Mediziner mit negativen Zukunftserwartungen

Konrad Obermann
Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit Professor Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann: „Wirtschaftliche Zuversicht unterschreitet das bisherige Minimum“ (Foto: Fotografie Barbara Hötzel/ Stiftung Gesundheit)

Laut dem von der Stiftung Gesundheit seit 15 Jahren erhobenen Medizinklimaindex (MKI) ist die wirtschaftliche Stimmung sowohl bei Ärzten in der ambulanten Versorgung wie auch bei Apothekern im 3. Quartal 2022 drastisch eingebrochen. 

„Die Trias aus weiter anhaltenden und nicht kohärenten Corona-Regularien, die Energiekrise mit massiven Preissteigerungen sowie der politisch gewollte Wegfall der erfolgreichen Neupatientenregelung bei Ärztinnen und Ärzten spiegeln sich in einem regelrechten Absturz des Medizinklimas in allen ambulanten Heilberufen“, berichtet Professor Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit. „Das zeigt eindeutig und erschreckend: Die ambulante Versorgung – das Rückgrat einer patientennahen, kostengünstigen und erfolgreichen Versorgung – ist in akuter Gefahr!“

Alarmstimmung 

Am stärksten sank das Medizinklima der ÄrztInnen, das um 22,9 Punkte auf einen Wert von -33,1 zurückging. Damit erreicht die wirtschaftliche Zuversicht der ÄrztInnen einen neuen Tiefstand: „Sie unterschreitet sogar das bisherige Minimum vom Mai 2020, das durch die erste Welle der Covid-Pandemie verursacht wurde“, so Professor Obermann. Drastisch ist auch die Lage der ApothekerInnen: Bei ihnen sank das Medizinklima um 22,1 Punkte auf einen Wert von -54,4 und weist damit den niedrigsten Wert aller befragten Gruppen in der ambulanten Versorgung auf. Im Vergleich dazu mussten die nichtärztlichen HeilberuflerInnen nur einen moderaten Rückgang des Medizinklimas um 11,1 Punkte in Kauf nehmen. Damit ergibt sich bei ihnen ein Medizinklima von -16,0.

Zukunftserwartungen stark zurückgegangen

Ausschlaggebend für die schlechte Entwicklung des Medizinklimas ist in den meisten Fällen nicht die aktuelle wirtschaftliche Lage: „Die Zukunftserwartungen in der ambulanten Versorgung sind erneut stark zurückgegangen und liegen mittlerweile in vielen Gruppen auf hochkritischem Niveau“, analysiert Professor Obermann. Am größten sind die Sorgen bei den ApothekerInnen: 83,3 Prozent von ihnen rechnen mit einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. Auch bei HausärztInnen, FachärztInnnen, ZahnärztInnen und ErgotherapeutInnen erwarten dies mehr als zwei Drittel der Befragten.

Vergleichsweise optimistisch zeigen sich aktuell nur die HeilpraktikerInnen, bei denen lediglich 28,0 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Sie sind zudem die einzige Gruppe, in denen ein zweitstelliger Anteil der Befragten mit einer positiven Entwicklung ihrer Lage rechnet (17,3 Prozent). In allen anderen Gruppen glaubt nur ein Bruchteil der Befragten an eine Verbesserung (max. 5,4 Prozent).

Die Stiftung Gesundheit erhebt den Medizinklimaindex (MKI) seit mehr als 15 Jahren. Der Indikator für die wirtschaftliche Stimmung und Zuversicht in der ambulanten Versorgung gibt differenziert Auskunft darüber, wie die niedergelassenen ÄrztInnen, ApothekerInnen und HeilberuflerInnen in Deutschland ihre aktuelle wirtschaftliche Lage einschätzen und welche Entwicklung sie in den kommenden sechs Monaten erwarten. Der MKI wird analog zum Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft des ifo Instituts erhoben. An der aktuellen Befragung im 3. Quartal 2022 nahmen 1.468 LeistungserbringerInnen teil.

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