Gebündelter Ultraschall entfernt Schilddrüsenknoten ohne OP

Auch gutartige Knoten an der Schilddrüse können zu Beschwerden führen. (Foto: glisic_albina - Fotolia.com)

Etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland leidet unter Knoten an der Schilddrüse, die meisten dieser Wucherungen sind harmlos. Werden die Knoten zu groß und lösen Beschwerden aus oder führen sie zu einer starken Schilddrüsenüberfunktion, wird häufig operiert. Nun gibt es eine Alternative zum chirurgischen Eingriff, die ohne Narben und Narkose auskommt – den hochfokussierten Ultraschall. Darauf weist jetzt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e. V. (BDN)  hin.

Bereits seit längerem wird gebündelter Ultraschall in der Medizin eingesetzt. „Wir kennen das Verfahren beispielsweise aus der Leberchirurgie, um Metastasen mit Hitze zu zerstören oder auch zur Beseitigung von Fibroadenomen, also gutartigen Tumoren, in der Brust“, sagt BDN-Experte Dr. med. Norbert Czech. Neue Geräteentwicklungen ermöglichen nun auch in der Halsregion eine Anwendung.

Für die Behandlung stellt der Nuklearmediziner den Ultraschallkopf auf das Gewebe ein, anschließend fährt das Gerät den Knoten Punkt für Punkt ab. Dabei wird das Gewebe mit den gebündelten Strahlen beschossen, die in der Tiefe eine Hitze von bis zu 80 Grad entwickeln. Dadurch sterben die Zellen ab. „Die Behandlung kann pro Knoten eine Stunde dauern“, so Czech. Eine örtliche Betäubung sei nicht erforderlich. „Die Patienten empfinden die Ultraschallschüsse als Nadelstiche, aber das ist in der Regel gut auszuhalten, zumal wir vor Therapiebeginn eine schmerzlindernde Medikation verabreichen“, so der Bremer Nuklearmediziner.

Gebündelter Ultraschall erst nach Klärung

Vor der Behandlung muss geklärt sein, dass es sich bei den Verwachsungen in der Schilddrüse nicht um Krebs, sondern um gutartige Knoten handelt. Etwa 95 Prozent aller Schilddrüsenknoten sind gutartig. Die Klärung erfolgt zumeist im Rahmen der nuklearmedizinischen Voruntersuchung. Gutartige Knoten werden in „kalt“ und „heiß“ unterschieden. Während kalte Knoten kaum noch Hormone produzieren, sorgen heiße Knoten für ein Übermaß an diesen Botenstoffen. „Grundsätzlich kommen beide Varianten für die fokussierte Ultraschall-Behandlung in Frage, heiße wie kalte Knoten“, sagt Czech. Alternative Verfahren seien die chirurgische Entfernung, bei heißen Knoten auch die Radiojodtherapie.

Die Kosten des neuen Verfahrens werden von der AOK Bremen/Bremerhaven übernommen, mit anderen Krankenkassen werden derzeit Gespräche zur Kostenübernahme geführt. Acht Zentren in Deutschland bieten die Echotherapie für Schilddrüsenknoten bisher an. Eine Liste der Echotherapiezentren in Deutschland stellt der Verband online zur Verfügung.