Verdacht auf Gehirnerschütterung? App für Sportler testet den Kopf

Mit der App können Sportler jetzt ermitteln, ob durch einen Sturz oder Schlagein Verdacht auf Gehirnerschütterung vorliegt. (Foto:© goldencow_images - Fotolia.com)

Nach einem Sturz oder Zusammenprall sollten Sportler direkt zum Smartphone greifen:  Eine App gibt jetzt Hinweise darauf, ob der Unfall zu einer Gehirnerschütterung geführt haben kann.

Entwickelt wurde die App „GET – Gehirn Erschüttert? TestApp!“ von der Initiative „Schütz Deinen Kopf!“ der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung. Mit der App lässt sich innerhalb von drei bis vier Minuten feststellen, ob durch den Sturz oder Schlag, den der Sportler erlitten hat, ein Verdacht auf Gehirnerschütterung vorliegt. Neben kompakten Informationen zur Gehirnerschütterung selbst bietet die App einen schnell durchführbaren Test , der auf Basis wissenschaftlicher Studien und Erkenntnisse entwickelt wurde. Neben Checklisten zur Überprüfung von typischen Symptomen gibt es Tests zur Reaktionsgeschwindigkeit und Augenfunktion. Die Tests sind für ein Zweierteam gedacht – etwa Spieler und Trainer oder Spieler und Mannschaftsarzt – und können direkt nach dem Zusammenprall oder Sturz zum Einsatz kommen. Zeigt die App ein alarmierendes Ergebnis, sollte der Sportler das Training oder Spiel sofort unterbrechen und direkt einen Arzt aufsuchen.

Die Tests findet Dr. Axel Gänsslen vom Klinikum Wolfsburg, einer der medizinischen Berater bei der Entwicklung der App, besonders wichtig. Denn das bloße Abfragen von Symptomen wie Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerz ist fehleranfällig. Viele Sportler wollen zum Beispiel ein Spiel nicht verlassen und machen falsche Angaben. „Gerade in wichtigen Turnieren denken sie: Ich möchte mein Team nicht schwächen“, weiß Gänsslen. Dabei schwächt gerade derjenige sein Team, der bleibt. Wer trotz Gehirnerschütterung weiterspielt, reagiert verlangsamt, neigt zu Fehlentscheidungen und dazu, erneut zu stürzen und mit anderen zusammenzuprallen.

3-Minuten-Regel

„Die Entwicklung und Einführung eines solchen modernen und praktischen Tools zur Testung ist auch nach Ansicht von Privatdozent Dr. Werner Krutsch, Verbandsarzt des Bayerischen Fußball-Verbandes, sinnvoll: „ Wenn wir uns das Beispiel der 3-Minuten-Regel im Profifußball anschauen, die wir Mediziner während der Spieles vom Schiedsrichter Zeit bekommen, um eine Untersuchung durchzuführen, sind standardisierte und praktische Maßnahmen wie eine App entscheidend.“

„Diese 3-Minuten-Regel wird im Fußball noch zu selten angewendet“, kritisiert Norbert Moser, der bei der VBG, der gesetzlichen Unfallversicherung für den bezahlten Sport, die Prävention im Sport verantwortet. Die VBG hat die Entwicklung der App unterstützt. Auch die Deutsche Telekom förderte das Projekt im Rahmen ihres gesellschaftlichen-Engagements.

Einfach anwendbar

Alle Personen ab dem Alter von etwa zwölf Jahren können die App bedienen. „Jeder medizinische Laie, aber auch der Vereinsarzt ohne vertiefte neurologische Kenntnisse und Erfahrungen kann mit Hilfe der App den Spieler testen und anhand objektiver Daten entscheiden, ob ein Verdacht auf eine Gehirnerschütterung vorliegen könnte“, sagt Moser. „Die Diagnose stellt dann anschließend ein fachlich geeigneter Arzt.“

Die App ist für Android, iOS und Windows erhältlich. Die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung sucht noch sportlich Aktive, die die App auf ihrem Smartphone oder Tablet testen wollen. Infos dazu finden sich online unter www.schuetzdeinenkopf.de.