Philips bringt mit UniGuide 3D Live Guidance eine neue Lösung für bildgeführte Interventionen auf den europäischen Markt. Vor dem Eingriff erstellte CT-Daten lassen sich damit direkt in den laufenden Katheter-Workflow integrieren und mit der Live-Bildgebung kombinieren.
Bei komplexen Kathetereingriffen stehen häufig bereits detaillierte CT-Aufnahmen aus der Planung zur Verfügung. Während der Intervention werden diese Informationen bislang jedoch oftmals getrennt von der eigentlichen Live-Bildgebung betrachtet. Mit UniGuide 3D Live Guidance will Philips diese Trennung reduzieren. Die CE-gekennzeichnete Lösung ist direkt in die bildgeführte Therapieplattform Azurion integriert und seit dem 23. Oktober 2026 in CE-Märkten erhältlich.
CT-Daten erscheinen während des Eingriffs
Bei koronaren Interventionen können Daten einer zuvor durchgeführten Koronar-CT-Angiografie mit der aktuellen Bildgebung kombiniert werden. Möglich sind sowohl eine 3D-Überlagerung mit dem Live-Bild als auch eine synchronisierte Darstellung nebeneinander. Damit stehen während des Eingriffs unter anderem Informationen zum Gefäßverlauf, zu Plaques und weiteren krankheitsbedingten Veränderungen zur Verfügung. Über das Touchscreen-Modul am Behandlungstisch können Ärztinnen und Ärzte auf die CT-Darstellung zugreifen. Die dreidimensionale Rekonstruktion lässt sich zudem mit den Bewegungen des C-Bogens synchronisieren. Die erste Version von UniGuide unterstützt neben koronaren Interventionen auch strukturelle Herzeingriffe und komplexe Gefäßinterventionen.
Der Zugriff auf die CT-Angiografie ermöglicht es uns, relevante Aspekte der zu behandelnden Gefäße zu beurteilen, die Eingriffsplanung zu verbessern und die Intervention präziser durchzuführen.
Prof. Javier Escaned, MD, PhD, Head of the Interventional Cardiology Section, Hospital Clínico San Carlos and Complutense University, Madrid
Philips setzt bei UniGuide nicht ausschließlich auf eigene Planungssoftware. Neben der Advanced Visualization Workspace des Unternehmens können kompatible Lösungen anderer Hersteller eingebunden werden. Voraussetzung ist laut Philips, dass die jeweilige Planungssoftware die entsprechenden DICOM-Anforderungen erfüllt. Damit soll bereits vorhandene Infrastruktur weiter genutzt werden können. Die Integration ist vor allem deshalb relevant, weil präinterventionelle Bildgebung und Live-Navigation zunehmend unterschiedliche Datenquellen zusammenführen. UniGuide soll diese Informationen innerhalb derselben Arbeitsumgebung verfügbar machen, in der auch die Behandlung gesteuert wird.
Workflow-Vorteile noch nicht klinisch belegt
Philips verbindet die Integration insbesondere mit einfacheren Arbeitsabläufen. In einer eigenen Usability-Untersuchung gaben 93 Prozent der teilnehmenden Ärzte an, dass die direkte Einbindung der Planungsinformationen ihrer Einschätzung nach Effizienz und Leistung im Katheterlabor verbessern könne. 80 Prozent sahen Vorteile darin, den Fokus während des Eingriffs besser aufrechterhalten zu können. Die Aussagekraft dieser Zahlen ist allerdings begrenzt: Befragt wurden lediglich 15 Ärzte aus den USA, nachdem sie das System in einer Usability-Studie und anschließend praktisch erprobt hatten. UniGuide erweitert damit zunächst die technische Integration von Planung und Live-Navigation. Ob sich daraus im klinischen Alltag messbare Vorteile für Behandlungsergebnisse oder Ressourceneinsatz ergeben, müssen weitere Untersuchungen zeigen.