Wie Freenet ins Smart Care-Geschäft startet

Ralf Gmelin_Leiter Corporate Development bei Freenet
Corporate-Development-Leiter Ralf Gmelin im Gespräch mit mednic: "Das Gesundheitsbewusstsein nimmt auch in Deutschland definitiv zu". (Foto: Freenet AG)

Mobilcom-Debitel wird in Kürze in 50 Shops Gesundheitsprodukte und Beratung anbieten. mednic sprach mit Ralf Gmelin, Leiter Corporate Development bei der Muttergesellschaft Freenet AG, über den Einstieg des Telekommunikationsriesen in die Gesundheitsbranche.

mednic: Warum engagiert sich die Freenet AG im Themenbereich Gesundheit und Pflege?

Gmelin: Wir haben bei Freenet schon vor einigen Jahren gesagt, dass sich der Mobilfunk in einem stagnierenden Marktumfeld befindet und nicht mehr das einzige Standbein sein kann. Damals haben wir damit begonnen, den Bereich ‚Connected World’ aufzubauen, was uns sehr erfolgreich gelungen ist. Ebenfalls hinzugekommen ist das digitale ‚Entertain’-Geschäft.
Als dritter Schritt folgt nun ‚Smart Care’. Hier adressieren wir den zweiten Gesundheitsmarkt, sprich: Alles, was nicht auf Rezept erhältlich ist. Wir setzen auf Produkte zur Prävention, die im Idealfall auch über einen gewissen Spaßfaktor ähnlich wie bei Smart-Home-Produkten verfügen dürfen. Wir fangen hier ganz überschaubar mit fünf Produkten an. Da wir hier als sogenannter First Mover an den Start gehen, bedeutet es auch, dass wir uns nach dem Trial-and-Error-Prinzip vorwärtsbewegen werden. Die Kunden werden uns sagen, was sie wollen. Nachdem wir online ja bereits gestartet sind, werden wir im Sommer auch in 50 von rund 600 Mobilcom-Debitel-Shops vertreten sein.

“Wir setzen auf Produkte zur Prävention, die im Idealfall auch über einen gewissen Spaßfaktor verfügen”

mednic:  Warum werden es so verhältnismäßig wenige Geschäfte sein?

Gmelin: Unsere Prämisse war hier, am Anfang lieber erst auf wenige Shops zu setzen, die aber bereits über gut geschulte Mitarbeiter verfügen. Das Thema Gesundheit ist sensibel und hier gilt es, mit kompetentem Personal das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Das geht nicht in 600 Shops gleichzeitig.

mednic: Investieren viele Bürger nicht erst dann in ihre Gesundheit, wenn sie beim Arztbesuch auf mögliche Risiken oder Erkrankungen wie etwa Hypertonie aufmerksam gemacht werden?

Gmelin: Der zweite Gesundheitsmarkt entwickelt sich derzeit unheimlich dynamisch. In jüngster Vergangenheit war hier ein Wachstum von rund 20 Prozent pro Jahr zu beobachten. Rund zwei Drittel aller Internetnutzer suchen im Web regelmäßig nach Gesundheitsthemen. Gesundheits-Apps werden auch von jungen Menschen häufig geladen. Nicht zuletzt beobachten wir in Deutschland in einigen ländlichen Regionen einen Ärztemangel. All das sind Faktoren, die uns sehr optimistisch stimmen, dass wir mit smarten, technischen Lösungen auf Interesse stoßen.

mednic: Gehen Sie davon aus, dass künftig mehr Menschen dazu bereit sind, eigenständig in Präventionsmaßnahmen zu investieren?

Gmelin: Ja, das Gesundheitsbewusstsein nimmt auch in Deutschland definitiv zu. Immer weniger Menschen rauchen, immer mehr Menschen kaufen Bio-Produkte. Bei neuen Angeboten müssen die Kunden allerdings ganz klar einen Nutzen erkennen.

Können Sie sich auch Kooperationsvereinbarungen mit Krankenkassen vorstellen?

Gmelin: Wir werden ab Mai mit einer großen, gesetzlichen Krankenkasse ein Pilotprojekt starten und wir führen mit weiteren Krankenkassen Gespräche. Für unser Angebot können die Kassen ein Stück weit den Weg bereiten, denn sie genießen großes Vertrauen. Umgekehrt wollen die Krankenkassen junge, gesunde Kunden hinzugewinnen, was mit den Produkten von uns gelingen kann. Hier stehen wir also für beide Seiten vor einem Entwicklungsprozess, der sich sehr vorteilhaft entfalten kann.

“Sanitätshäuser, Krankenkassen oder Versicherungen können künftige Partner sein”

mednic: Werden Smart Care-Produkte künftig auch in Apotheken oder Sanitätsfachgeschäften angeboten?

Gmelin: Aufgrund langer Zertifizierungen werden wir die Produkte nicht über Apotheken vertreiben. Wir sprechen derzeit aber beispielsweise mit Physiotherapeuten, die einzelne Produkte anbieten könnten. Auch Sanitätshäuser, Krankenkassen oder Versicherungen können künftige Partner sein. Grundsätzlich fangen wir jetzt aber erst einmal klein an, denn man muss sehen, was der Markt annimmt. Sobald ein Produkt skaliert, werden wir es breiter ausrollen.

mednic: Was entgegnen Sie Datenschützern, die eine zunehmende Anzahl von vernetzten Sensoren am Handgelenk oder anderswo am menschlichen Körper mit Sorge betrachten?

Gmelin: Das Thema Datenschutz ist uns sehr wichtig und wir sind definitiv keine Datensammler. Für das Thema E-Health gilt aus meiner Sicht das Gleiche wie für das Thema Smart Home: Sicherheit geht absolut vor, da werden wir keine Kompromisse machen.

mednic: Herr Gmelin, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!