Digitales Hör-Screening für Büromitarbeiter

Tablet-PC mit Hör-Screening Audimatch
Hören 2.0: Philips und Krankenkasse TK führen Hör-Screening Audimatch von Sonormed ein (Foto: obs/ © Sonormed)

Wer schlecht hört, ist nicht nur privat, sondern auch bei der Arbeit beeinträchtigt. Den Mitarbeitern des Philips-Konzerns am Standort Hamburg steht hierfür künftig mit einem digitalen Hör-Screening ein bisher einmaliges Vorsorgeangebot zur Verfügung.

Längst gelten für lärmbelastete Arbeitsplätze strenge Vorschriften. Regelmäßige arbeitsmedizinische Tests sind vorgeschrieben, um Mitarbeiter und ihr Gehör zu schützen. Doch auch die zunehmenden Kommunikationsanforderungen im normalen Büroalltag setzen gutes Hörvermögen voraus. Mit dem demografischen Wandel stehen Unternehmen hier künftig vermehrt vor Herausforderungen. Experten schätzen die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten durch unversorgte Schwerhörigkeit in der Europäischen Union auf ca. 168 Milliarden Euro, allein in Deutschland sind es über 30 Milliarden Euro. Die Früherkennung von etwaigen Einschränkungen bei Arbeitnehmern in diesem Umfeld rückt deshalb zunehmend in den Fokus der betrieblichen Gesundheitsvorsorge.

Hörfähigkeit schnell und anonym prüfen

Als Vorreiter bringen sich dabei der Konzern Philips und die Techniker Krankenkasse mit Audimatch, einem digitalen Hör-Screening des Hamburger Medizintechnologieanbieters Sonormed, in Stellung: Wie bereits mit einem Letter of Intent im September 2017 vereinbart, steht den Philips-Mitarbeitern künftig am Standort Hamburg ein bisher einmaliges Vorsorgeangebot zur Verfügung. Über festinstallierte Tablets, auf denen Audimatch als App läuft, können sie ohne fremde Hilfe in weniger als zehn Minuten ihre Hörfähigkeit auf die Probe stellen. Audimatch liefert als vorkalibrierte Einheit mit speziellen Audiometrie-Kopfhörern verlässliche Angaben zur prozentualen Hörfähigkeit und ist als Medizinprodukt zertifiziert. Die Testergebnisse bleiben anonym. Sie werden nur auf Wunsch gespeichert und bleiben auch dann für den Arbeitgeber unzugänglich. Ist das Hörvermögen der Testperson gut, erfolgt der entsprechende Hinweis und ein Angebot für weiterführende Informationen rund um Hörgesundheit, Vorbeugung und Schutz. Zeigt das Hörvermögen der Testperson auffällige Abweichungen, erfolgt die Empfehlung zur ärztlichen Kontrolle im Rahmen der kassenärztlichen Regelversorgung. Diese ist ebenso wie die Nutzung von Audimatch freiwillig.

Mehr Handlungsspielraum durch Präventionsgesetz

Der stellvertretende TK-Vorstandsvorsitzende Thomas Ballast ist von dem Präventionsangebot begeistert: „Mit dem digitalen Hör-Screening können Mitarbeiter sehr einfach ihr prozentuales Hörvermögen bestimmen und bei Auffälligkeiten bereits in einem frühen Stadium gegensteuern.“ Bei Philips steht den Mitarbeitern der Betriebsarzt direkt als Ansprechpartner zur Verfügung und berät nach dem Hör-Screening auf Wunsch zum Ergebnis.

Möglich wird dies durch einen Versorgungsvertrag nach Paragraph 132 f des neuen GKV-Präventionsgesetzes. Das Gesetz trat 2016 in Kraft und erlaubt den Krankenkassen, Verträge mit Betriebsärzten über die Durchführung von Gesundheitsuntersuchungen zu schließen. Die Techniker Krankenkasse ist die erste Kasse, die nun mit Philips einen entsprechenden Vertrag realisiert und dafür auf die etablierte Systemtechnologie von Sonormed setzt.

„Wir nutzen nun gemeinsam mit den Betriebsärzten erstmalig den neuen Handlungsspielraum, den uns das Präventionsgesetz ermöglicht hat. Ziel ist es, sowohl unsere Versicherten als auch ihre Arbeitgeber in der Gesunderhaltung und der Versorgung zu unterstützen“, erklärt Dr. Sabine Voermans, Leiterin Gesundheitsmanagement der Techniker Krankenkasse. Die TK, die bundesweit rund 800.000 Firmenkunden betreut, und Sonormed arbeiten bereits bei Tinnitracks, dem ersten digitalen Versorgungsangebot für chronische Tinnitus-Patienten, zusammen. Mit Audimatch bauen sie nun ihre Zusammenarbeit im Bereich Hörgesundheit aus. Audimatch steht allen interessierten Krankenkassen offen.

Bei der Entwicklung von Audimatch konnte Sonormed auf ein etabliertes Partnernetzwerk zurückgreifen. Neben der klinischen Prüfung durch das UKE Hamburg war der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. beratend tätig. Die auf Audimatch abgestimmten Audiometriekopfhörer entwickelte Sennheiser. Die Stadt Hamburg unterstützte das Projekt finanziell.