Hack-Angriffe: Finanzdaten wichtiger als Gesundheitsdaten

Smartphone mit geöffneter Onlinebanking-App
Ein Zugriff auf eigene Finanzdaten durch Cyberkriminelle jagt den meisten Anwendern mehr Angst ein, als ein Hacking von persönlichen Gesundheitsdaten (Foto: © daviles/fotolia.com)

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Verbraucher sich mehr vor Hacks ihrer Finanzdaten als vor dem Verlust privater Informationen über ihre Gesundheit fürchten. Bedenklich: Die Studie belegt zudem, dass Kunden häufiger über Nachrichtenmedien und Social-Media-Portale von Sicherheitsvorfällen erfahren als von den angegriffenen Unternehmen, die über ihre Daten verfügen.

Der kalifornische Sicherheitsspezialist Centrify hat die Ergebnisse seiner Consumer Trust Studie 2016 veröffentlicht. Die Studie untersuchte Einstellungen von Verbrauchern bezüglich Hacking: Vor Hacks welcher Informationen fürchten sich die Befragten am meisten? Wie häufig ändern Verbraucher ihre Passwörter und wie erfahren sie von einem Hack?

Die von Centrify durchgeführte Online-Studie fand heraus, dass die Befragten vor allem Hacks ihrer Kreditkarten- oder Bankinformationen fürchten. Für 78 Prozent der befragten Deutschen und US-Amerikaner ist dies eine ihrer größten Befürchtungen. In Großbritannien liegt der Wert mit 85 Prozent sogar noch höher.

Geld vor Gesundheit

Für die Studie wurden insgesamt 2.400 Teilnehmer aus Deutschland, den USA und Großbritannien befragt. Es zeigte sich, dass die Befragten in Deutschland zudem sehr besorgt darüber sind, dass ihre Patientenakten in die Hände von Hackern geraten könnten. Für 48 Prozent der deutschen Befragten ist dies eine ihrer größten Befürchtungen (46 % in USA, 45 % in GB). Darauf folgt in Deutschland die Angst vor Hacks auf Informationen zu Finanzinvestitionen mit 43 Prozent. In den USA und in Großbritannien die Angst vor Hacks ihrer Finanzinvestitionen unter Verbrauchern mit 58 Prozent bzw. 56 Prozent sogar noch deutlich höher.

Ebenfalls 43 Prozent der deutschen Befragten (44 % in USA, 41 % in GB) fürchten sich sehr davor, dass familiäre Informationen und Informationen zu ihren Kindern von Hackern gestohlen werden. Laut der Studie lösen mögliche Hacks von polizeilichem Führungszeugnis, dem Browser-Verlauf und Dating-Profil-Informationen am wenigsten Sorgen bei den Befragten aus.

Informationspolitik mit Verbesserungsbedarf

Die Studie fand zudem heraus, dass im Fall eines erfolgten Hacks die Kunden dies nicht immer direkt von den angegriffenen Unternehmen oder Organisationen erfahren, die über ihre Daten verfügen. Nahezu die Hälfte der Befragten in allen drei Ländern gab an, dass sie über Nachrichten von den Hacks erfahren haben. Bei jungen Erwachsenen hingegen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie via Social-Media-Portalen davon hören.

Zusätzlich zeigte sich, dass trotz des zunehmenden medialen Fokus auf spektakuläre Hacks der Umgang mit Passwörtern bei den meisten Befragten bestenfalls nachlässig ist. Sie wenden keine adäquaten Vorsichtsmaßnahmen an, um ihre persönlichen Informationen zu schützen. Erschreckenderweise wechselt ein Drittel der Deutschen und Briten sowie ein Viertel der Amerikaner ihre Passwörter nur einmal im Jahr, seltener oder nie. 23 Prozent der deutschen Befragten ändern ihre Passwörter mindestens einmal im Monat.

Anwender oft nachlässig

Die geringe Änderungsfrequenz von Passwörtern bezeichnet Centrify als alarmierend. 60 Prozent aller Deutschen tätigen alle oder einen großen Teil ihrer Bankgeschäfte online. Auch fast ein Drittel der Einkäufe wird der laut Studie mittlerweile von den deutschen Befragten vollständig oder überwiegend online erledigt. Zwei Anwendergruppen erweisen sich der Untersuchung zufolge als lernfähig bezüglich ihres Online-Verhaltens: Diejenigen, deren persönliche Informationen in der Vergangenheit gehackt wurden und die, die viel online einkaufen verhalten sich besonders vorsichtig.

Zudem sind die Kunden durchaus gewillt, Zeit für Sicherheitsmaßnahmen zu investieren, wenn dies tatsächlich mehr Sicherheit zur Folge hat. Mehr als die Hälfte der deutschen Befragten (52 %) würden zehn Minuten oder mehr für Sicherheitsvorkehrungen aufbringen, gefolgt von 46 Prozent in den USA und 30 Prozent in Großbritannien. Über die Hälfte der Befragten wählte eine Identifikation mit Fingerabdruck als Sicherheitsmaßnahme, die sie gerne nutzen würden. Einen alphanumerischen Code, eine 4-stellige PIN und Stimmerkennung folgen dahinter.