Diabetes-Technologien schneller zum Patienten bringen

Immer mehr Menschen mit Diabetes Typ 1 nutzen Diabetes-Technologien. (Foto: lukszczepanski - Fotolia.com)

Immer mehr Diabetespatienten nutzen eine Insulinpumpe. Auch Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) stoßen mittlerweile auf breite Akzeptanz. Allerdings verhindern langwierige Bewilligungsverfahren, dass die Technologien schnell zu den Patienten kommen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert deshalb raschere Bewilligungsverfahren der Kostenträger für Insulinpumpen und CGM.

Menschen mit Diabetes Typ 1 nutzen immer häufiger eine Insulinpumpe. Auch Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM), wie Glukosesensoren, die Patienten zur Blutzuckerbestimmung am Arm oder Bauch platzieren, haben eine breite Akzeptanz gefunden. Die Technologien haben dazu beigetragen, die Therapie zu verbessern und Komplikationen, wie schwere Unterzuckerungen, zu reduzieren.

Standardtherapie für junge Patienten

Aktuelle Diabetestechnologien sind inzwischen ein fester Bestandteil in der Behandlung des Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren. Eine jetzt veröffentlichte Studie in Diabetes Care https://care.diabetesjournals.org/content/early/2019/09/04/dc19-0345zeigt, dass 1995 gerade einmal ein Prozent der Diabetespatienten die Insulinpumpe nutzte – heute sind es inzwischen über die Hälfte aller Patienten. „Die deutlichste Zunahme ist bei Kleinkindern unter sechs Jahren zu verzeichnen: Über 90 Prozent dieser Altersgruppe erhalten heute eine Insulinpumpentherapie“, sagt DDG Vizepräsident Professor Dr. med. Andreas Neu.

In der Beobachtungsstudie an 96.547 Patienten mit Diabetes Typ 1 über einen Zeitraum von 1995 bis 2017 zeigen die Autoren, dass auch Glukosesensoren in der Therapie erheblich an Bedeutung gewannen. Ein Sensor mit einer winzigen Elektrode im Unterhautfettgewebe ermittelt regelmäßig den Glukosewert. „Besonders bei Kleinkindern unter sechs Jahren wird der Glukosesensor immer häufiger eingesetzt“, führt Studienautorin Dr. med. Louisa van Boom, Oberärztin am Clementine Kinderhospital Frankfurt, aus. „Das erspart ihnen den unleidigen Pieks in den Finger und erleichtert Eltern den Alltag erheblich.“

HbA1c-Wert verbessert

Die Technologien haben zu einem größeren Therapieerfolg beigetragen und die Sicherheit gesteigert. „Wir konnten aufzeigen, dass sich der HbA1c-Wert bei Pumpenträgern gegenüber Patienten mit Pen-Therapie verbessert hat“, so van den Boom. Zudem habe sich die Anzahl der Patienten mit schweren Unterzuckerungen und Koma durch die neuen Technologien deutlich verringert.

Mehr Sicherheit für Kinder

Vor allem Kinder profitieren stark von CGM-Systemen. Denn bei Kindern muss jederzeit mit erheblichen Blutzuckerschwankungen gerechnet werden. „Unregelmäßige Bewegung und Nahrungsaufnahme sowie Wachstumsschübe wirken sich erheblich auf den Zuckerstoffwechsel aus. Die Insulindosis muss daher besonders häufig und schnell angepasst werden, um gefährliche Unterzuckerungen zu verhindern“, erklärt Privatdozent Dr. med. Thomas Kapellen, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie der DDG. Das lässt sich laut dem Leiter der Diabetes-Ambulanz für Kinder und Jugendliche im Universitätsklinikum Leipzig unkompliziert und mit deutlich weniger Aufwand mithilfe einer Insulinpumpe gewährleisten. 

Lange Genehmigungsverfahren unnötig

„Doch die CGM-Systeme werden Patienten meist nur nach einem langen Genehmigungsverfahren unter zusätzlicher Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zugesprochen“, kritisiert Kapellen. Dies sei unnötig, da die Leitlinien der DDG, der ergänzende Begutachtungsleitfaden zur Bewilligung einer Insulinpumpe des MDK sowie der Beschluss des G-BA zum rtCGM eindeutig für eine Erstattung sprechen.