Digitalisierungs-Wüste Krankenhaus

Die Digitalisierung ist in vielen Krankenhäusern in Deutschland noch nicht weit fortgeschritten. (Foto: upixa - Fotolia.com)

In deutschen Krankenhäusern gibt es in Bezug auf die Digitalisierung noch viel zu tun. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage. Demnach ist das Gesundheitswesen immer noch eine Digitalisierungs-Wüste.

Für die Umfrage wurde der digitale Reifegrad der deutschen Krankenhaus-IT-Landschaft bei rund 100 Teilnehmern conhIT für den „Trendreport Krankenhaus“ abgefragt. Durchgeführt wurde die Umfrage von der i-Soutions  zusammen mit kma. Insgesamt wurden 108 Krankenhausmitarbeiter aus IT, Verwaltung und Medizin befragt.  Zwar gibt es in den administrativen Kernbereichen im Krankenhaus, Finanzen und IT, mit 63 beziehungsweise 57 Prozent einen vergleichsweise hohen digitalen Reifegrad. Dringend benötigte digitale patientenorientierte Prozesse nutzt jedoch weniger als ein Drittel der Umfrageteilnehmer (30 Prozent). Der Digitalisierungs-Grad ist dabei weitgehend unabhängig von Trägerschaft oder Bettengröße. Krankenhäuser der Grundversorgung können bei der Digitalisierung mit Maximalversorgern und Universitätskliniken nicht mithalten. Die Universitätskliniken liegen in allen Dimensionen generell über dem Durchschnitt.

Digitale Services für Patienten selten

Services wie Online-Terminbuchung, Patientenaufnahme per Online-Check-In oder digitale Patientenaufklärung bislang kaum angeboten. Selbst die digitale Einbindung von Zuweisern liegt mit einem guten Drittel auf den hinteren Plätzen. Lediglich die digitale Befundübermittlung hat sich bei über 62 Prozent der Befragten durchgesetzt. Ebenfalls auffällig: Noch nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer kann einen patientenzentrierten Internetauftritt vorweisen.

Administration und Finanzen bereits digital

Rund 70 Prozent der Befragten nutzen bereits digitale Kostenträgerrechnung, Controlling- und Business Intelligence-Werkzeuge. Obwohl alle Häuser mit einer stetig steigenden Anzahl an MDK-Anfragen zu kämpfen haben, werden sie lediglich von 62 Prozent der Häuser digital abgebildet. Einen digitalen Rechnungseingangsworkflow nutzt rund die Hälfte der Befragten.

„Leider sind immer noch finanzwirtschaftliche Applikationen prägend für das deutsche Krankenhaus. Dabei dürften Investitionen in die Felder „Prozessunterstützung“ und „Patientenservices“ mittel- und langfristig erfolgversprechender sein“, sagt Prof. Dr. Roland Trill, Krankenhausmanagement & eHealth, Hochschule Flensburg. „Dass immerhin 69 Prozent der Befragten angeben, eine IT-Strategie zu haben, kann als Hoffnungsschimmer angesehen werden, wenn auch allein diese Aussage noch keinen Rückschluss auf die Qualität zulässt. Summa summarum steht zu befürchten, dass der Abstand zu den Krankenhäusern in anderen europäischen Ländern eher größer geworden ist – eine Schlussfolgerung, die traurig stimmt“, kommentiert der Experte.

Digitales Mitarbeitermanagement unzureichend

Bewerbersuche und Bewerberprozess werden trotz anhaltendem Fachkräftemangel kaum digital unterstützt. Personalakten oder auch das Skill-Management der Angestellten wickeln gerade einmal 40 Prozent der Teilnehmer digital ab. Anträge und Genehmigungen werden bei drei Viertel der Teilnehmer noch papierbasiert ausgeführt. Lediglich die Personaleinsatzplanung ist bei über 85 Prozent bereits digitalisiert.

Auch bei der digitalen Leistungsdokumentation klaffen Lücken. Abteilungs- beziehungsweise organisationsübergreifende Workflows zur digitalen Unterstützung von Arbeitsabläufen gibt es nur bei 61 Prozent der Befragten. Lediglich 17 Prozent der Teilnehmer setzen Systeme zur digitalen Entscheidungsunterstützung ein. Die elektronische Patientenakte hat sich bei 65 Prozent der Befragten durchgesetzt. Das Medikationsmanagement inklusive Medikationsplan verwenden nur 42 Prozent der Häuser.

Rund 69 Prozent geben an, mittels langfristiger IT-Strategie zu planen. Cloud-Dienste werden zwar selten, aber immerhin bereits bei fast 20 Prozent der Befragten eingesetzt. Die Nutzung mobiler Endgeräte hat sich bei 75 Prozent der Teilnehmer etabliert, während flächendeckendes WLAN bei rund 54 Prozent der Häuser zu finden ist. Nach Ansicht von Horst Martin Dreyer, Operativer Geschäftsführer der i-SOLUTIONS Health GmbH, bietet die

deutsche Krankenhaus-IT-Landschaft noch viel Raum für Verbesserungen in Sachen Digitalisierung: „Insbesondere die Einbeziehung von Patienten und Behandlungspartnern in den digitalen Workflow steckt in den Kinderschuhen“, so Dreyer.  Die Krankenhaus-Website als Portal zur Außenwelt sei meist entkoppelt und nach wie vor die Domäne der Marketing- und Pressestelle; einen Login-Button für personalisierte Informationen suchten Patienten oder Zuweiser in der Regel vergebens. Dreyer: „Es bleibt also viel zu tun für die deutschen Krankenhäuser, und das bei steigendem Kostendruck.“