Digitalisierung in Krankenhäusern noch schleppend

In vielen Krankenhäusern findet eine zeitaufwändige Doppeldokumentation statt – auf Papier und zusätzlich in digitaler Form. (Foto: everythingpossible - Fotolia.com)

Mit der Digitalisierung ihres Arbeitsplatzes verbinden viele Krankenhausärzte große Hoffnungen. Die Realität sieht allerdings noch anders aus. Viele Häuser sind unzureichend auf die Digitalisierung vorbereitet und der Prozess steckt allenfalls in den Kinderschuhen.

Die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage unter rund 1.800 angestellten Ärztinnen und Ärzten durch den Marburger Bund zeigt, dass die meisten Ärzte der Digitalisierung positiv gegenüberstehen. So sind 80 Prozent der Befragten der Meinung, dass durch die Digitalisierung die ärztliche Arbeit im Krankenhaus zukünftig weiter verbessert werden kann.

Die Ergebnisse der Befragung belegen aber auch, dass die Krankenhäuser vielfach unzureichend auf die Digitalisierung vorbereitet sind. Es mangelt an aktueller, benutzerfreundlicher Hard- und Software, an digitaler Dokumentation und an regelmäßigen Schulungen für IT-gestützte Abläufe. In vielen Fällen findet sogar eine zeitaufwändige Doppeldokumentation von Befunden statt – auf Papier und zusätzlich in digitaler Form.

Zwar gibt es genügend Computer an den ärztlichen Arbeitsplätzen. Rund die Hälfte der Ärzte gibt jedoch an, dass die digitalen Arbeitsmittel größtenteils nicht auf einem ausreichend aktuellen Stand sind. Nur 19 Prozent der Ärzte sind mit der IT-Ausstattung an ihrem Arbeitsplatz zufrieden, 47 Prozent sind es nicht (34 Prozent sind unentschieden).

Staatliches Sonderprogramm gefordert

Trotz dieser Widrigkeiten sind 46 Prozent der Klinikärzte davon überzeugt, dass die Digitalisierung die medizinische Qualität ihrer Arbeit verbessert. Für 18 Prozent ist noch kein Qualitätszuwachs in Sicht und 36 Prozent können nicht einschätzen, ob es zu einer Verbesserung gekommen ist. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage, ob durch die Digitalisierung die eigene Arbeit vereinfacht worden ist: 40 Prozent antworten mit Ja, 21 Prozent mit Nein und 39 Prozent sind unentschieden.

„Die Umfragedaten zeigen, dass die Digitalisierung im Krankenhaus vielfach noch in den Kinderschuhen steckt. Die Ärztinnen und Ärzte sehen das Potenzial zur Verbesserung der Arbeitsprozesse, müssen aber mit unzulänglicher, veralteter Technik zurechtkommen und können deshalb viele Möglichkeiten nicht nutzen, die anderswo zum Standard gehören“, sagt PD Dr. Peter Bobbert, Bundesvorstandsmitglied des Marburger Bundes. Jetzt liege es an der Politik im Bund und in den Ländern, die Modernisierung der IT in den Krankenhäusern endlich in Angriff zu nehmen. Der Marburger Bund fordert deshalb ein staatliches Sonderprogramm zum Aufbau eines adäquaten digitalen Netzes im Krankenhausbereich. Dafür müssen finanzielle Mittel in Höhe von zehn Milliarden Euro in den nächsten sechs Jahren zur Verfügung gestellt werden, heißt es.