, ohne sich selbst und andere zu gefährden, startete jetzt an der Technischen Universität Chemnitz das Forschungsprojekt „AUXILIA – Nutzerzentriertes Assistenz- und Sicherheitssystem zur Unterstützung von Menschen mit Demenz auf Basis intelligenter Verhaltensanalyse“. An der Professur Digital- und Schaltungstechnik der TU werden nun unter Leitung von Prof. Dr. Gangolf Hirtz Lösungen entwickelt, die demenzkranken Menschen ein längeres, selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause ermöglichen sollen.

Ziel des Projekts ist es, die bisher meist nur unter Laborbedingungen entwickelten technischen Ansätze zur Unterstützung demenzkranker zu einem robusten und alltagstauglichen Assistenzsystem weiterzuentwickeln. Dieses Assistenzsystem soll unter anderem über einen interaktiven Erinnerungs- und Mobilitätsassistent und die Integration einer zuverlässigen Erkennung von Notsituationen und die direkte Alarmierung im Gefahrenfall  verfügen. Auch die bedarfsgerechte Informationsbereitstellung für pflegende Angehörige – zum Beispiel über Internet und Smartphone sowie die Bereitstellung von Informationen in Risikosituationen und zum allgemeinen Zustand des Gepflegten soll das System bereitstellen. Nicht zuletzt soll das System Informationen für professionell Pflegende zur Verfügung stellen und über eine automatische Datenerfassung für das Pflegeprotokoll verfügen. „Zentrales Element des geplanten Systems ist ein intelligenter kontaktloser Sensor zur automatisierten Verhaltensanalyse von Personen“, sagt Hirtz. Die Chemnitzer Forscher profitieren bei ihrer Arbeit von den Ergebnissen des vorangegangenen Projektes „OPDEMIVA“. Zudem stehen ihnen kompetente Partner zu Seite. Dazu zählen das Klinikum Chemnitz, die Heim gGmbH sowie die Professur Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement der TU.

Praxistauglichkeitstest im Pflege- und Wohnumfeld

Das Projekt wird vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und Landesmitteln in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro gefördert. Der Förderbescheid wurde bereits von Staatssekretärin Andrea Fischer an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik übergeben.

„Für eine sinnvolle Interaktion von Mensch und Technik sind derartige Systeme wichtig“, so Prof. Dr. Andreas Schubert, Kommissarischer Rektor der TU Chemnitz. Er hebt hervor, dass Technik nicht zum Selbstzweck entwickelt werden darf. Das ist auch Prof. Hirtz wichtig: “Der demente Mensch soll nicht allein mit der Technik leben, sondern die Technik soll ihn unterstützen, noch möglichst lang ein Leben in seinem gewohnten häuslichen Umfeld und unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes zu führen.“ Der Wissenschaftler hofft, dass das künftige Assistenz- und Sicherheitssystem nach einem erfolgreichen Test im Pflege- und Wohnumfeld zu einem potenziellen Helfer für möglichst viele Betroffene werden wird.