Personalisierte Medizin für Schlaganfallpatienten

Im Rahmen eines jetzt gestarteten EU-Verbundprojekts soll die Betreuung von Schlaganfallpatienten optimiert werden. (Foto: Zerbor - Fotolia.com)

Die Prävention und Therapie bei Schlaganfällen zu verbessern und die Lebensqualität von Schlaganfallpatienten will das EU-Projekt PRECISE4Q. Es ist jetzt unter der Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin gestartet ist. Mithilfe von computergestützten Vorhersagemodellen soll eine personalisierte, optimierte medizinische Betreuung ermöglicht werden. Koordiniert wird das EU-Verbundprojekt von Dr. Dietmar Frey von der Klinik für Neurochirurgie der Charité.

Im Rahmen des Projektes werden europaweit große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen gesammelt und in selbstlernende Computermodelle integriert. Diese Vorhersagemodelle sollen personalisierte Präventions- und Therapiestrategien für Patienten ermöglichen. Die Modelle und die sich daraus ergebenden Empfehlungen sollen an den Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichtet werden. Dabei geht es nicht nur um die Akutbehandlung des Schlaganfalls. Auch die Phasen Prävention, Rehabilitation und Reintegration werden mit einbezogen. Personalisierte Bewältigungsstrategien sollen ebenso berücksichtigt werden wie die Unterstützung des subjektiven Wohlbefindens und die Reintegration in das soziale Leben.

KI-basierte Vorhersagemodelle

Die verwendeten Informationen stammen aus unterschiedlichen Quellen. Neben klinischen, physiologischen, genetischen und biochemischen Daten wird auch die medizinische Bildgebung herangezogen. Um strukturierte Datensätze für die Analyse zu erhalten, werden Daten gesammelt und standardisiert. Das Material soll zum Design, Training und Test für Modelle genutzt werden. Dabei kommt künstlichen Intelligenz (KI) und hier insbesondere das maschinelle Lernen zum Einsatz.  Die Vorhersagekraft der Modelle und Simulationen wollen die Forscher durch den Vergleich mit Daten von Gesunden und Patienten in retrospektiven und prospektiven Studien überprüfen.

Die so generierten Vorhersagemodelle sollen in eine umfassende digitale Informationsplattform integriert werden, die so genannte „Digital Stroke Patient Platform“. Sie soll als ein Unterstützungssystem für klinische Entscheidungen bereitgestellt werden. Ein weiteres Ziel ist die Einrichtung einer europäischen Modellplattform für Schlaganfallforschung, „EUROPE-Stroke“. Dabei handelt sich um eine offene Forschungsplattform für Datenaggregation, -integration, -analyse und für reproduzierbare Publikationen, die zur Förderung der Wissenschaft im Sinne von Open Science beitragen soll.

Schlaganfallpatienten im Fokus

„Mit PRECISE4Q werden wir einen entscheidenden Impuls zur personalisierten, zielgerichteten und verantwortungsvollen Nutzung von digitalen Daten für die Medizin geben“, sagt Dietmar Frey, und ergänzt: „Unsere interdisziplinäre Arbeitsgruppe an der Charitékoordiniert dieses innovative und bahnbrechende europäische Verbundprojekt und ist direkt involviert in die Erstellung der Vorhersagemodelle sowie in die Validierung der Ergebnisse durch Studien.“ PRECISE4Q werde klinisch messbare und nachhaltige Auswirkungen haben und zu einem besseren Verständnis von Risiko- und Gesundheitsfaktoren, sowie der individuellen Widerstandsfähigkeit von Schlaganfallpatienten führen. „Wir wollen in Zukunft während aller Krankheitsphasen des Schlaganfalls eine präzise personalisierte Therapiestrategie anbieten, die die Lebensqualität des individuellen Menschen, dessen Rechte und Autonomie im Fokus haben“, so Frey. Das EU-Verbundprojekt PRECISE4Q wird über das europäische Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon 2020“ finanziert.