Milliarden fehlen: Krankenhaus-Digitalisierung in Gefahr

Krankenhäusern in Deutschland fehlt das Geld, um die erforderliche Digitalisierung umzusetzen. (Foto: spotmatikphoto - Fotolia.com)

Den Krankenhäusern in Deutschland fehlt es massiv an Budget für die Digitalisierung. Wie hoch die die finanzielle Unterversorgung der Krankenhaus-IT tatsächlich ist, hat jetzt der Bundesverband der Krankenhaus-IT Leiterinnen und Leiter e.V. (KH-IT) ermittelt und dazu eine Studie durchgeführt.

Nach dieser Erhebung des Bundesverbandes KH-IT fehlten im Bezugsjahr 2017 insgesamt 1,6 Milliarden Euro (davon 1,1 Milliarden Euro nicht genehmigte Investitionsbedarfe für Endgeräte, klinische Systeme, Server, Netzwerk etc.). Neben dem eklatanten Investitionsstau fehlen auch finanzielle Ressourcen für den IT-Betrieb im Krankenhaus sowie die Einstellung von IT-Fachkräften. Um die gewünschte Digitalisierung überhaupt umsetzen zu können, müssten nach Einschätzung der IT-Leitungen zusätzlich 2.688 Fachkräfte auf Vollzeitbasis eingestellt werden. Dabei gibt es neben dem Fachkräftemangel auch das Problem, dass sich mögliche Bewerber nicht mit dem Tarifgefüge der Krankenhäuser zufriedengeben.

11,6 Milliarden-Euro-Loch

Hochgerechnet auf die kommenden fünf Jahre sieht der Bundesverband ein Finanzierungsdefizit in der Krankenhaus-IT von 11,6 Milliarden Euro. Die Hochrechnung basiert auf einer repräsentativen empirischen Erhebung unter den Mitgliedern des KH-IT Bundesverbandes. Befragt wurden 35 IT-Leiterinnen und –Leiter mit Verantwortung für 44 Krankenhäuser über alle Krankenhausgrößenklassen (ausgenommen KH< 100 Betten) und Versorgungskategorien (Grund-, Regel-, Maximalversorgung sowie Unikliniken).

In der Erhebung wurde lediglich nach der Finanzierungslücke zwischen genehmigtem und aus IT- Leitungssichtnotwendigem IT-Budget gefragt. Die Erhebungsergebnisse bilden demnach tendenziell den Fehlbetrag für die IT-Mindestausstattung in deutschen Krankenhäusern ab. Würde man den eigentlich wünschenswerten, möglichst hohen IT-Reifegrad mit in die Berechnung einbeziehen, wäre das Finanzierungsdefizit nach Ansicht des Bundesverbandes mit Sicherheit um ein Vielfaches höher. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind zukünftige Kosten der digitalen Transformation im Krankenhaus, wie etwa für Body Electronic, Artificial Intelligence oder Robotic.

Der Bundesverband sieht dringenden Handlungsbedarf. Denn ohne Frage sind die Potentiale der Krankenhaus-Digitalisierung herausragend. Im klinischen Alltag müssen Mediziner und Pflegekräfte oft mit unzulänglicher Technik arbeiten. Natürlich sei das fehlende Geld hierfür nicht die einzige Ursache. Als Beispiele nennt der KH-IT ein Oligopol von Krankenhaus-IT Providern mit unflexiblen, veralteten Systemen oder die hoch komplexen klinischen Prozesse. Ohne die Bereitstellung der fehlenden 11.6 Milliarden Euro zur Sicherstellung eines stabilen Krankenhaus-IT Betriebs in den nächsten fünf Jahren erscheinen diese Einflussfaktoren dem Verband jedoch zweitrangig.

Sonderprogramm für Krankenhaus-Digitalisierung

Angesichts der knappen Krankenhausbudgets geht der KI-IT Bundesverband nicht davon aus, dass die Geschäftsführungen die prekäre Situation aus eigener Kraft bewältigen können. Er fordert die Gesundheitspolitik daher dazu auf, ein staatliches Sonderprogramm zum Aufbau einer adäquaten IT-Ausstattung im Krankenhausbereich zu starten und hierfür die fehlenden 11,6 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.