Medizin & Technik

Problematische Smartphone-Nutzung aus Nutzungsdaten erkennen

Das Forschungsprojekt KiQuNu untersucht problematische Smartphone-Nutzung (Foto: MagicLens / Smarterpix)

Rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland erreicht in einer Studie einen auffälligen Wert für problematische Smartphone-Nutzung. Das Forschungsprojekt KiQuNu untersucht zudem, ob sich entsprechende Nutzungsmuster künftig mithilfe von KI direkt aus Smartphone-Daten erkennen lassen.

Wie lange ist noch normale Smartphone-Nutzung – und wann wird das Verhalten problematisch? Dieser Frage geht das Forschungsprojekt KiQuNu von OFFIS – Institut für Informatik und der detoxi Health GmbH nach. Für die Studie wurden zwischen Mai und Juni 2026 insgesamt 1.285 Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren untersucht. Neben Fragebögen zur Smartphone-Nutzung und psychischen Gesundheit erfasste eine Studien-App über zwei Wochen auch reale Nutzungsdaten der Smartphones. Dabei ging es beispielsweise um Bildschirmzeit, Aktivierungen und den Zeitpunkt der Nutzung. Mit solchen Mobile-Sensing-Daten wollen die Forschenden prüfen, ob künstliche Intelligenz typische Muster problematischer Nutzung erkennen kann.

Jeder Dritte erreicht auffälligen Fragebogenwert

Gemessen wurde die problematische Smartphone-Nutzung unter anderem mit einer angepassten Version der Compulsive Internet Use Scale (CIUS). 31 Prozent der Befragten erreichten dabei den für die Studie festgelegten auffälligen Bereich. Besonders deutlich war der Alterseffekt: Bei den 18- bis 29-Jährigen erreichten 55 Prozent den entsprechenden Schwellenwert. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren es 40 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 34 Prozent. In der Gruppe der 60- bis 65-Jährigen lag der Anteil bei 15 Prozent. Im Durchschnitt war der Smartphone-Bildschirm der Teilnehmenden täglich 4,25 Stunden aktiviert. Rund ein Fünftel gab außerdem an, Auswirkungen der Smartphone-Nutzung auf Konzentration oder Gesundheit wahrzunehmen. Die Forschenden berichten zudem über einen statistischen Zusammenhang zwischen auffälliger Smartphone-Nutzung, höherem Stress und gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Auffälliger Wert ist keine Suchtdiagnose

Die Ergebnisse benötigen allerdings eine klare Einordnung. Ein CIUS-Wert oberhalb des verwendeten Schwellenwerts bedeutet nicht automatisch, dass eine Smartphone- oder Internetnutzungsstörung vorliegt. Die Studie erfasst vielmehr Anzeichen für ein problematisches Nutzungsverhalten. Eine klinische Diagnose setzt eine weitergehende fachliche Beurteilung voraus. Auch aus dem statistischen Zusammenhang mit Stress oder gesundheitlichen Beschwerden lässt sich nicht ableiten, dass die Smartphone-Nutzung deren Ursache ist. Gerade diese Unterscheidung ist relevant, weil das Projekt selbst teilweise unter dem Begriff „Smartphone-Abhängigkeit“ kommuniziert wird.

KI soll mehr als Bildschirmzeit bewerten

Der zweite Teil von KiQuNu zielt deshalb darauf, das Nutzungsverhalten differenzierter zu erfassen. Das Projekt untersucht, ob sich anhand passiv erhobener Smartphone-Daten mit Machine-Learning-Verfahren wiederkehrende Muster erkennen lassen, die mit problematischer Nutzung zusammenhängen. Der Ansatz geht damit über eine reine Messung der Bildschirmzeit hinaus. Entscheidend könnten beispielsweise Zeitpunkt, Häufigkeit und Kontext einzelner Nutzungsepisoden sowie individuelle Veränderungen über die Zeit sein. Perspektivisch sollen solche Muster Grundlage für ein niedrigschwelliges digitales Screening sein. Eine App könnte Nutzenden Veränderungen ihres Verhaltens zurückmelden und auf mögliche Risiken hinweisen. Noch befindet sich dieser Ansatz allerdings in der Machbarkeitsphase. Das KiQuNu-Projekt läuft bis Ende Oktober 2026. Die Ergebnisse zur KI-basierten Erkennung werden bislang als Forschungsarbeit beziehungsweise über ein OSF-Preprint bereitgestellt; eine klinisch validierte Anwendung zur Diagnose einer Abhängigkeit ist daraus noch nicht entstanden.

OFFIS – Institut für Informatik ►