Bessere Blutzuckereinstellung mit „Closed Loop“

Für Diabetespatienten sind die mehrmals täglich notwendigen Blutzuckermessungen mit hohem Aufwand verbunden. (Foto: Kwangmoo - Fotolia.com)

Digitale Technologien können das Leben von Diabetes-Patienten erleichtern. Viele Betroffene nutzen mittlerweile in ihrem Alltag digitale Unterstützung, wie etwa spezielle Diabetes-Apps sowie Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung. Noch in diesem Jahr soll in Europa das erste „Hybrid Closed Loop“-System verfügbar sein. Es steuert Blutzuckermessungen und notwendige Insulingaben weitestgehend automatisch.

Für Diabetespatienten sind die mehrmals täglich notwendigen Blutzuckermessungen und die daran angepassten Insulingaben mit hohem Aufwand verbunden. Um ihren Stoffwechsel besser einzustellen, nutzen viele Patienten Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung. „Der Blutzucker wird regelmäßig automatisch gemessen und die Patienten können daraufhin die richtige Insulindosis über die Insulinpumpe abgeben“, sagt Dr. med. Matthias Kaltheuner, Vorstandsmitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Diese Technologien erleichtern den Alltag der Patienten“, so der niedergelassene Diabetologe. Die Glukose-Sensortechnik ermöglicht einen zeitlich viel präziseren Einblick in die Stoffwechsellage und mögliche Einflüsse durch Essensaufnahme, Bewegung, sich verändernde Stimmungen sowie andere Krankheiten.

„Closed Loop“-Systeme für mehr Flexibilität

Durch die Verwendung eines „Closed Loop“-Systems, das es ab Herbst in ausgewählten EU-Ländern geben soll, können Diabetespatienten mehr Unabhängigkeit sowie Flexibilität in der Therapie gewinnen. Das System vernetzt die Insulinpumpe mit dem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung im Unterhautfettgewebe, einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors sowie einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt (hybrides System). „Das Zusammenwirken aller Technologien ermöglicht eine automatisierte Insulinabgabe. Den Patienten bleibt damit die Berechnung der benötigten Insulindosis erspart“, so Professor Dr. med. Jens Aberle, Leiter der Sektion Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Außerdem wird die Stoffwechsellage der Patienten verbessert und die Gefahr von Über- und Unterzuckerungen vermindert“, so der Tagungspräsident der 12. Diabetes Herbsttagung.

Eine vor Kurzem in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte randomisierte Vergleichsstudie zeigt, dass „Closed Loop“-System gegenüber einer sensorgestützten Therapie in der klinischen Anwendung überlegen ist. An der Studie waren 86 Patienten mit Typ-1-Diabetes im Alter von sechs bis 65 Jahren beteiligt, die trotz der Verwendung einer Insulinpumpe suboptimale Blutzuckerwerte aufwiesen. Während die eine Hälfte der Probanden zusätzlich zur Insulinpumpe mit einem Gerät zur kontinuierlichen Blutzuckermessung ausgestattet wurde, erhielt die andere Hälfte ein „Closed Loop“-System. Hierbei zeigte sich, dass die Patienten durch die Verwendung des hybriden „Closed Loop“-Systems ihre Blutzuckerwerte signifikant länger in einem vorbestimmten Zielbereich halten konnten als die Patienten mit einer sensorgestützten Therapie. Bei dieser Therapie wird die Insulindosis selbst bestimmt und injiziert. Das galt vor allem für die Nacht.

Mehrwerte für Patienten

„Die technologischen Fortschritte in der Diabetestherapie stellen für die Betroffenen einen großen Mehrwert dar. Sie nehmen den Patienten lebensnotwendige Aufgaben ab und fördern somit die Lebensqualität“, sagt Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Es eröffne Patient und Arzt sowie dem Austausch miteinander neue Chancen, die das Arzt-Patienten-Verhältnis vertiefen und die Versorgung verbessern könnten.