Neuer Chip für präzise Augeninnendruck-Messung

Um das Fortschreiten des Grünen Stars aufzuhalten, kommen meistens Augentropfen zum Einsatz. (Foto: jovanmandic/123rf.com)

Ein neuer Chip soll künftig die Therapie des Grünen Stars verbessern. Ins Auge implantiert, liefert dieser Chip rund um die Uhr präzise Messdaten des Augeninnendrucks, der die Grundlage der Behandlung mit medikamentösen Augentropfen bildet.

Im Rahmen der DOG 2021 stellt DOG-Präsident Professor Dr. med. Hagen Thieme diese und weitere Innovationen vor. Der Kongress der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft findet in diesem Jahr online vom 30. September bis 3. Oktober 2021 statt. Bei dem neuartigen Chip handelt es sich um einen wenige Millimeter großer Messsensor getestet, der in einen Silikonring eingearbeitet ist und bei einer Operation des Grauen Stars mit der neuen Kunstlinse implantiert werden kann. Er wurde bereits im Rahmen einer Studie getestet.

Kontaktlose Augeninnendruck-Messung

Der Chip verbleibt dauerhaft im Auge und ermöglicht eine berührungslose Messung des Augeninnendrucks. Dafür müssen die Patientinnen und Patienten lediglich ein Messgerät vor das Auge halten. Es ruft die Werte ab und speichert sie und versorgt nebenbei den Chip mit Strom. Die Werte lassen sich telemedizinisch an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte übermitteln.

Studie mit guten Ergebnissen

„Der Chip lässt sich gut implantieren, wird gut vertragen und generiert eine Fülle an Messdaten, die jenseits unserer Vorstellungskraft gewesen ist“, sagt Studienleiter Thieme. Bei keinem der 22 Studienteilnehmenden waren Komplikationen zu beobachten, kein Chip musste entfernt werden. „Die Studie zeigte auch, dass dieses intensive Augeninnendruck-Monitoring in einigen Fällen zu einer Korrektur der medizinischen Tropfentherapie führte“, so Thieme. Er sieht in dem Sensor eine Option für Patienten und Patientinnen, die sich mit Messungen schwertun und ohnehin vor einer Katarakt-Operation stehen. „Der Chip ist ein Beispiel für die Entwicklung digitaler Anwendungen in der Augenheilkunde, die in Zukunft noch rasend Fahrt aufnehmen wird“, resümiert der DOG-Präsident.

Neue minimal-invasive Methoden

Darüber hinaus stellen die Experten im Rahmen des Kongresses minimal-invasive Methoden vor. Sie sollen die Behandlung zukünftig deutlich verbessern und das Leben von Patientinnen und Patienten erleichtern, die am primären Offenwinkelglaukom leiden.

Das primäre Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form des Grünen Stars. Dabei sterben die Nervenfasern der Sehnerven langsam ab. Im schlimmsten Fall führt das zur Erblindung. Ein wichtiger Faktor bei diesem Prozess ist der Augeninnendruck, der durch den Abfluss des Augenkammerwassers im sogenannten Trabekelwerk des Auges reguliert wird. Ist der Abfluss dort gestört, erhöht sich der Augeninnendruck und fördert so die Nervenschädigung. Etwa eine Million Menschen leiden hierzulande an der Erkrankung, jedes Jahr verlieren 1.000 Deutsche aufgrund eines Glaukoms ihr Augenlicht.

Um das Fortschreiten des Augenleidens aufzuhalten, werden meistens Augentropfen eingesetzt. Helfen sie nicht, ist eine Operation erforderlich. „Dafür steht uns seit 50 Jahren die Trabekulektomie zur Verfügung“, so DOG-Präsident Thieme. Mit der Standard-Operation werden Strukturen am Auge so umgestaltet, dass ein künstlicher Abfluss für überschüssiges Kammerwasser entsteht. „Mit der Trabekulektomie können wir eine starke Drucksenkung erreichen“, erläutert der Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Magdeburg. „Zu den Nachteilen zählen Komplikationen wie Blutungen, Sehverschlechterung und Vernarbung.“

Patientenindividuelle Glaukomchirurgie

Die neuen minimal-invasiven Methoden mit Mini-Implantaten sollen den Eingriff zukünftig vereinfachen. Diesem Zweck dienen haardünne Röhrchen, die Glaukomchirurginnen und -chirurgen mithilfe eines Mikroskops durch einen kleinen Schnitt in die Abflusskanäle des Kammerwassersystems einsetzen, um das gestaute Wasser aus dem Auge herauszuleiten. Evaluationen der neuen Verfahren laufen derzeit weltweit. „Länge und Durchmesser der Röhrchen, aber auch der Implantationsort sind noch Gegenstand von Diskussionen“, berichtet Thieme. Bereits jetzt sei jedoch schon absehbar, dass die Augenheilkunde in Zukunft eine patientenindividuelle Glaukomchirurgie mit mehreren Eingriffsmethoden anbieten werde.