Spielen für die Demenzforschung

Mehrere hundert Menschen versammelten sich am University College London und feierten den Launch des mobilen Spiels „Sea Hero Quest“ (Foto: Deutsche Telekom).

Das weltweit erste mobile Spiel, mit dem jeder Spieler die Demenzforschung unterstützen kann, hat die Deutsche Telekom jetzt vorgestellt. In Rahmen eines Projektes hat der Konzern das mobile Game in enger Zusammenarbeit mit internationalen Partnern aus Forschung und Wissenschaft entwickelt. Dazu gehören die gemeinnützige Organisation Alzheimer’s Research, das University College London, die Universität von East Anglia sowie der Spieleentwickler Glitchers. Nun soll das Spiel dabei helfen, die Grundlagenforschung für Demenz einen großen Schritt nach vorne zu bringen.

Bei „Sea Hero Quest“ werden Wissenschaftlern anonyme Spiel-Daten über das Navigationsverhalten und die räumliche Orientierung des jeweiligen Spielers zur Verfügung gestellt. Denn die Einschränkung der räumlichen Orientierung ist bei vielen Demenzkranken ein frühes Symptom. Sie finden sich selbst in vertrauten Umgebungen nicht mehr zurecht. Zwar geben jüngste klinische Untersuchungen Anlass zur Hoffnung, dass es künftig möglich sein wird, den Krankheitsverlauf von Alzheimer, der häufigsten Form von Demenz, zu verzögern. Allerdings bleiben Früherkennung und Diagnose der demenziellen Erkrankungen eine Herausforderung. Denn den Forschern liegen zwar Daten von Erkrankten vor, aber kaum Vergleichsdaten von gesunden Menschen. Genau diese Daten sollen jetzt mit Hilfe des Spiels erhoben werden. Die Hoffnung: Die Analyse der Daten aller Spieler aus “Sea Hero Quest” wird dazu beitragen, erstmals Normdaten für die räumliche Orientierung zu gewinnen. Diese Normdaten werden als Grundlage für die frühzeitige Diagnose einer Demenz dringend benötigt.

Forschung gemeinsam vorantreiben

„Sea Hero Quest“ ist via Smartphone oder Tablet spielbar. Die Spieler begeben sich auf eine Entdeckungsreise und steuern mit dem Boot durch verschiedene Landschaften. Wie sie anhand von Karten durch die virtuellen Welten navigieren, gibt den Wissenschaftlern Aufschluss über das menschliche Orientierungsverhalten. In jeder Spielsekunde werden anonyme Daten über das Navigationsverhalten der Spieler gesammelt. So können 100.000 Spieler in zwei Minuten Spielzeit Daten generieren, für deren Erhebung sonst über 50 Jahre herkömmlicher Forschung auf diesem Gebiet erforderlich gewesen wäre.

„Dieses Projekt bietet erstmals die Chance zu untersuchen, wie sich Tausende von Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen räumlich orientieren. Es hilft Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie wir unser Gehirn beim Navigieren nutzen. Zudem unterstützt es die Demenzforschung bei zukünftigen Arbeiten zu Diagnostik und Arzneimitteltherapie“, so Hugo Spiers vom University College London. Auch Hilary Evans, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation Alzheimer’s Research, unterstreicht die Bedeutung des Projektes: „In der Demenzforschung gibt es bisher kein Projekt dieser Größenordnung. Mit dem von der Deutschen Telekom initiierten mobilen Spiel ‚Sea Hero Quest’ können wir einen unschätzbaren Datenpool erheben.“ Bisher habe es Jahre gedauert, Vorhaben dieser Art zu koordinieren, und die Ergebnisse lieferten bestenfalls eine Momentaufnahme über das Verhalten einer sehr kleinen Gruppe von Freiwilligen. „An der bislang größten Studie zur räumlichen Orientierung nahmen knapp 600 Freiwillige teil. Der Forschung einen Zugang zu einer Crowd-Sourced-Datenbank dieser Art und Größenordnung zu gewähren und noch dazu in so kurzer Zeit – das ist genau die Art von Innovation, die wir benötigen, um den nächsten Durchbruch in der Demenzforschung zu erzielen“, ist Evans überzeugt.

Chancen der Digitalisierung nutzen

Für Dr. Axel Wehmeier, Geschäftsführer der Telekom Healthcare Solutions, zeigt das Projekt beispielhaft, welche Möglichkeiten die Digitalisierung des Gesundheitswesens mit sich bringt. „Datenanalysen bringen neue Therapien und eine bessere Versorgung des Patienten. Trotzdem bereitet der Analyse-Gedanke vielen noch Unbehagen. Daher muss die Gesundheitsbranche digitale Verantwortung für die Patienten übernehmen, ihre Sorgen ernst nehmen, die Chancen der Digitalisierung dafür aber nicht verschenken“, sagt Wehmeier.

Demenz gilt heute als eine der größten medizinischen Herausforderungen der Gesellschaft. Schätzungen zufolge leben weltweit knapp 50 Millionen Menschen mit Demenz. Laut dem „Global Alzheimer’s Report 2015“ werden im Jahr 2050 rund 135 Millionen Menschen betroffen sein.

Weltweit kostenlos verfügbar

Das Spiel „Sea Hero Quest“ ist weltweit für iOS- und Android-Geräte verfügbar und kann ab sofort kostenlos über den App Store sowie Google Play heruntergeladen werden.