Digitales Tool identifiziert potenzielle Organspenden

Dr. Anne Trabitzsch ist Transplantationsbeauftragte am Universitätsklinikum Dresden. (Foto: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden)

Das digitale Tool DETECT hilft Ärzteteams dabei, potenzielle Organspenden frühzeitig zu identifizieren. Entwickelt wurde es am Universitätsklinikum Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das jetzt für sein besonderes Engagement im Organspendeprozess ausgezeichnet worden ist. 

Das Tool unterstützt ärztliche Teams dabei, einen möglicherweise bevorstehenden irreversiblen Hirnfunktionsausfall frühzeitig zu erkennen. Dazu nutzt es anhand kontinuierlich erfasste und in der elektronischen Patientenakte dokumentierte Vitaldaten der PatientInnen auf der Intensivstation. 

44 Prozent der Menschen in Deutschland haben laut aktueller Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ihre Entscheidung zur Organspende in einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung dokumentiert. Unter Patientinnen und Patienten im Krankenhaus liegt die Zahl bei lediglich 17 Prozent. Nur wenn ein Patient oder eine Patientin einen nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellten irreversiblen Hirnfunktionsausfall erleidet und vorher seine Bereitschaft zur Organspende erklärt hat oder die Angehörigen einer Organentnahme zustimmen, können ihm nach dem Versterben Organe entnommen werden. In der Krankenhauspraxis und dem angespannten Klinikalltag auf den Intensivstationen ist es für die behandelnden MedizinerInnen jedoch häufig schwierig, diese wenigen relevanten Fälle zu erkennen und als potenzielle Organspenderinnen und -spender zu identifizieren. Gerade in kleineren Krankenhäusern fehlt zum Teil auch die Routine beim Beurteilen der Fälle.

Wertvoller Zeitgewinn

Mit DETECT gelingt nun ein prospektives Screening, das die IntensivmedizinerInnen unterstützt. Ziel ist es, alle Fälle zu identifizieren, bei denen möglicherweise der Hirntod droht, sodass eine Organspende in Betracht gezogen wird. Dabei greift das Tool auf die Daten in der elektronischen Patientenakte zu. Das bedeutet nicht automatisch, dass damit ein Spender oder eine Spenderin identifiziert ist. „Wir haben ein unterstützendes, digitales Hilfsmittel für die Transplantationsbeauftragten der Kliniken geschaffen, welches anhand definierter Parameter die relevanten PatientInnen, die potenziell den Hirntod erleiden könnten, in den Fokus setzt, um strukturierte Abläufe zu aktivieren“, erklärt Dr. Anne Trabitzsch, Transplantationsbeauftragte am Universitätsklinikum Dresden. „Die Ärztinnen und Ärzte gewinnen an Zeit, um die Frage des Organspendewunsches der Patientin oder des Patienten, der möglicherweise nicht schriftlich fixiert wurde, mit den Angehörigen zu besprechen und diese gegebenenfalls bei der Entscheidungsfindung im Sinne des Patienten zu begleiten und zu unterstützen.“ 

Erfolgreicher Einsatz

Bereits seit Frühjahr 2018 ist DETECT am Universitätsklinikum im Einsatz. Mit Erfolg: Mit großer Kontinuität werden dort relevante Fälle zuverlässig erfasst. 2021 wurden am Universitätsklinikum Dresden 36 (2020: 41) PatientInnen identifiziert, bei denen die Einleitung der Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls (IHA) indiziert war. Dadurch konnten in den Fällen, in denen der IHA festgestellt wurde, eine Einwilligung zur Organspende vorlag und keine medizinischen Gründe gegen eine Organspende sprachen, im Jahr 2021 15 Organspenden realisiert werden (2020: 19). Insgesamt 58 Organe konnten 2021 für die Transplantation zur Verfügung gestellt werden (2020: 77) Mit einer Organspende in Deutschland kann im Durchschnitt drei Menschen auf der Warteliste mit einer Transplantation geholfen werden. Bis Anfang Juni 2022 wurden am Uniklinikum Dresden bisher sieben Organspender registriert.

Nun soll das Tool DETECT auch an anderen Kliniken zum Einsatz kommen und die Transplantationsbeauftragten dort unterstützen.

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