Dr. Thorsten Sieß erhält den Werner-von-Siemens-Ring 2026 für die Entwicklung und industrielle Umsetzung der Impella-Herzpumpe. Die miniaturisierte Pumpe kann das Herz vorübergehend mechanisch unterstützen und entlasten. Aus einer Aachener Forschungsarbeit ist so eine weltweit eingesetzte Medizintechnik-Plattform entstanden.
Die Entwicklung der Impella begann Anfang der 1990er-Jahre an der RWTH Aachen. Dr. Thorsten Sieß beschäftigte sich dort während seiner Promotion mit einer möglichst kleinen, leistungsfähigen Blutpumpe. 1997 gründete er mit Partnern ein Unternehmen zur Weiterentwicklung der Technik; die Plattform bildet heute die Grundlage einer ganzen Familie temporärer Herzunterstützungssysteme. Johnson & Johnson beziffert die Zahl der weltweit mit Impella behandelten Patientinnen und Patienten inzwischen auf mehr als 400.000. Der Werner-von-Siemens-Ring würdigt Sieß dabei nicht allein für die technische Erfindung, sondern auch für deren Überführung in die industrielle Fertigung. Nach Unternehmensangaben entstehen am Standort Aachen inzwischen mehr als 700 Pumpen pro Woche. Die Stiftung zeichnet mit dem seit 1916 vergebenen Preis technische Neuerungen aus, bei denen Forschung mit unternehmerischer Umsetzung verbunden wird. Seit 2024 ist die Auszeichnung mit 100.000 Euro dotiert.
Impella-Herzpumpe entlastet die Herzkammer
Bei den linksventrikulären Impella-Systemen wird eine mikroaxiale Pumpe über einen Katheter bis ins Herz vorgeschoben. Sie nimmt Blut aus der linken Herzkammer auf und fördert es über die Aortenklappe in die Hauptschlagader. Dadurch lässt sich die Arbeit des geschwächten Ventrikels vorübergehend reduzieren und gleichzeitig der Kreislauf unterstützen. Das technische Prinzip kombiniert dafür einen nur wenige Millimeter großen Impeller mit einem miniaturisierten Elektromotor. Genau diese hohe Leistungsdichte bei kleinem Durchmesser war ein entscheidender Entwicklungsschritt. Sieß hatte die zugrunde liegende Pumpentechnik bereits Ende der 1990er-Jahre zum Patent angemeldet.
Für Cornelia Denz, Vorsitzende des Stiftungsrats, liegt darin beispielhaft die Transferleistung der Entwicklung: Dr. Thorsten Sieß zeige, „wie beeindruckende Forschung durch unternehmerisches Denken und Handeln den Transfer vom Labor zu den Menschen schafft“, hebt sie zur Begründung der Auszeichnung hervor.
Impella-Systeme werden unter anderem zur temporären Kreislaufunterstützung bei kardiogenem Schock und bei ausgewählten Hochrisiko-Koronarinterventionen eingesetzt. Wie stark der klinische Nutzen von Patientengruppe und Einsatzsituation abhängt, zeigt die DanGer-Shock-Studie. In der randomisierten Untersuchung wurden 355 Patientinnen und Patienten mit ST-Hebungsinfarkt und kardiogenem Schock ausgewertet. Nach 180 Tagen waren 45,8 Prozent der mit Impella CP plus Standardtherapie behandelten Personen gestorben, gegenüber 58,5 Prozent unter alleiniger Standardtherapie. Der Überlebensvorteil ging jedoch mit mehr Komplikationen einher. Den kombinierten Sicherheitsendpunkt aus schweren Blutungen, Extremitätenischämien, Hämolyse, Geräteversagen oder einer Verschlechterung der Aortenklappeninsuffizienz erreichten 24,0 Prozent in der Impella-Gruppe gegenüber 6,2 Prozent in der Kontrollgruppe. Auch eine Nierenersatztherapie war häufiger erforderlich. Die Ergebnisse lassen sich zudem nicht auf alle Menschen mit kardiogenem Schock übertragen: In die Studie wurde eine genau definierte Gruppe mit infarktbedingtem Schock aufgenommen; unter anderem waren komatöse Patientinnen und Patienten nach Herzstillstand ausgeschlossen.
Von der Promotion zur MedTech-Produktion
Gerade diese Entwicklung macht die Auszeichnung für die Medizintechnik interessant. Zwischen dem ersten Forschungsansatz und dem heutigen Produkt lagen nicht nur Miniaturisierung und klinische Erprobung, sondern auch die Entwicklung reproduzierbarer Fertigungsprozesse für ein hochkomplexes Medizinprodukt. Der Werner-von-Siemens-Ring rückt damit einen Teil der MedTech-Innovation in den Vordergrund, der häufig weniger sichtbar ist: Erst wenn sich eine technische Idee zuverlässig, in hoher Stückzahl und unter regulatorischen Qualitätsanforderungen produzieren lässt, kann aus einem Laborprototyp eine breit einsetzbare medizinische Technologie werden.

