Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung

Bei einer konventionellen Blutzuckermessung wird Blut aus einer Kapillare entnommen, meist aus dem Finger. (Foto: Dr. Nicole Lindner/ Philipps Universität Marburg)

Geräte zur minimalinvasiven oder nichtinvasiven Überwachung des Blutzuckerspiegels sind zu ungenau, um in der alltäglichen Routine eine Unterzuckerung zu erkennen, warnen jetzt Forschende. Die Wissenschaftler um die Marburger Medizinerin Dr. Nicole Lindner hat 15 Studien verglichen, die solche Warnsysteme untersuchen. 

Das Gebiet der kontinuierlichen Blutzuckerüberwachung entwickelt sich schnell weiter: Die Industrie stellt regelmäßig Geräte mit neuen Techniken vor. „Diese Geräte werden zunehmend von Menschen mit Diabetes verwendet“, sagt Lindners Koautor Dr. Tim Holt von der Universität Oxford. „Sie sind nützlich, um Betroffenen ein ungefähres Bild ihres Blutzuckers und von dessen Veränderlichkeit zu geben“, so der Mediziner. Man könne sich jedoch nicht darauf verlassen, dass sie eine Unterzuckerung zuverlässig erkennen.

„Die Hersteller sind sich dieser Einschränkung bewusst, daher empfehlen sie den Anwendern, im Verdachtsfall den Glukosespiegel direkt im Blut nachzuprüfen“, ergänzt Lindner. Doch bisher gebe es keine systematische Analyse, die quantitativ nachweist, wie gut oder schlecht handelsübliche Geräte eine Unterzuckerung anzeigen.

Messgenauigkeit unterliegt erheblichen Schwankungen

Die aktuelle Metastudie soll diese Lücke schließen. Die Forschenden berücksichtigen hierin 15 Studien, die Daten von insgesamt 733 Patientinnen und Patienten umfassen. Die Übersicht zeigt, dass nichtinvasive und minimalinvasive Blutzuckermessgeräte eine Empfindlichkeit für niedrige Blutzuckerwerte von lediglich 69 Prozent besitzen. Die Messgenauigkeit unterliegt dabei erheblichen Schwankungen: In den einzelnen Studien liegt die Sensitivität zwischen 33 und 91 Prozent.

„Das Ergebnis ist schlechter, als viele erwartet hätten“, fasst Lindner zusammen. Die Analyse erbrachte auch noch ein weiteres wichtiges Resultat: Demnach gibt es keinen Beweis dafür, dass Geräte neuerer Generation eine Unterzuckerung mit größerer Genauigkeit erkennen als die älteren Hilfsmittel.

Gefahr für Betroffene

„Unsere Analyse zeigt deutlich, welche Gefahr es mit sich bringt, wenn sich Betroffene auf minimalinvasive Geräte verlassen und deswegen Unterzuckerungen übersehen – mit allen Komplikationen, die sich daraus ergeben“, betont Lindner. Die Ergebnisse der Studie hat das deutsch-englische Team im Fachblatt „Systematic Reviews Journal“ veröffentlicht. Die Autoren rechnen damit, dass ihre Ergebnisse Auswirkungen auf die Diabetesversorgung haben werden.

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