Medizin & Technik

Seit zwölf Jahren mit einer Herzpumpe – was moderne LVAD heute leisten

Pamela J. und Thomas F. gemeinsam mit dem VAD-Team des Deutschen Herzzentrums der Charité. Das spezialisierte Team betreut Patientinnen und Patienten mit mechanischen Herzunterstützungssystemen von der Implantation bis zur langfristigen Nachsorge (Foto: © DHZC)

Das Deutsche Herzzentrum der Charité hat den 750. Patienten mit einem HeartMate 3 versorgt. Eine der ersten Patientinnen lebt bereits seit mehr als zwölf Jahren mit dem System. Zugleich stärkt die neue ESC-Leitlinie den Stellenwert dauerhaft implantierter Herzunterstützungssysteme.

Das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) hat seinem 750. Patienten ein HeartMate-3-System implantiert. Damit erreicht das Berliner Zentrum einen weiteren Meilenstein seines Programms zur mechanischen Kreislaufunterstützung. Insgesamt wurden dort nach eigenen Angaben bereits mehr als 3.200 langfristige Unterstützungssysteme verschiedener Typen eingesetzt. Dass moderne Herzpumpen heute über viele Jahre eingesetzt werden können, zeigt die Geschichte von Pamela J. besonders anschaulich. Sie erhielt 2014 als erste Patientin am damaligen Deutschen Herzzentrum Berlin ein HeartMate 3 und gehört damit zu den frühen Anwenderinnen des Systems weltweit. Mehr als zwölf Jahre später lebt die heute 44-Jährige weiterhin mit der Pumpe. Der aktuelle 750. Patient, Thomas F., erhielt das System dagegen nach einem schweren Herzinfarkt. Sein Kreislauf musste zunächst mithilfe einer ECMO stabilisiert werden. Am 19. August 2026 implantierte das DHZC anschließend das langfristige Unterstützungssystem.

„Kunstherz“ unterstützt das eigene Herz

Der häufig verwendete Begriff „Kunstherz“ ist dabei missverständlich. Das HeartMate 3 ersetzt das natürliche Herz nicht vollständig, sondern ist ein sogenanntes Left Ventricular Assist Device (LVAD). Das erkrankte Herz verbleibt im Körper. Eine implantierte Pumpe unterstützt die linke Herzkammer dabei, Blut in die Hauptschlagader und damit in den Körperkreislauf zu fördern. Im HeartMate 3 arbeitet ein vollständig magnetisch gelagerter Rotor. Die Pumpe ist über eine durch die Haut geführte Leitung mit einer externen Steuereinheit und der Energieversorgung verbunden. Tragbare Akkus ermöglichen den Patientinnen und Patienten Bewegung außerhalb der Klinik. LVAD-Systeme können unterschiedliche Therapieziele erfüllen: Sie überbrücken die Zeit bis zu einer Herztransplantation, dienen als Unterstützung bis zur Transplantationseignung oder einer möglichen Erholung des eigenen Herzens – oder werden dauerhaft eingesetzt, wenn eine Transplantation nicht infrage kommt.

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ESC wertet LVAD-Therapie auf

Der Stellenwert dieser langfristigen mechanischen Unterstützung wurde in der neuen Herzinsuffizienz-Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) deutlich aufgewertet. Für ausgewählte Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz und reduzierter Pumpfunktion erhält die dauerhafte LVAD-Therapie eine Klasse-I-Empfehlung, wenn leitliniengerechte medikamentöse und interventionelle Therapien nicht ausreichen. Ziel ist es, Symptome zu verbessern und das Sterberisiko zu senken. Die Leitlinie umfasst sowohl die Überbrückung bis zur Transplantation oder Erholung als auch die dauerhafte Therapie. Allerdings liegt für diese Empfehlung der Evidenzgrad C vor. Die sorgfältige Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten bleibt deshalb entscheidend.

Das HeartMate 3 ist ein implantierbares linksventrikuläres Unterstützungssystem (LVAD). Die Pumpe unterstützt die geschwächte linke Herzkammer dabei, Blut in den Körperkreislauf zu fördern. (Foto: © DHZC)

Langzeittherapie bleibt mit Risiken verbunden

Auch moderne Systeme beseitigen die Risiken einer mechanischen Kreislaufunterstützung nicht. Zu den relevanten Komplikationen gehören weiterhin Infektionen, Blutungen und neurologische Ereignisse wie Schlaganfälle. Entsprechend wichtig sind neben der Technik die Vorbereitung der Patienten, Schulungen und eine langfristige spezialisierte Nachsorge. Das DHZC betreibt dafür unter anderem eine eigene VAD-Ambulanz sowie eine rund um die Uhr erreichbare Hotline. Wie relevant diese Langzeitrisiken bleiben, zeigt auch eine 2025 veröffentlichte Real-World-Analyse von 431 HeartMate-3-Patienten der Cleveland Clinic. Die geschätzte Überlebensrate betrug dort 88 Prozent nach einem und 58 Prozent nach fünf Jahren. Im Verlauf blieben insbesondere gastrointestinale Blutungen und gerätebezogene Infektionen klinisch relevant. Es handelt sich allerdings um Daten eines einzelnen US-Zentrums, die nicht unmittelbar auf andere Patientengruppen übertragen werden können.

Entscheidend ist, Komplikationen weiter zu verringern und den Patientinnen und Patienten möglichst viel Lebensqualität und Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Prof. Dr. Evgenij Potapov, Leiter des Kunstherzprogramms am DHZC

Die 750. HeartMate-3-Versorgung am DHZC steht damit nicht allein für eine hohe Implantationszahl. Sie verdeutlicht zugleich den Wandel mechanischer Herzunterstützung von einer zeitlich begrenzten Überbrückung hin zu einer möglichen Langzeittherapie für ausgewählte Menschen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz.

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